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01.07.2015

01:44 Uhr

Angela Merkel

„Islam gehört unzweifelhaft zu Deutschland“

Muslime unter Generalverdacht? Nicht mit der Kanzlerin. Angela Merkel stellt anlässlich des Ramadan klar, wo der Islam in Deutschland steht. Die Integrationsbeauftragte hat unterdessen Neuigkeiten für Pegida.

Menschen beten vor der neu eröffneten Bait-ul-Qaadir Moschee in Vechta (Niedersachsen). Kanzlerin Merkel wendet sich gegen die Ausgrenzung von Muslimen. dpa

Eröffnungsfeier der Bait-ul-Qaadir Moschee

Menschen beten vor der neu eröffneten Bait-ul-Qaadir Moschee in Vechta (Niedersachsen). Kanzlerin Merkel wendet sich gegen die Ausgrenzung von Muslimen.

BerlinBundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat anlässlich des islamischen Fastenmonats Ramadan zu gegenseitiger Wertschätzung der Religionen aufgerufen. Bei einem Empfang am Dienstagabend in Berlin bekräftigte sie zudem: „Es ist offenkundig, dass der Islam inzwischen unzweifelhaft zu Deutschland gehört.“

Die Kanzlerin verwies vor Vertretern verschiedener Glaubensrichtungen auf die weltweiten Gewalttaten im Namen einer Religion - zu oft leider im Namen des Islams. Doch jede Ausgrenzung von Muslimen in Deutschland, jeder Generalverdacht verbiete sich, sagte Merkel. Die allermeisten Muslime seien rechtschaffene und verfassungstreue Bürgerinnen und Bürger.

Türken in Deutschland

Wahlen in der Türkei

Der türkische Staatspräsident wird erstmals direkt vom Volk gewählt. Nach Angaben des Zentrums für Türkeistudien sind 2,7 Millionen türkische Staatsbürger im Ausland wahlberechtigt.

Wahlberechtigte Türken in Deutschland

Mehr als die Hälfte der im Ausland leben Türken wohnen in Deutschland. Insgesamt gibt es in der Bundesrepublik knapp 1,6 Millionen Menschen mit türkischer Staatsangehörigkeit. Gut 200 000 von ihnen sind unter 20 Jahre alt.

Die Zeit der Gastarbeiter

Im Jahr 1961 trat das Anwerbeabkommen mit der Türkei in Kraft, erste „Gastarbeiter“ von dort kamen in die Bundesrepublik. Bis zum Anwerbestopp 1973 bewarben sich 2,7 Millionen Türken um einen Arbeitsplatz, bis zu 750 000 von ihnen kamen dann nach Deutschland.

Wie viele Türken leben in Deutschland?

Heute leben insgesamt drei Millionen Menschen mit türkischen Wurzeln in der Bundesrepublik (Stand: 2012). Im vergangenen Jahr ließen sich etwa 28 000 Türken einbürgern.

Deutsch-türkischer Wirtschaftsmotor

Etwa 90 000 deutsch-türkische Unternehmer erwirtschaften mehr als 40 Milliarden Euro im Jahr.

Mit ihren Worten zur Zugehörigkeit des Islams zu Deutschland bekräftigte die Kanzlerin eine entsprechende Aussage vom Januar dieses Jahres. Damals hatte sie der Feststellung des früheren Bundespräsidenten Christian Wulff beigepflichtet, der Islam gehöre zu Deutschland. Sie löste damit auch innerhalb der Union eine Debatte aus, obwohl sie schon zuvor deutlich gemacht hatte, dass sie die Aussage Wulffs aus dem Jahr 2010 stütze.

Bei dem Empfang kritisierte die Kanzlerin Übergriffe auf Gläubige und ihre Gotteshäuser, auf Synagogen, Moscheen und Kirchen. „Solche Taten richten sich gegen uns alle“, sagte sie. Dies seien Anschläge auf die Glaubensfreiheit und auch auf die Demokratie. Als Bürger müsse man hier klar Stellung beziehen. Die Mehrheit dürfe keine schweigende Mehrheit sein.

