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17.07.2012

13:18 Uhr

Angebliche Nürburgring-Pleite

EU dementiert Entscheidung zum Nürburgring

Kurzfristige Entwarnung für das Land Rheinland-Pfalz: Brüssel dementiert, dass die Entscheidung über die Hilfszahlungen an den Nürburgring bereits gefallen ist. Doch sei nun schnell mit einer Entscheidung zu rechnen.

Pleite im Idyll:  Die Zukunft von Rennstrecke und Freizeitpark Nürburgring liegt nun in den Händen eines Insolvensverwalters. dpa

Pleite im Idyll: Die Zukunft von Rennstrecke und Freizeitpark Nürburgring liegt nun in den Händen eines Insolvensverwalters.

DüsseldorfDie Zukunft des Nürburgrings in Rheinland-Pfalz bleibt ungewiss. Die EU-Kommission wies am Dienstag in Brüssel einen Zeitungsbericht zurück, demzufolge sie bereits gegen Beihilfen für die von der Pleite bedrohte landeseigene Gesellschaft entschieden habe. Bei einem Verbot aus Brüssel müsste die weltbekannte Rennstrecke den Presseangaben zufolge ganz oder teilweise verkauft werden.

Die "Rhein-Zeitung" berichtete am Dienstag unter Berufung auf gut informierte Kreise, dass die EU die Beihilfen für den Nürburgring nicht erlauben wolle. "Es hat keine Entscheidung gegeben", sagte dazu der Sprecher von Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia. Mit einer Entscheidung ist nach seinen Worten "eher schnell" zu rechnen, weil es sich um einen Fall von Rettungsbeihilfe handele.
Eigentlich sollte die Entscheidung über die Zulässigkeit der neu beantragten Finanzspritzen für den Nürburgring erst in der letzten Sitzung der Brüsseler Kommission vor der Sommerpause fallen. Es geht um neue Finanzspritzen in Höhe von 13 Millionen Euro und einer Stundung der Kreditzinsen bei der landeseigenen Investitions- und Strukturbank (ISB). Der Pressesprecher des EU-Kommissars Joaquin Almunia äußert sich deutlich: "Es hat keine Entscheidung gegeben". Trotzdem sei mit einer Entscheidung "eher schnell" zu rechnen. Schließlich handele es sich um einen Fall von Rettungsbeihilfe.

Im Falle einer Ablehnung der Hilfszahlungen wäre der Nürburgring praktisch insolvent und müsste teilweise oder sogar ganz verkauft werden. Damit wäre die traditionsreiche Rennstrecke die längste Zeit Staatseigentum gewesen.

Die FDP forderte mit Bezug auf den Bericht bereits den Rücktritt des rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck (SPD). Beck müsse für sein Scheitern die politische Verantwortung übernehmen und zurücktreten, sagte der FDP-Landesvorsitzende Volker Wissing. Das Vermächtnis des dienstältesten Ministerpräsidenten in Deutschland sei "ein gigantischer Schuldenberg", fügte er hinzu.

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Die Neuausrichtung des Nürburgrings war ein Mammutprojekt von Rot-Grün. Unter der Regierung wurden 330 Millionen Euro in und um die Strecke investiert. Es wurden Hotels gebaut, Restaurants eröffnet, Konzerte veranstaltet. Und somit auch Arbeitsplätze geschaffen. Die strukturarme Region in der Eifel sollte eine massive Aufwertung erfahren:  das Naherholungsgebiet  im Nirgendwo.

Doch schon seit längerer Zeit steht das Projekt auf wackeligen Beinen. Denn die Besucher blieben weit hinter den Erwartungen zurück. Geschönte Zahlen konnte darüber lange Zeit hinweg täuschen. Doch im Februar dann die Konsequenz: die privaten Betreiber konnten die Pacht nicht mehr bezahlen. Die Nürburgring GmbH kündigte den Vertrag.

Laut einem Bericht der Wirtschaftswoche haben Wirtschaftsprüfer von Ernst &Young für das Land den aktuellen Wert der Strecke und des Freizeitkomplexes ermittelt. Es sind nur noch rund  126 Millionen Euro. Dem gegenüber stehen der 330 Millionen Euro-Kredite der ISB und weitere 83 Millionen an Gesellschafterdarlehen. So würde das Land auch nach einem Verkauf auf einem Schuldenberg in Höhe von 287 Millionen Euro sitzen bleiben.

Kommentare (11)

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tobi

17.07.2012, 12:28 Uhr

Wie man auf die Idee kommen kann das der Nürburgring noch 126 Millionen Wert sein soll ist mir schleierhaft. Der Freizeitpark ist unverkäuflich -weil völlig überdimensioniert und auch schon mit Baumängeln übersät. Die Nordschleife als letzter Aktivposten ist auf dem Stand der 1980er Jahre und nur mittels permanenter Ausnahmegenehmigungen betreibbar. Ein privater Betreiber erhält diese niemals (zumindest nicht auf Dauer).
Was bleibt ist der völlige Zusammenbruch und über 500 Millionen Verlust für den Landeshaushalt in Mainz !

kfvk

17.07.2012, 12:29 Uhr

Endlich eine vernünftige Entscheidung aus Brüssel, wenn sie dann auch so kommt. Liese man die Landesregierung in RLP so weiter wirtschaften wie bisher, würde sie vermutlich noch lange schlechtem gutes Geld hinterher werfen, ohne Aussicht auf Besserung. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende -- als Steuerzahler kann man nur froh sein. Und natürlich möchte ich mein Geld auch nicht im Sumpf um die Formel1 verschwinden sehen -- ein weiterer guter Grund für das "Halt" aus Brüssel.

merlin

17.07.2012, 12:32 Uhr

... das Geld ist doch in Griechenland viel besser aufgehoben ...

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