Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.01.2004

08:41 Uhr

Anfang Februar kommt klarstellender Erlass zu hinterzogenen Spekulationsgewinnen

Eichel will Unklarheiten der Steuer-Amnestie beseitigen

VonJan Keuchel

Bund und Länder sorgen sich offenbar um den Erfolg der Steueramnestie. Wie das Handelsblatt aus Koalitionskreisen erfahren hat, werden sich deshalb am 29. Januar Vertreter aus dem Bundesfinanzministerium (BMF) mit ihren Länderkollegen zusammensetzen, um in einem Erlass alle noch unklaren Fragen zu klären.

DÜSSELDORF. Das so genannte BMF-Schreiben soll spätestens in der ersten Februarwoche veröffentlich werden. Hauptthema darin werde die Behandlung von nicht erklärten Spekulationsgewinnen sein, heißt es. Außerdem soll das Schreiben eine „Gebrauchsanweisung“ für das Formular zur strafbefreienden Erklärung enthalten.

Seit Jahresbeginn können reuige Steuersünder nicht versteuerte Einnahmen per Formular nacherklären. Mit der Nachzahlung erlangen sie Straffreiheit. Der Steuersatz beträgt 25 % sowie 35 % bei Nacherklärung zwischen Januar und März 2005. Von den Einnahmen kann der Steuerpflichtige pauschal 40 % zum Ausgleich möglicher Werbungs- oder Betriebskosten abziehen.

Nach Auskunft von Steuerberatern und -anwälten herrscht bei ihren Mandanten aber noch immer große Unsicherheit darüber, wie mit verschwiegenen Gewinnen aus dem An- und Verkauf von Aktien umzugehen ist. Das Gesetz verlangt die Angabe der „Einnahmen“. „Die Frage lautet damit: Ist nun der Veräußerungspreis gemeint oder der Bruttogewinn, also Veräußerungspreis abzüglich Anschaffungskosten?“, bringt es Steueranwalt Jörg Alvermann von der Kölner Kanzlei Streck Mack Schwedhelm auf den Punkt.

Je nach Einordnung führt das zu einer erheblich höheren Steuerpflicht, wie der Anwalt erläutert: Habe etwa ein Steuerpflichtiger Aktien für 8 000 Euro gekauft und für 10 000 Euro wieder verkauft, betrage der steuerpflichtige Gewinn lediglich 2 000 Euro. Müsse in der Amnestieerklärung aber der Veräußerungspreis von 10 000 Euro angegeben werden, betrage der Rückzahlungsbetrag unter Anrechnung der fiktiven Werbungskosten schon 1 500 Euro. Das entspräche bei einem Gewinn von 2 000 Euro einer Steuerbelastung von 75 %. „Bei entsprechend höheren Umsätzen“, so Alvermann, „fällt das Verhältnis noch krasser aus“.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×