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09.11.2013

03:19 Uhr

Andrea Nahles

Erhöhungen für Spitzenverdiener sind unausweichlich

Gute Bildung hat ihren Preis, sagt Andrea Nahles. Für die Finanzierung der Reformvorhaben seien Steuererhöhungen für Spitzenverdiener unausweichlich. Unions-Fraktionschef Kauder hatte vorher das Gegenteil bekräftigt.

Andrea Nahles sieht Steuererhöhungen auf Spitzenverdiener zukommen. dpa

Andrea Nahles sieht Steuererhöhungen auf Spitzenverdiener zukommen.

HamburgFür die Finanzierung der Reformvorhaben der Großen Koalition könnten Steuererhöhungen nach Ansicht von SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles unausweichlich sein.

Am Ende der Koalitionsverhandlungen werde "eine Gesamtbewertung" erfolgen und "wenn dann die wichtigsten Anliegen aus den Fachbereichen übrig bleiben, bin ich ziemlich sicher, dass deutlich wird: Eine maßvolle Steuererhöhung für wenige Spitzenverdiener und Vermögende in diesem Land wäre ein wichtiger Beitrag, um die Lebenssituation vieler Menschen zu verbessern", sagte Nahles am Freitag "Spiegel online".

Reiche in Deutschland

Ab wann gilt man als reich?

Eine Definition für Reichtum gibt es nicht. Auch ist dies - wie so vieles - relativ. Der Durchschnittsverdienst eines Arbeitnehmers liegt in Deutschland bei rund 30.000 Euro. Die Hälfte der 26,6 Millionen Steuerpflichtigen hatte nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2007 Einkünfte von bis zu 29.000 Euro, 10 Prozent erhielten mehr als rund 73.400 Euro, aber nur ein Prozent mehr als 206.000 Euro.

Wie ist die Vermögensverteilung?

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) geht von einem Nettovermögen in Deutschland von 9,3 Billionen Euro. Das umfasst Immobilien, Geldvermögen, Versicherungen, Betriebsvermögen oder auch Vermögen in Form wertvoller Sammlungen. Dieses Vermögen ist in Deutschland ungleich verteilt. So besitzen 10 Prozent der Bevölkerung nach Angaben des DIW gut 66 Prozent des Gesamtvermögens. Ein Prozent der Bevölkerung verfügt über mehr als ein Drittel des gesamten Vermögens.

Wie viele Millionäre und Milliardäre gibt es in Deutschland?

Nach Angaben des „Manager Magazins“ gibt es in Deutschland gut 100 Milliardäre - sowohl Einzelpersonen als auch Familien. Angeführt wird die Liste der Superreichen von Aldi-Gründer Karl Albrecht.

Trotz Wirtschaftskrise und Börsenturbulenzen ist auch die Zahl der Deutschen, die über ein Nettovermögen von einer Million Euro und mehr verfügen deutlich gestiegen. Der D.A.CH-Vermögensreport 2012 gibt die Zahl der Euro-Millionäre in Deutschland mit 826.000 an.

Wie sieht es mit „Einkommensmillionären“ aus?

Laut Statistischem Bundesamt gab es im Jahr 2007 insgesamt 16.681 Steuerzahler mit Einkünften von einer Million Euro oder mehr. Die meisten kamen aus Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg.

Wer zahlt Steuern?

Auf das oberste Zehntel der Einkommensbezieher entfielen 2007 fast 55 Prozent des gesamten Steueraufkommens. Fast ein Viertel (23,9) des Aufkommens ging auf die 1 Prozent Einkommensreichsten zurück. Dagegen zahlt die untere Hälfte nur sieben Prozent des Steueraufkommens.

Werden Reiche künftig stärker besteuert?

Wenn es nach SPD, Grünen, Linken und Gewerkschaften geht: Ja. Es geht vor allem um einen höheren Spitzensteuersatz bei der Einkommensteuer und eine Rückkehr zur Vermögensteuer, die Ende 1996 in Deutschland ausgesetzt wurde. Zurzeit liegt der Spitzensteuersatz bei 42 Prozent, er gilt ab einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 52.882 Euro. Hinzu kommt die „Reichensteuer“ von 45 Prozent ab 250.001 Euro (Ledige). Die Sätze könnten angehoben werden oder früher greifen.

"Damit könnten wir wichtige Investitionen tätigen, zum Beispiel im Bereich der Bildung, bei der Verkehrspolitik, beim Wohnungsbau", erläuterte die SPD-Generalsekretärin. Die Frage von Steuererhöhungen bleibe für die SPD auf der Tagesordnung. "Gute Bildung zum Beispiel gibt es nun mal nicht zum Nulltarif", sagte Nahles.

Unions-Fraktionschef Volker Kauder bekräftigte noch am Freitag das Nein der CDU/CSU zu Steuererhöhungen. Es müssten "zwei Ziele eingehalten werden: keine neuen Schulden und keine Steuererhöhungen", sagte Kauder der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Von

afp

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

11.11.2013, 10:34 Uhr

"Spitzenverdiener" sind doch die Politiker.

Nie Steuern eingezahlt, aber ein Leben lang mit 8000 EUR im Monat versorgt. Das sind die wahren "Reichen" von heute.

Account gelöscht!

11.11.2013, 11:13 Uhr

"Sie studierte 20 Semester Politik, Philosophie und Germanistik an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn."
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10 Jahre nutzloses Zeug studiert, noch nie richtig gearbeitet (im Sinne von Wertschöpfung), aber den hart arbeitenden Bürger, der es zu was gebracht hat, bestehlen wollen. Denn das wird totsicher nicht beim Abgreifen der verhaßten "Reichen" bleiben. Ggf. sind dann auch schon mal Bürger mit ordentlichem Einkommen und Eigenheim "reich". Typische Sozialistin an der Grenze zum Kommunismus!

""Gute Bildung zum Beispiel gibt es nun mal nicht zum Nulltarif", sagte Nahles."
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Wer glaubt, daß mit diesen Beträgen z.B. hervorragende Schüler und Studenten gefördert werden, ganz im Sinne einer Exzellenzinitiative und Elitenförderung, die dieses Land international *voranbringt*? Ich nicht!
Das Geld landet garantiert bei irgend welchen Sozialfällen, Sonderschulen, Migrantenprogrammen oder in bildungsnivellierenden Gesamtschulen (Zielsetzung: Alle gleich dumm!). Vor Jahren bekundete die SPD sinngemäß offen, daß man grundsätzlich keine Bildungselite wünscht, weil sonst die Dummköpfe einen seelischen Knacks kriegen und sich benachteiligt vorkommen (der offizielle Wortlaut war natürlich anderes, ist mir aber entfallen). Ich habe genug sozialistische Basteleien am Bildungssystem mit seinen katastrophalen Folgen gesehen und selber erlebt, um da pessimistisch zu sein. Da fährt man lieber nach gut sozialistischer Manier ein bewährtes Bildungssystem voll gegen die Wand.

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