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28.03.2017

20:40 Uhr

Angela Merkel

Ein Besuch bei den Vertriebenen der CDU

VonDaniel Delhaes

Angela Merkel hat die Vertriebenen besucht – trotz des Austritts von BdV-Ehrenpräsidentin Erika Steinbach aus der CDU. Die Kanzlerin überzeugte mit Charme und Ignoranz.

Damals war die Welt noch in Ordnung: Vor zehn Jahren besuchte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ebenfalls den Bund der Vertriebenen und wurde von dessen Präsidentin Erika Steinbach (r.) herzlich empfangen. AP

Merkel und Steinbach

Damals war die Welt noch in Ordnung: Vor zehn Jahren besuchte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ebenfalls den Bund der Vertriebenen und wurde von dessen Präsidentin Erika Steinbach (r.) herzlich empfangen.

BerlinDer Jahresempfang der Vertriebenen hat einen festen Platz im. Terminkalender von Angela Merkel. Erst recht in dem Jahr, in dem der Bundesverband der Vetriebenen (BdV) seinen 60. Geburtstag feiert. Entsprechend freut sich BdV-Präsident Bernd Fabritius (CDU) an diesem frühlingshaften Dienstagabend in der Katholischen Akademie in Berlin: Es sei „eine ganz, ganz besondere Ehre, unsere Bundeskanzlerin erneut begrüßen zu dürfen“.

Etwa 300, vornehmlich ältere Menschen sind gekommen, um der Kanzlerin zu lauschen. Viele von ihnen sind jene Vertriebenen, von denen sich mittlerweile auch so mancher in der CDU vertrieben fühlt – konkret durch die Parteivorsitzende Merkel und ihren politischen Kurs.

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Erika Steinbach ist so eine. Die BdV-Ehrenpräsidentin führte bis 2014 die Geschicke des Verbands und sitzt im Bundestag. Seit kurzem allerdings nicht mehr für die CDU. Im Januar erklärte sie ihren Austritt aus der Partei. Sie steht vorne neben der Bühne und lauscht der Kanzlerin. Als Merkel in den Saal kam, haben sie sich kurz die Hand gegeben. Mehr nicht. Danach hat sich Merkel lieber mit Monika Grütters unterhalten, ihre Staatsministerin für Kultur und Statthalterin in der Berliner CDU. Und das, obwohl Steinbach fast neben ihr stand. Sie gehört nicht mehr zum Kreis der wohl Gesonnenen. Punkt.

Steinbach steht in der zweiten Reihe – in diesem Moment – und ansonsten nicht einmal mehr das. „Ich habe keinerlei Klagen zu führen“, sagt sie und meint damit das Verständnis der Kanzlerin für die Belange der Vertriebenen. Gedenkeinrichtungen, den Wunsch nach einem nationalen Gedenktag für Vertriebene oder die Entschädigung der Zwangsarbeiter, all das habe Merkel unterstützt. Und doch konnte sie nicht in der CDU bleiben.

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Als Grund nannte Steinbach seinerzeit die aus ihre Sicht verfehlte Euro-Rettungspolitik, den überraschenden Ausstieg aus der Atomenergie und natürlich die Flüchtlingspolitik, bei der aus ihrer Sicht gegen Recht verstoßen worden sei. Merkel habe „sowohl der CDU als auch Deutschland mit ihren einsamen Entscheidungen in wesentlichen Politikbereichen massiv geschadet“.
Dieser Abgang und diese Begründung hat ihr Merkel nicht verziehen. Auch heute haben sich beide nichts zu sagen. BdV-Präsident Fabritius spricht gerade davon, dass Dialog für Verständnis sorge und Früchte trage. Er meint den Dialog der Vertriebenen. Die Vertriebene Steinbach bekommt keinen Dialog mehr mit der CDU-Chefin Merkel hin. Stattdessen lädt sie jemand zu einem sommerlichen Abend im Juni ein, „bevor Sie Ihre Zelte abbrechen“.

Merkel hält die Laudatio, redet von der Bedeutung des Geschichtsbewusstseins. Ihre Rede ist fahrig, am Ende aber doch klar: Die Bundesregierung werde weiter ein offenes Ohr für die Belange der Vertriebenen haben.

Kommentare (1)

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Herr Günther Schemutat

29.03.2017, 11:04 Uhr

Vor längerer zeit schrieb ich eine Mail an Frau Steinbach und bekam innerhalb von 2 Tagen eine Rückantwort von ihr.

In meiner Mail habe ich mich beschwert, dass es in Deutschland 100 000 Tausende
Deutsche Bürger gibt, die eine Deutsche und Polnische Staatsbürgerschaft haben ohne zu wissen das sie auch Polen sind. Als nach Kriegsende Deutsche Bürger
nicht vertrieben worden und in ihrer Hemmt geblieben sind, wurden sie und ihre Kinder zu Zwangspolen, nach dem Fall der Mauer kamen Aussiedler aus Polen
und lebten hier weiter.

Was bedeutet das ihre Kinder Kindeskinder bis zum sankt Nimmerleinstag Polen sind. Das wird nur bekannt, wenn man sich ein erweitertes Führungszeugnis holt.

Die Polen sagen auf Anfrage im Konsulat , wenn die Deutschen alle zu Migranten machen ist das nicht unser Problem. Der Bund der Vertriebenen klagte und klagte und verlor.

Frau Steinbach hat das bestätigt und kann auch nicht helfen . Deutsche Politiker
wollen aus Deutschen keine Deutschen machen . Polen sind ihnen lieber, die kann man ausweisen.

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