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06.11.2014

10:02 Uhr

Anne Will TV-Kritik

„Gauck lebt noch immer in der DDR“

VonChristian Bartels

Edmund Stoiber und Oskar Lafontaine diskutierten bei Anne Will darüber, ob Deutschland bereit ist für einen linken Ministerpräsidenten. Lafontaines Kritik an Bundespräsident Gauck fiel nicht gerade diplomatisch aus.

Anne Will am Mittwochabend: Themen waren die DDR und der vielleicht erste Ministerpräsident. Screenshot

Anne Will am Mittwochabend: Themen waren die DDR und der vielleicht erste Ministerpräsident.

BerlinIm Herbst 2007 begann Anne Will mit ihrer gleichnamigen ARD-Talkshow, damals noch am Sonntagabend, der noch immer als der wichtigste Talkshow-Sendeplatz gilt. Im selben Jahr hatte Oskar Lafontaine zwar seine größten Karrierestationen, darunter eine Bundeskanzlerkandidatur, schon hinter sich, legte als Vorsitzender der neu gegründeten Partei Die Linke aber noch mal los. Ebenfalls im Herbst 2007 trat Edmund Stoiber, der ebenfalls einmal Kanzlerkandidat gewesen war, als bayerischer Ministerpräsident zurück.

In diese Zeit, die Nuller Jahre, versetzte die „Anne Will“-Talkshow am späten Mittwochabend ihr Publikum zurück: Vom Zuschauer aus gesehen links und rechts neben der Moderatorin saßen Lafontaine und Stoiber und vertraten mit viel Verve die jeweiligen Positionen zur Frage „Streit um ersten linken Ministerpräsidenten - Ist Deutschland schon so weit?“.

Thüringer, deren Bundesland betroffen ist, waren wie vor zwei Wochen bei Maybrit Illner nicht im Studio, aber neben den beiden älteren Herren aus Westdeutschland zwei jüngere Ostdeutsche. Und so hoch her, wie sich Will das erhofft hatte, ging es von Anfang an.

Gaucks beste Sprüche

Gauck über die Euro-Krise

Gauck rief dazu auf, auch in der Euro-Krise am europäischen Gedanken nicht zu zweifeln. „Das Ja zu Europa gilt es zu bewahren“. Gerade in Krisenzeiten sei die Neigung besonders ausgeprägt, sich in den Nationalstaat zu flüchten. „Gerade in der Krise heißt es deshalb: Wir wollen mehr Europa wagen.“
„Europa war für meine Generation Verheißung. Für meine Enkel ist Europa längst aktuelle Lebenswirklichkeit mit grenzüberschreitender Freiheit und den Chancen und Sorgen einer offenen Gesellschaft. Nicht nur für meine Enkel ist diese Lebenswirklichkeit ein Gewinn.“

Gaucks Appell an die Regierenden

„Erst redet offen und klar, dann kann verloren gegangenes Vertrauen wiedergewonnen werden.“

Gauck über Demokratie

Der Bundespräsident mahnte, die repräsentative Demokratie nicht generell infrage zu stellen. Die repräsentative Demokratie sei das einzige System, das Gemeinwohl- und Einzelinteressen ausgleichen könne. „Das Besondere des Systems ist nicht seine Vollkommenheit, sondern dass es sich um ein lernfähiges System handelt“, fügte Gauck hinzu.
Und die aktive Bürgergesellschaft bis hin zur digitalen Netzgemeinschaft ergänze das System und gleiche Mängel aus.

Gaucks Appell an die Regierten

„Seid nicht nur Konsumenten.“

Gauck über Freiheit

„Freiheit ist eine notwendige Bedingung für Gerechtigkeit.“ Umgekehrt sei Gerechtigkeit aber auch „Grundlage für die Freiheit“.

Gauck über Integration und Gesellschaft

„Wir leben inzwischen in einem Staat, in dem neben die ganz selbstverständliche deutschsprachige und christliche Tradition Religionen wie der Islam getreten sind, auch andere Sprachen, andere Traditionen und Kulturen.
Der Staat definiere sich immer mehr durch die Zugehörigkeit seiner Bürger zu einer politischen und ethischen Wertegemeinschaft. Der Bundespräsident warnte davor, in Fragen des Zusammenlebens sich „von Ängsten, Ressentiments und negativen Projektionen“ leiten zu lassen.

Gauck über (Selbst-)Vertrauen und Mut

„Ich bitte Sie alle, mutig und immer wieder damit zu beginnen, Vertrauen in sich selbst zu setzen“.
Gauck erinnerte an ein Zitat des indischen Pazifisten Mahatma Gandhi (1869-1948), wonach nur ein Mensch mit Selbstvertrauen Fortschritt machen und Erfolge haben könne. Dann fügte er hinzu: „Ob wir den Kindern und Enkeln dieses Landes Geld oder Gut vererben werden, das wissen wir nicht. Aber dass es möglich ist, nicht den Ängsten zu folgen, sondern den Mut zu wählen, davon haben wir nicht nur geträumt. Das haben wir gelebt und gezeigt.“

Gauck über aktive Bürger

Gauck sprach sich für die Stärkung der aktiven Bürgergesellschaft aus. Engagierte Bürger unterstützten die parlamentarische Demokratie und „gleichen Mängel aus“. Es seien gerade diese Bürger, die sich Demokratiefeinden und Extremisten entgegenstellen, sagte er. Zudem betonte Gauck die Notwendigkeit des Ehrenamtes.

