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27.03.2017

12:01 Uhr

Analyse zum ifo-Index

Der Wirtschaftsboom geht weiter

VonNorbert Häring

Niedrige Zinsen treiben den Wohnungsbau in Deutschland und den Absatz von deutschen Maschinen und Fahrzeugen in der ganzen Welt an. Das dürfte noch eine Weile so weitergehen. Eine Analyse.

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FrankfurtDie deutsche Wirtschaft boomt. Im März stieg das Ifo-Geschäftsklimabarometer, das die Unternehmen der verschiedenen Branchen nach Geschäftslage und Geschäftserwartungen fragt, um über einen Punkt auf 112,3 Punkte. Das ist nahe am Zehnjahreshoch. Getrieben wird die Verbesserung von bereits hohem Niveau vor allem von der Bauwirtschaft und vom verarbeitenden Gewerbe. Die Bewertung der Geschäftslage durch die Bauwirtschaft stieg auf den höchsten Stand seit 1991 und die meisten Unternehmen erwarten eine weitere Verbesserung. Auch in der Industrie, wo die Lageeinschätzung schon deutlich besser ist als beim Bau, wird eine weitere Verbessrung erwartet.

Das sind zwei Branchen, die in besonderer Weise vom Zinsniveau abhängen. Bauten sind extrem kapitalintensiv, entsprechend sind die Kapitalkosten – also Zinsen, einer der wichtigsten Kostenfaktoren. Bei langfristigen Bauzinsen deutlich unter zwei Prozent verwundert es nicht, dass so viele Menschen bauen oder kaufen wollen. Die Branche kommt kaum hinterher. Der Zusatzbedarf durch Einwanderung tut ein Übriges.

Das sagen Ökonomen zum Ifo-Index

Uwe Burkert (Chefvolkswirt LBBW)

„Wow! Mit einem so deutlichen Anstieg hatte niemand gerechnet. Sowohl die Lage als auch die Erwartungen haben deutlich zugelegt. Damit liegt der Ifo-Index auf dem höchsten Niveau seit fast sechs Jahren. Für mich ergibt sich daraus ein positives Bild der deutschen Wirtschaft, die im ersten Quartal wohl um mindestens 0,5 Prozent zum Vorquartal gewachsen sein müsste. Die Sorgen um Brexit, Trump und die anstehende Wahl in Frankreich sind scheinbar wie verflogen, diese Sorglosigkeit ist meiner Meinung nach etwas übertrieben.“

Andreas Scheuerle (Dekabank)

„Kann Trump Politik? Das dürften sich die deutschen Unternehmen derzeit fragen. Tatsächlich läuft es aktuell nicht gut für Politikprojekte des US-Präsidenten, weshalb sich die Unternehmen die Frage stellen, ob man überhaupt mit der Grenzausgleichssteuer überhaupt noch rechnen muss? Damit verliert aus ihrer Sicht die protektionistische Bedrohung zumindest kurzfristig merklich an Schrecken. Kein Wunder, dass die Unternehmen zuversichtlicher nach vorne schauen, zumal die globale Konjunktur anzieht.“

Alexander Krüger (Chefökonom Bankhaus Lampe)

„Die Stimmung der Unternehmen nimmt immer mehr euphorische Ausmaße an. Aufgrund der im historischen Kontext hohen wirtschaftspolitischen Unsicherheit überrascht dies, besonders mit Blick auf die Geschäftserwartungen. Oder zeigen sich Unternehmen erleichtert darüber, dass es derzeit nicht nach harten Trumponomics aussieht? Wie auch immer: Die harten realen Konjunkturdaten sind bislang deutlich hinter der Aufwärtsdynamik der Stimmungsindikatoren zurückgeblieben. Für das erste Quartal 2017 zeichnet sich aber dennoch ein kräftiges Wachstum des Bruttoinlandsprodukts ab.“

Holger Sandte (Nordea Bank)

„Das waren überaus starke Ifo-Zahlen, der höchste Wert seit Mitte 2011 für den Gesamtindex. Die Ifo-Daten zeigen Wirtschaftswachstum in der Größenordnung von zwei Prozent an, das liegt über den meisten Wachstumsprognosen. Die weiter hohen Erwartungen deuten auf stärkere Ausrüstungsinvestitionen hin. Natürlich gibt es auf dem Niveau Rückschlagsgefahren, aber das haben wir schon öfter gesagt. Wenn es läuft, läuft's.“

Thomas Gitzel (Chefvolkswirt VP Bank)

„Das Konjunkturbarometer zeigt einmal mehr, dass ein erneut solides Wachstumsjahr vor uns liegt. Ob die deutschen Unternehmen in den kommenden Monaten noch einen Gang höher schalten können, hängt entscheidend von der Exportentwicklung ab. Sollte in Frankreich ein rechtspopulistisches Erdbeben bei den Präsidentschaftswahlen ausbleiben und mit Emmanuel Macron ein Reformer ans Ruder gelangen, wird auch die deutsche Exportwirtschaft davon profitieren“

Geht es beim Bau um die heimische Nachfrage, so ist es beim verarbeitenden Gewerbe vor allem der internationale Absatz, der sich gut entwickelt. Die deutsche Industrie ist im Exportgeschäft vor allem stark im Maschinenbau und bei kapitalintensiv hergestellten, hochwertigen Konsumgütern wie Autos. Sie profitiert von der allmählich anziehenden Weltkonjunktur in allen wichtigen Industrieländern. Zudem gibt es in vielen Schwellenländern sehr niedrigen Zinsen, die den Abnehmern die Finanzierung erheblich erleichtern.

Gleichzeitig sind die Kapitalkosten in der kapitalintensiven Produktion des verarbeitenden Gewerbes ein extrem wichtiger Kostenfaktor. Es gibt kaum ein Land, das nicht in einer Rezession steckt, in dem die Unternehmen mit so niedrigen Fremdkapitalkosten produzieren können, wie in Deutschland.

Ifo-Index: Deutsche Chefs lassen sich die Laune nicht verderben

Ifo-Index

Deutsche Chefs lassen sich die Laune nicht verderben

Trotz Donald Trump, Marine Le Pen und Brexit-Verhandlungen hat sich die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft im März überraschend aufgehellt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex kletterte auf 112,3 Punkte.

Zwar scheint sich die Phase der extrem lockeren Geldpolitik allmählich ihrem Ende zuzuneigen. Die Straffung wird sich aber so langsam entwickeln, dass die deutsche Industrie und Bauwirtschaft sich auf einen längeren Boom freuen dürfen.

Kommentare (1)

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Herr Toni Ebert

27.03.2017, 13:28 Uhr

Mitt aller größter Freude lese ich gerade, dass der wahre Held unter allen (oft verlogenen- ) Politiker, der Hoffnungsträger Mr. Trump sich von der Klima Lüge distanziert hat.

Ja, dfas tut gut, ein ehrlicher Politiker


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Trump will Klimaschutzplan widerrufen
US-Präsident Trump hält nicht viel von der Arbeit seines Vorgängers Obama. Auch dessen Klimaschutzplan überzeugt ihn nicht. Mit einem weiteren Dekret will er ihn jetzt rückgängig machen - um Arbeitsplätze zu schaffen
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