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05.04.2015

10:51 Uhr

Angriff auf Flüchtlingsheim in Tröglitz

„Anschlag auf unseren Rechtsstaat“

Nach dem Brandanschlag in Tröglitz verurteilen Politiker die Tat, 300 Bürger kommen zu einer spontanen Demonstration zusammen. Die Staatsanwaltschaft teilten indes mit, dass die Spurensuche nun abgeschlossen sei.

In dem zukünftigen Asylbewerberheim in Tröglitz hat es in der Nacht zum Samstag gebrannt. Das Dach wurde vollständig zerstört. Reuters

Feuerwehr vor dem Haus

In dem zukünftigen Asylbewerberheim in Tröglitz hat es in der Nacht zum Samstag gebrannt. Das Dach wurde vollständig zerstört.

TröglitzWochenlang machten Rechtsextreme in Tröglitz Stimmung gegen die Aufnahme von Asylbewerbern - nun haben Unbekannte das geplante Flüchtlingsheim angezündet. „Es ist definitiv besonders schwere Brandstiftung“, sagte Staatsanwalt Jörg Wilkmann am Samstag in Halle. Es handle sich um eine gemeingefährliche Straftat schlimmster Art. Ob Fremdenhass das Motiv war, war unklar. Die Ermittler halten einen politischen Hintergrund aber für naheliegend.

In der Nacht auf Samstag waren Unbekannte in das Haus eingebrochen und hatten dort Feuer gelegt, wie die Polizei mitteilte. „Dabei wurde mit großer Wahrscheinlichkeit auch Brandbeschleuniger verwendet.“ Der ausgebaute Dachstuhl wurde durch das Feuer zerstört. Er war völlig verkohlt, die Fenster zersprungen. 40 Flüchtlinge hätten im Mai dort vorerst ein Zuhause finden sollen.

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Wochenlang hielt er den Anfeindungen durch Rechtsextreme stand. Doch als sie vor seinem Haus aufmarschieren wollten, gab Tröglitz' Bürgermeister Markus Nierth sein Amt auf. Der Fall schlägt nun in Berlin hohe Wellen.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sprach von einer abscheulichen Tat, die unverzüglich aufgeklärt werden müsse. „Die Täter gehören hinter Schloss und Riegel“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Sein Parteikollege Volker Kauder bewertete die Tat als einen „Anschlag auf unseren Rechtsstaat“. „So was darf keinen Erfolg haben. Wir müssen Flüchtlinge in unserem Land aufnehmen“, sagte Kauder der Zeitung die „Welt“ (Dienstagsausgabe). Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig äußerte sich ebenfalls betroffen. „Das war ein feiger und furchtbarer Brandanschlag, der wütend, traurig und fassungslos macht“, sagte sie der „Bild am Sonntag“. Sie forderte, im Kampfe gegen Rechtsradikalismus nicht nachzulassen.

In Tröglitz kamen nach dem Brandanschlag rund 300 Menschen zu einer spontanen Demonstration zusammen und wollten damit ein Zeichen gegen Hass und Ausgrenzung setzen. Auch Ministerpräsident Reiner Haseloff und Innenminister Holger Stahlknecht (beide CDU) wollten teilnehmen. „Jetzt wollen wir zeigen, dass das bürgerschaftliche Engagement steht und dass wir alles dafür tun werden, dass wir die Flüchtlinge wie geplant unterbringen können“, sagte Haseloff in Halle.

Nach dem Brandanschlag auf ein fast fertiges Flüchtlingsheim in Tröglitz hat die Polizei die Spurensicherung am Tatort abgeschlossen. Das teilte der Lagedienst der Polizeidirektion Süd am Sonntag in Halle mit. Bei der Staatsanwaltschaft hieß es, die Ermittlungen würden mit Nachdruck fortgesetzt. Nähere Angaben wurden nicht gemacht. Ob Fremdenhass das Motiv war, war zunächst unklar. Die Ermittler halten einen politischen Hintergrund aber für naheliegend.

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