Gauck zu Rechtsextremisten

„Euer Hass ist unser Ansporn. Wir lassen unser Land nicht im Stich“.
„Wir schenken euch auch nicht unsere Angst“.
„Ihr werdet Vergangenheit sein, und unsere Demokratie wird leben.“ Mit Blick auf die deutsche Geschichte nannte Gauck Deutschland ein „Land des Demokratiewunders“.

Gaucks Appell an die Deutschen

„Nur ein Mensch mit Selbstvertrauen kann Fortschritte machen und Erfolge haben - dies gilt für einen Menschen wie für ein Land.“
„Ob wir den Kindern und Enkeln dieses Landes Geld oder Gut vererben werden, das wissen wir nicht. Aber dass es möglich ist, nicht den Ängsten zu folgen, sondern den Mut zu wählen, davon haben wir nicht nur geträumt. Das haben wir gelebt und gezeigt.“

Gauck über die 68-Generation

Im Westdeutschland der Nachkriegszeit sei der Umgang mit dem Nationalsozialismus zunächst defizitär geblieben, sagte Gauck. „Erst die 68er-Generation hat das nachhaltig geändert.“ Trotz aller Irrwege habe sie die historische Schuld ins kollektive Bewusstsein gerückt.

Gauck über Sport

„Wir brauchen den Sport in einer demokratischen Gesellschaft. Er ist ein wesentlicher Baustein.“ So hat Gauck vor einem Jahr im „Deutschlandfunk“ seine grundsätzliche Haltung zum Sport beschrieben.
Als Sportler könne man viel für das Leben lernen, und wenn da auch noch politisches Interesse dazu komme, „dann ist das ein großes Geschenk für die Gesellschaft“. Das hat Gauck in Berlin vor einer Woche bei seinem letzten öffentlichen Auftritt als Bürger Gauck vor jungen Eishockeyspielern gesagt, die sich eingesetzt haben für die von ihm angeführte Aktion „Für Zivilcourage - Gegen Diskriminierung im Sport.“
„Männer“, hat er hinzugesetzt, „ich verstehe nichts vom Eishockey, aber das was sie machen ist toll.“

Als erster bekam Stoiber das Wort. Es ging um Joachim Gaucks umstrittene Äußerungen zum Thema. „Ich respektiere das Votum der Wähler natürlich, aber ich akzeptiere es innerlich nicht ganz“, so charakterisierte Stoiber die Haltung des Bundespräsidenten. Stoiber hegt wie früher keine Scheu vor langen Satzbögen, bei denen Stoiber-Kritiker immer darauf warten, dass er sich so verheddert wie in lange vergangenen Wahlkämpfen. Der Bayer verhedderte sich aber nur selten und vertrat kraftvoll die Ansicht, dass ein Ministerpräsident von der Linken gar nicht gehe.

„Es regt mich nicht sonderlich auf“, leitete dann Lafontaine seinen Beitrag zu Gauck ein. Noch im Verlauf desselben Beitrags geriet er aber doch mindestens so ins Schäumen wie Stoiber. „Wo leben wir eigentlich?“, wenn „ein westdeutscher Gewerkschaftler, ein bekennender Christ“ wie Bodo Ramelow nicht zum Ministerpräsident gewählt werden dürfe.

Lafontaine bezichtigte Gauck, noch immer in der DDR-Vergangenheit befangen zu sein: „Der lebt überhaupt nicht in Deutschland, der lebt immer noch in der DDR“ - mit dem Satz zeigte Lafontaine, dass er sich durchaus auch wortreich aufregte - und wie tief im Westen der alten Bundesrepublik seine saarländische Heimat liegt.

Stephan Hilsberg, Jahrgang 1956, war DDR-Bürgerrechtler und ist SPD-Mitglied, allerdings strikt gegen rot-rote Koalitionen. Er geriet schnell genau so in Fahrt wie Stoiber und Lafontaine. „Ehrabschneidung“ warf er Lafontaine wegen dessen Vorwürfen gegen Gauck vor.

Die katholische Kirche, deren Mitglied der Saarländer ist, habe zu „Appeasement“ geneigt, nicht aber die evangelische "Kirche des Aufbruchs" (der Gauck entstammt), lautete eines seiner Argumente. Ramelow mitzuwählen werde der SPD in künftigen Wahlkämpfen schaden.

Kommentare (5)

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Herr der Ringe

06.11.2014, 10:19 Uhr

>> „Gauck lebt noch immer in der DDR“ >>

Propagandistische Verblendung des Deutschen Volkes !

Gauckler lebt IM SCHLOß, mit einer HOSTESSE, auf Kosten des STEUERZAHLERS mit einer luxuriösen Rundumversorgung, üppigen ANSCHLUSSPANSION !

Das konnte die DDR dem Gauner NICHT bieten !

Frau Ute Umlauf

06.11.2014, 11:06 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Herr peterchen Mondfahrt

06.11.2014, 11:12 Uhr

@Herr der Ringe Ganz richtig, de Gauckler hat schon immer gewusst, auf welcher Seite vom Brot für ihn die Butter ist, auch schon in der DDR hat er sich geschickt durchgegauckelt (siehe dazu dr Wikipedia-Eintrag über ihn: http://de.wikipedia.org/wiki/Joachim_Gauck#Studium_und_Pastorenamt_.281958.E2.80.931989.29). Wäre schön gewesen, er hätte die DDR bekämpft als es sie noch gab, nicht jetzt wo man dafür nur Lob bekommt. Ein Speichell... der Mann.

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