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09.08.2011

15:49 Uhr

Andenpakt

Mit Peter Müllers Abgang endet eine Legende

Der saarländische Landeschef Peter Müller geht und damit auch der letzte maßgebliche Politiker des Andenpaktes. Angela Merkel prophezeite schon früh, dass sie das Bündnis "überleben" werde.

Peter Müller: Der saarlaändische Ministerpräsident und Landesvorsitzende der saarländischen CDU scheidet aus seinem Amt aus. Quelle: dapd

Peter Müller: Der saarlaändische Ministerpräsident und Landesvorsitzende der saarländischen CDU scheidet aus seinem Amt aus.

BerlinSchon vor acht Jahren bewies die CDU-Vorsitzende hellseherische Fähigkeiten. Der Andenpakt stelle keine Gefahr für ihre politische Karriere dar, prophezeite Angela Merkel in einem Interview. In der Tat: Die Kanzlerin hat sich gegen das Netzwerk aus Politikern und späteren Ministerpräsidenten wie Roland Koch, Christian Wulff und Günther Oettinger behauptet. Mit dem saarländischen Landeschef Peter Müller meldet sich nun der letzte maßgebliche Bundespolitiker aus dem CDU-Netzwerk ab. 

Als der „pacto andino“ 1979 gegründet wurde, war Angela Merkel noch wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentralinstitut für physikalische Chemie an der Akademie der Wissenschaften. Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ berichtete über Jung-Unionisten wie Oettinger, Wulff, Müller und Koch, die auf dem Nachtflug VA 930 von Caracas nach Santiago de Chile hoch über den Anden ein Bündnis schmiedeten, das der eigenen Karriere dienen sollte. Im Mittelpunkt des Paktes stand die Verabredung, sich nicht gegenseitig zu schaden. 

Im Jahr 2002 verhinderte der Pakt eine Kanzlerkandidatur Merkels. Die wiederum bot bei jenem berühmten Frühstück in Wolfratshausen im Januar 2002 CSU-Chef Edmund Stoiber die Kanzlerkandidatur an, was von politischem Realitätssinn zeugte und sich später auch noch als kluger Schachzug erwies: Acht Monate danach war Stoiber als Kanzlerkandidat knapp gescheitert, Merkel wurde im September mit 92,2 Prozent zur Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion gewählt und konnte seitdem ihre Machtposition kontinuierlich festigen.

"So ein Netzwerk funktioniert nur als Geheimbund"

Für den Politik- und Kommunikationsberater Thomas Steg, einst Vize-Regierungssprecher unter Altkanzler Gerhard Schröder und Kanzlerin Merkel, markiert das Jahr 2002 dann auch das Ende des Paktes. „So ein Netzwerk funktioniert nur als Geheimbund“, sagt Steg. Die Debatte um die Kanzlerkandidatur sei der „Sargnagel“ für den Pakt gewesen. 

„Am wichtigsten war der Pakt, als er eine Frau verhindern wollte“, erklärt Steg. Im Nachhinein habe sich das aber als Pyrrhussieg erwiesen, weil der Pakt eben dadurch öffentlich geworden sei. 

„Es ist keinem gelungen, an ihr vorbei zu kommen“, sagt Steg. Koch, Wulff, Oettinger und Müller schafften es an die Spitze von Hessen, Niedersachsen, Baden-Württemberg und Saarland, dann aber war auch Schluss. Koch ging in die Wirtschaft, Wulff wurde Bundespräsident, Oettinger EU-Kommissar in Brüssel, Müller könnte Verfassungsrichter in Karlsruhe werden.

Kommentare (1)

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09.08.2011, 19:33 Uhr

Diese Leute teilen bestimmte Grundwerte mit der Kanzlerin und würden sich nie gegen sie stellen.“
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Es sind Vasallen, soll Steg das doch ganz ehrlich so benennen.
Die Besten, intellektuell gesehen, sind sie nicht, aber das sind Stiefellecker ja nie.
Merkel, gut geschulte FDJ-Frau, weiß wie man Feinde wegbeißt.
Solche Vasallen hat es immer gegeben, solche Ja-Sager haben auch einen Hitler hochkommen lassen.
Das Schlimme ist nur, dass diesem übleen Treiben nicht von Anfang an Paroli geboten wurde udn dzwar von allen, quer durch alle Parteien.
Aber die Detuschen waren im Emenzenwahn. "ach was sidn wir mordern, endlich eine Frau und dann noch aus dem Osten" so war der Tenor damals. Ohne jedes Nachdenken, ohne jedes Nachhacken nach Merkels Vergangenheit. Hier hat übrigens auch die gesamte Presse geschlafen. Das tut sie bis heute.
Denn Merkel hat ein vorleben und sie hat auch eine Akte, da verwette ich ein ganzes Monatseinkommen
Warum traut sich niemand da ran?

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