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14.03.2011

06:33 Uhr

Anne Will zu Japan

Die Faszination des GAUs

VonChristina Otten

Scheinbar vergessen ist das Leiden der Japaner nach Erdbeben und Tsunami. Deutschland macht die drohende atomare Katastrophe stattdessen zur Wahlkampfdebatte. Eine TV-Kritik zur Talkshow Anne Will.

Blick auf die stark betroffene japanische Stadt Sendai. Quelle: dapd

Blick auf die stark betroffene japanische Stadt Sendai.

Stellen Sie sich vor, Sodom und Gomorrha liegen in Deutschland. Ihr Haus wird von reißenden Fluten weggespült, die Stadt steht in Flammen, Familienangehörige und Freunde sind tot oder verschwunden. Was würden Sie denken, wenn die einzige Sorge der restlichen Welt zu sein scheint, ob die radioaktive Wolke eines durch die Katastrophe beschädigten Atomkraftwerkes möglicherweise den heimischen Garten erreichen könnte? Egoistisch? Unanständig? Oder doch ganz normal?

Eigentlich wollte "Anne Will" am Sonntag über das neue deutsche Tankstellen-Ärgernis E 10 debattieren. So wäre es wohl auch gekommen, hätte in Japan "nur" die Erde gebebt und ein Tsunami die Küstenorte weggeschwemmt. Tausende, vielleicht Zehntausende Tote, das ist schlimm. Aber nachdem die Naturgewalten die Erde im neuseeländischen Christchurch aufgerissen haben - immerhin eines der beliebtesten deutschen Fernreiseziele - gab es auch keinen Sondertalk zum Thema.

Es ist eben doch in erster Linie die Angst vor der eigenen atomaren Verseuchung, die die Menschen auf das Drama in Japan blicken lässt. Der fragile Meiler Fukushima sowie die unübersichtliche Lage in mindestens drei anderen Reaktoren schürt die alten Ängste, weckt die Erinnerungen an Tschernobyl - und das ausgerechnet wenige Tage vor wichtigen Landtagswahlen. Damit ist die Katastrophe in Japan jetzt vor allem eins: hochpolitisch.

"Katastrophe in Japan - der mögliche Super-GAU und die Folgen" - lautet der Titel der hastig umbesetzten Talkrunde. Pietätvoll immerhin, dass kein Abgesandter der Grünen die Runde ziert. Spätestens dann wäre die Sendung zu eine Wahlveranstaltung mit altbekannten Atomreden und Gegenreden verkommen, während Hunderte Leichen vor Japans Küsten schwimmen.

Polit-Talkshow Anne Will: Am Sonntag hieß das Thema „Katastrophe in Japan - der mögliche Super-GAU und die Folgen“. Quelle: NDR/Sandra Schuck

Polit-Talkshow Anne Will: Am Sonntag hieß das Thema „Katastrophe in Japan - der mögliche Super-GAU und die Folgen“.

Dafür ist Umweltminister Norbert Röttgen da. Der ist zwar in der CDU, aber irgendwie auch grün. Man erinnert sich: In der Atompolitik forderte er eine geringere Laufzeitverlängerung, wurde aber zugunsten der Konzerne von der Kanzlerin ins Abseits geschoben. Erst jetzt darf er wieder ran, sozusagen als reines Gewissen der Regierung.

Nachdem die Runde dem japanischen Botschafter höflich das Mitgefühl ausgesprochen hat (Röttgen: "Ein Weltereignis traurigen Ausmaßes", Altbischof Wolfgang Huber: "Das Schicksal der Menschen dort muss uns wichtig sein"), und Anne Will eine Skype-Zuschaltung einer jungen Deutschen in Tokio zu ihrem Vater im Studio unfreiwillig komisch kommentiert, ("Das ist Ihre Tochter, nehme ich zumindest an"), geht es auch gleich um die eigentliche Sorge von Flensburg bis München: Welche Gefahren gehen von den Reaktoren aus und was bedeuten die Ereignisse für Deutschland? Zum Beispiel, wenn "der Wind schlecht steht", wie es die Moderatorin selbst formuliert?

Gut, dass Deutschland Ranga Yogeshwar hat, den Physiker mit den vielen Erklärsendungen in der ARD. Niemand kann den Unterschied zwischen japanischen "Siedewasserreaktoren" und "grafitmoderierten Reaktoren" nach Tschernobyl-Bauart anschaulicher nur mit einem Wasserglas in der Hand erläutern. Das wirkt irgendwie beruhigend, bietet gar die Hoffnung, dass am Ende doch alles gut ausgeht und die "gefahrlose Wiederansiedlung in Japan" (Yogeshwar) möglich ist.

Kommentare (23)

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Account gelöscht!

14.03.2011, 07:37 Uhr

Ich habe am Sonntag die Sendung von Anne Will verfolgt, ich war sprachlos über das Geplapper und die Besserwisserei mancher Teilnehmer.
Es ging für mich nicht darum, unvoreingenommen über eine Katastrophe zu diskutieren, sondern um die deutsche Atom Diskussion vor den Wahlen.
Ich wäre froh, wenn diese Sendungen die nicht hilfreich sind, aus dem Programm genommen würden.
Es wird zu viel in der BRD unnützes zeug diskutiert! Oder Ratespiele gezeigt!
Das Fernsehen ist zu einer schlechten einseitigen Schule der Nation verkommen.
Wichtige innenpolitische Problem oder Europäische Probleme, werden gar nicht oder nur häppchenweise der Bevölkerung gereicht.
Die Fernsehmacher sollten nicht nur auf die Einschaltquoten achten, sondern deren Inhalte genauer unter die Lupe nehmen, deshalb meine Bitte, weg mit der Sendung von Anne Will.
Basta.
Danke

kloster3

14.03.2011, 07:55 Uhr

Der Lügenbaron durfte die gefallenen Soldaten instrumentalisieren. Wo war denn da die "Moral" der "CDU" ?

Was soll an der Partei noch christlich sein ??

Hoffentlich kommt die Entscheidung durch das Volk bei den nächsten Landtagswahlen wirklich zum Ausdruck !

mono_01

14.03.2011, 08:07 Uhr

Anne Will? Die Verrückte, die glaubt das sie "Talkshow" kann.

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