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29.06.2013

16:47 Uhr

Anglo Irish

Auch Schäuble verachtet irische Pleitebanker

Tondokumente bringen ans Licht, mit welcher Gier, Verachtung und Ignoranz irische Banker zur Zeit der Finanzkrise agierten. Politiker sind empört – nach Angela Merkel äußert auch Wolfgang Schäuble Verachtung.

Der ehemalige Chef der Anglo Irish David Drumm lacht auf einem Archivfoto. dpa

Der ehemalige Chef der Anglo Irish David Drumm lacht auf einem Archivfoto.

FrankfurtDie Empörung über Manager der irischen Pleitebank Anglo Irish geht weiter: Mit deutlichen Worten hat sich nach Bundeskanzlerin Angela Merkel nun auch ihr Finanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) zu den bekannt gewordenen Mitschnitten von Gesprächen der Bankmanager geäußert. „Diese Banker gefielen sich offensichtlich in der Rolle von abgehobenen Übermenschen, die nur Verachtung für ihre Mitmenschen haben“, sagte Schäuble der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. „Dabei waren sie es, denen unsere Verachtung zuteil kommen sollte und denen wir das Handwerk legen müssen.“

Der angesehenen Zeitung „Irish Independent“ waren Tondokumente zugespielt worden, die sie Anfang der Woche veröffentlichte. Darin wird deutlich, dass die Führungsspitze der Anglo Irish Bank auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 die Regierung in Dublin über das wahre Ausmaß der Krise bei der Bank belogen hatte. Noch verheerender wirkte der Tonfall der Banker.

Geheime Telefon-Mitschnitte: Irische Pleitebanker lästern über Deutschland

Geheime Telefon-Mitschnitte

Irische Pleitebanker lästern über Deutschland

Nach ihrer Verstaatlichung und Liquidierung erregt die Pleitebank Anglo Irish noch einmal die Gemüter der Iren. Telefonate werden öffentlich, die die ganze Verachtung der Banker gegenüber Politik und Kunden zeigen.

In einer Sequenz stimmt Bankmanager John Bowe in schlechtem Deutsch die erste Strophe des Deutschlandliedes an: „Deutschland, Deutschland über alles...“ - ein Hohn über das Geld deutscher Anleger bei der Bank. Der damalige Bankchef David Drumm - inzwischen in die USA umgezogen - bog sich dabei vor Lachen. Der Hohn kam unzweifelhaft trotz des vollen Bewusstseins, dass die Bank in der irischen Immobilienblase gerade Milliarden von Anlegern und Steuerzahlern verzockt hatte. „Wir werden das Geld zurückzahlen, wenn wir es haben... also nie“, heißt es an einer Stelle.

Ähnlich wie nun Schäuble hatte schon am Vortag Bundeskanzlerin Angela Merkel gesagt, sie habe dafür „wirklich nur Verachtung“ - und dafür große Zustimmung bei Irlands Notenbankchef Patrick Honohan erhalten: „Der Stil, die Einstellung und Kultur, die sich in diesen Telefonaten widerspiegeln, sind zutiefst abstoßend“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Samstagausgabe). „Die deutsche Bundeskanzlerin hat das sehr klar auf den Punkt gebracht.“

Honohan sagte, die Gespräche vermittelten den Eindruck, die Banker hätten gegenüber der Zentralbank bewusst das Ausmaß ihres Finanzbedarfs heruntergespielt. „Das ist eine neue Dimension“, zitiert die Zeitung den Notenbankchef. Die Zentralbank prüfe rechtliche Schritte.

Schäuble sagte, die Telefonmitschnitte belegten, „wie notwendig und wichtig es war, in den Finanzmärkten klare Regeln einzuziehen“. Auf diesem Weg sei man schon weit vorangekommen. Dazu gehörten die Eigenkapitalregeln, Regeln zur Bankenabwicklung und die Obergrenzen bei Banker-Bonuszahlungen.


Von

dpa

Kommentare (196)

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Account gelöscht!

29.06.2013, 17:01 Uhr

Wer glaubt, ich würde solche Banker nicht verachte, irrt gewaltig - jedoch geht die anti-deutsche Stimmung von Deutschland aus und von sonst Niemandem..!
Und da sind besonders Namen wie Merkel und Schäuble zu nennen..!

Account gelöscht!

29.06.2013, 17:02 Uhr

und da wundert sich die politik...wenn fehlverhalten immer wieder ohne konsequenzen bleibt und der staat wirtschaftsbereiche als sakrosankt erklärt-hier mit dem schönen wort systemrelevant umschrieben- entsteht sorglosigkeit, übermut und dreistigkeit. die ganze euroretterei ist eine auf die spitze getriebene perverse scheinsolidarität, die unsere heutige zeit kennzeichnet. alles ist kuschelzoo.

Novaris

29.06.2013, 17:05 Uhr

HB:"Diese "Tonalität scheint bankenübergreifend gleich zu sein", sagte Merkel".

Das ist wohl richtig. Auch in anderen - insbesondere ausländischen - Banken wird man sicherlich täglich vor Lachen fast vom Chefsessel fallen und das Deutschlandlied (1. Strophe) anstimmen.
"Verachtung" ?? Mit der Verachtung können diese ehrlosen Bankganoven gut leben, sie haben jetzt das Geld und die Deutschen eben nicht mehr oder werden es in der Zukunft nicht mehr haben, wenn die "Garantien" fällig werden.
Ach ja, lt. Frau Merkel geht es um das Geld der Deutschen, "die mit ihrer Arbeit das Geld verdienen", was dann diese Typen verzocken.
Sind und waren diese Umtriebe der Politik nicht bekannt ?
Es hat hier eher den Anschein, dass Frau Merkel und Herr Schäuble "Krokodilstränen" weinen -- und hierbei nicht die 3. Strophe des Deutschlandliedes verinnerlichen.

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