Vielfalt über Religionsgrenzen hinweg

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD), sagte, es sei wichtig, über Religionsgrenzen hinweg für Vielfalt einzutreten. Sie verurteilte Terroranschläge im Namen von Religionen sowie Ausgrenzung und Vorurteile gegen Menschen unterschiedlichen Glaubens.

Weiter sagte sie, man dürfe durchaus über die Frage debattieren, ob der Islam ein Teil Deutschlands sei. Was aber nicht gehe, sei die Darstellung, Muslime gehörten zu Deutschland, aber der Islam nicht. Mit Blick auf die Pegida-Demonstrationen in Dresden und anderswo sagte sie: „Wenn es jemals eine Islamisierung des Abendlandes geben sollte, sie wird nicht in Sachsen beginnen, wo keine Muslime leben.“

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, kritisierte islamfeindliche Reaktionen in Deutschland. Man dürfe sich davon nicht einschüchtern lassen, sagte er.

Teilnehmer der Veranstaltung waren zudem die Sprecherin des Koordinationsrats der Muslime in Deutschland, Nurhan Soykan, der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, sowie der Präsident des Zentralkomitees der Katholiken in Deutschland, Alois Glück.

Von

dpa

Kommentare (34)

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Herr Peter Spiegel

01.07.2015, 07:26 Uhr

Kleines Ablenkungsmanöver von Islam-Murksel. 500 Milliarden hat die Frau Kanzler an Schulden gemacht hat . Wer ist das nächste Griechenland ?

Herr Frank Perka

01.07.2015, 08:08 Uhr

Islam, Homo Ehe, sexuelle Früherziehung, Sprengstoff der feinsten Güte. Griechenland, Ukraine, IS, Bahnstreik, Pilotenstreik, Asyl und Flüchtlingsheime, Pegieda, Maut, Rechtsextremismus, 6,5% Arbeitslose, 7% Harz 4, Schuldenberg Deutscher, Kommunen, Länder und Bund, EU, Schlechte Nachrichten.
Da gibt es noch eine Gute Nachricht wir haben Sommer genießen Sie das schöne Wetter so lange es noch geht.
Frank Perka

Herr Marcus T.

01.07.2015, 08:14 Uhr

„Es ist offenkundig, dass der Islam inzwischen unzweifelhaft zu Deutschland gehört.“
Wenn der Islam zu Deutschland gehört, dann:
Sollte man wissen, dass es „DEN“ Islam nicht gibt. Der Islam besteht aus den verschiedensten Glaubensinterpretationen – Sunniten, Schiiten - von mehr oder weniger Aufgeklärt (siehe Türkei) bis hin zu Salafisten die sich vehement nur an den Koran in seiner ursprünglichen Fassung halten und keine andere Interpretation zulassen. Somit sind Salafisten, Dschihadisten integraler Bestandteil der BRD. Geht´s noch?
Sollte man bedenken, dass hierdurch Deutschland zum Kampfgebiet des Islam wird, der hier seine Glaubenskriege zwischen den einzelnen Strömungen austrägt – und der eine sekulare Trennung zwischen Staat und Kirche ablehnt.
Vor dem Hintergrund, dass Deutschland/Europa durch diese Aussage Teil des Dar al Islam (Haus des Islam) ist, ist auch der lt. Scharia im Gegensatz zu einem Friedensvertrag mit Christen mögliche Waffenstillstand (Hudna) zwischen islamischem Orient und Christlichem Abendland beendet bzw. nur mehr schwer möglich. Salafisten und konservative Muslime – die die Mehrheit in Islamischen Ländern stellen (siehe auch türkisches Wahlergebnis in Deutschland) sind somit darin bestärkt ihren „Glaubensregeln“ entsprechend vorzugehen.
Sollte Frau Merkel bedenken, dass die Frau im Islam nicht gleichberechtigt ist. In der Rolle der Bundeskanzlerin wäre sie somit nicht tragbar (ist sie aber auch in meinen Augen nicht)

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