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25.08.2015

16:06 Uhr

Angela Merkel in Duisburg-Marxloh

„Die Mutti kommt zu Multi-Kulti“

VonMaike Freund

Armut, Arbeitslosigkeit, Migration: Die Bundeskanzlerin diskutiert mit Bürgern in Marxloh über deren Viertel. Sie hört zu, redet mit Menschen. Doch eines hat sie nicht parat: Lösungen für die immensen Probleme im Bezirk.

Händeschütteln: Nach ihrer Ankunft spricht die Kanzlerin mit einigen Duisburgern. ap

Angela Merkel

Händeschütteln: Nach ihrer Ankunft spricht die Kanzlerin mit einigen Duisburgern.

DuisburgSie johlen, sie klatschen und schreien, als Angela Merkel pünktlich um ein Uhr ankommt. Handys werden gezückt, Fotos gemacht. Einmal die Kanzlerin erwischen! Als wäre sie ein Popstar. Doch dann plötzlich Pfiffe: „Merkel muss weg. Merkel muss weg“, skandieren einige Menschen vor dem Hotel Montan.

Doch die Bundeskanzlerin lässt sich nicht beirren. Sie ist heute hierher nach Duisburg-Marxloh gekommen, um 60 Anwohnern des Viertels zuzuhören, ihre Fragen zu beantworten und um zu diskutieren: Beim 3. Bürgerdialog der Bundesregierung im Rahmen der Regierungsstrategie „Gut leben in Deutschland – was uns wichtig ist.“

Und die Diskussion geht sofort los: Fehlendes Geld, fehlende Integration, fehlende Bildung. Die Menschen hier haben viel auf der Liste: „Duisburg-Marxloh kann man nicht mit einem Nobel-Viertel in Düsseldorf vergleichen“, sagt ein Teilnehmer. Die Schulen bräuchten mehr Lehrer, mehr Sozialarbeiter. Wo die Probleme massiver seien, brauche man auch mehr Geld. Applaus im Publikum.

Zahlen und Fakten zu Duisburg-Marxloh

Einwohner

Marxloh hat 19.000 Einwohner und ist ein junger und bunter Ortsteil. Das Durchschnittsalter beträgt 37,2 Jahre, jeder vierte Marxloher ist unter 18 Jahren. Der Ausländeranteil liegt bei 45 Prozent. Angehörige von 92 Nationalitäten leben dort.

Arbeitslose

Die Stadt Duisburg hatte im Juli die vierthöchste Arbeitslosenquote in Westdeutschland: 13,2 Prozent – Marxloh lag mit 16,2 Prozent noch deutlich darüber. 43,5 Prozent der Bevölkerung dort sind auf staatliche Hilfe angewiesen.

Umweltbelastung

Ob Feinstaub-Belastung, Verkehr oder Straßenlärm: Duisburg-Marxloh zählt zu den Stadtvierteln mit der höchsten Umweltbelastung. Ein großer Teil der Gebäude ist auch sanierungsbedürftig.

Zuwanderung

Viele Zuwanderer aus Bulgarien und Rumänien kommen nach Marxloh. Seit Ende 2012 hat sich ihr Anteil in der Bevölkerung fast verdreifacht (Stand 31.12.2014: 3000). Knapp die Hälfte der im vergangenen Jahr nach Marxloh gezogenen Bulgaren und Rumänen waren Kinder und Jugendliche (46 Prozent).

Ein Pfarrer der katholischen Kirche erzählt von Kindern aus Bulgarien und Rumänien, die keine Krankenversicherung haben. Erzählt von der Not der Menschen, der sogenannten Armutszuwanderung. Merkel: „Die Kinder können ja nichts dazu.“ Doch trotzdem könnten nicht alle eingeladen werden, herzukommen. „Dann können wir nicht mehr denen helfen, die es am nötigsten haben.“

Duisburg, rund 490.000 Einwohner im Westen des Ruhrgebiets, ist pleite. Die Arbeitslosenquote liegt bei 13 Prozent, doch schlimmer noch ist es im Stadtteil Marxloh im Norden. Dort liegt die Quote bei 16 Prozent. 19.000 Einwohner leben hier, der Ausländeranteil liegt bei 45 Prozent, 43,5 Prozent der Bürger sind auf staatliche Hilfe angewiesen, 92 Nationalitäten leben hier. Vor allem die Zuwanderung aus Bulgarien und Rumänien hat stark zugenommen.

„Gestern war ich beim Frisör und hatte vergessen, welches das Thema bei der Diskussion heute sein würde“, sagt ein Teilnehmer. Doch der Frisör wusste Rat: „Die Mutti kommt zu Multi-Kulti.“ Das Publikum lacht, Merkel lächelt. Das Eis ist gebrochen.

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Des einen Not, des anderen Profit: Durch den Zustrom von Asylbewerbern ist in Deutschland eine regelrechte Flüchtlingsindustrie entstanden. Unternehmen wie European Homecare erwirtschaften rekordverdächtige Renditen.

„Ich habe ein Problem mit den Zuwanderern“, sagt ein Mann, der ein Brautmodegeschäft in Marxloh betreibt. Wieder geht es um Bulgaren und Rumänen. „Sie halten sich an keine Regeln“, sagt der Mann. Entsorgen den Müll auf der Straße, betteln vor der Tür, lärmen bis spät in die Nacht. Merkel: „Wir Deutschen können vielleicht ein wenig toleranter werden, was die Ruhe angeht.“ Doch Regeln gelten für alle und die dürfe man auch Zuwanderern erklären.

In den 90 Minuten der Diskussionsrunde geht es um fehlende Integration, um die negativen Berichte der Presse, um fehlendes Geld für Bildung, um den hohen Ausländeranteil im Viertel. Aber es geht auch um das Engagement der Bürger. Merkel hört zu, diskutiert, will tatsächlich wissen, was die Menschen beschäftigt. Gibt Antworten, beruhigt. Doch Lösungen für die Probleme der Menschen hat sie nicht.

Kommentare (187)

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Herr Hans Mayer

25.08.2015, 16:18 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Gerd Hohn

25.08.2015, 16:18 Uhr

Da leistet sich Mutti aber einen netten PR-Gag fürs Stimmeneinsammeln.

Herr Dirk Niedfeld

25.08.2015, 16:19 Uhr

Mutti hat keine Lösung für die Problme in dem Viertel?

Ich schon. :-)

Der gebildete Leser kann sich sicherlich denken welche. Ich schreibe es besser nicht, weil sonst hier eh wieder alles zensiert wird. Ist immerhin ein freies Land wo man seine Meinung sagen darf. Und alles was nicht genehm wird, wird auch nicht zensiert, weil es halt nur eine Meinung in diesem Land gibt.

VG
Dirk

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