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01.12.2011

07:59 Uhr

Anne Will

„Sind wir nicht alle ein bisschen Guttenberg?“

VonChristian Bartels

Das Comeback von Karl-Theodor zu Guttenberg macht auch vor „Anne Will“ nicht halt. Doch die TV-Talkerin enttäuschte mit einer farblosen Debatte: Sie hatte kaum Guttenberg-Kritiker eingeladen, sondern bloß Gutti-Fans.

Das Comeback Karl-Theodor zu Guttenbergs beschäftigte auch Anne Will in ihrer Talkshow. dapd

Das Comeback Karl-Theodor zu Guttenbergs beschäftigte auch Anne Will in ihrer Talkshow.

BerlinEigentlich erwartet man mittwochabends in der ARD zurzeit keine aktuell-politischen Diskussionen. Gestern aber hatte Anne Will tatsächlich die erste Talkshow zum Medien-Topthema des Karl Theodor zu Guttenberg-Comeback-Versuchs (zumindest davon abgesehen, dass am Dienstag in Sandra Maischbergers "Droht die Ökodiktatur?"-Diskussion auch des Ex-Ministers Vater Enoch zu Guttenberg gastierte...).

Um den Sendungstitel "Guttenbergs Comeback - vorerst gescheitert?" bis zum Fragezeichen mit Leben zu füllen, war Wills Runde jedoch klar fehlbesetzt. Außer "Stern"-Journalist Hans-Ulrich Jörges befand sich gar kein Gegner des Freiherrn darin. 

Der bedächtige CSU-Politiker Michael Glos hantierte zwar etwas unglücklich mit den Begriffen "Schauspieler" und "blendend", wollte aber - anders als bekanntlich so einige Parteifreunde derzeit - kein böses Wort über Guttenberg verlieren. Medienwissenschafts-Professor Norbert Bolz nannte den Ex-Verteidigungsminister geradezu überschwänglich den "seit Ewigkeiten ersten charismatischen Politiker, den wir in Deutschland hatten"; daher habe er eine "sehr hohe Fallhöhe" besessen und auf der Linken Angst ausgelöst. Weil Will fast vollständig darauf verzichtete, den Redefluss ihrer Gäste zu begrenzen, fuhr Bolz ungebremst fort, dass andererseits das Plagiat der Doktorarbeit Betrug bleibe, "Plagiat ist eine Todsünde - in der Welt der Wissenschaft". Aber Linken würden solche Sünden viel leichter vergeben als Rechten - so in etwa Bolz' komplex professorales Gedankengebäude, aus dem jedenfalls jede Menge Sympathie für den Freiherrn sprach.

Die Meinung der Leser: „Guttenberg entwickelt sich zum Pendant von Heidi Klum“

Die Meinung der Leser

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Karl-Theodor zu Guttenberg polarisiert wie nie zuvor: Die Politik ist fertig mit ihm, aber Prominente wie Lothar Matthäus und Rainer Calmund fordern ein Comeback. Die Mehrheit der Handelsblatt-Leser ist anderer Meinung.

Da wollte Michael Spreng, einst Edmund Stoibers Bundestags-Wahlkampfleiter und längst vor allem als Talkshowgast bekannt, nicht nachstehen und formulierte erheblich prägnanter: "Wenn wir ehrlich sind, sind wir ja alle ein bisschen Guttenberg". Wir alle hätten ihn "zu einem Popstar gemacht".

Kommentare (21)

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01.12.2011, 09:21 Uhr

'Sind wir nicht alle ein bisschen Gutenberg?', wird eher versöhnlich gefragt. Ja, aber wir, jeder einzelne von uns muß gegen den Gutenberg in sich ankämpfen, um ein besserer Mensch zu werden, zu bleiben!

Ein Gutenberg als Aushängeschild, als Popstar der Gestellschaft, als Idol - das käme einer Kapitulationserklärung der Ideale gleich.

Und - Gutenberg kann nicht karismatisch sein, eben weil er eben ein Blender ist.

Herr.Joerges.peinlich.peinlich

01.12.2011, 09:29 Uhr

Also Herrn Jörges vom Stern kann man nicht mehr in Talk-Shows einladen. Wie ein Berseker hat er ununterbrochen auf zu Guttenberg eingeschlagen. Alles was links von der jetzt CDU(SPD) steht gilt als Potentiell Nazi-Partei. Den Begriff "konservativ" versteht Herr Jörges nicht.

Ja ist doch klar "konservativ" heisst, das Gute konservieren. Nicht alles mit sich machen lassen. Nicht übertolerant und viel zu selbstlos und selbstvergessen zu sein. Denn - Was haben uns die Reformen bisher denn gebracht ? Immer nur Verschlechterungen.

Und Herr Jörges wirft sich quasi vor die Migranten, Muslime und Türken in Deutschland. Da darf man nichts kritisieren oder gar ändern. Und der EURO hat nur gutes für Deutschland gebracht. Ja, gut Nacht auch Herr Jörges, den Stern lese ich dann auch nicht mehr.

Pupsi

01.12.2011, 09:58 Uhr

Anne Will hat kontinuierlich abgebaut und ist nicht ansatzweise mehr auf Augenhöhe anderer Polit-Talkshows. Ich schaue mir die Sendung nicht mehr an, da es jedes Mal eine Enttäuschung ist. Statt den Sendeplatz mit Jauch zu tauschen, hätte sie lieber zu RTL-II oder Kabel-1 wechseln sollen, da wäre das Niveau der Sendung besser aufgehoben. Schade um den Sendeplatz!

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