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24.10.2012

12:02 Uhr

Anruf in der „heute“-Redaktion

CSU wollte Bericht verhindern

CSU-Sprecher Hans Michael Strepp soll versucht haben, am Wochenende einen Bericht über den Landesparteitag der SPD im ZDF zu verhindern. ZDF-Chefredakteur Frey fordert Aufklärung von dem Parteisprecher.

Horst Seehofer hat einen Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ als unzutreffend zurückgewiesen. dapd

Horst Seehofer hat einen Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ als unzutreffend zurückgewiesen.

München / Mainz Ein CSU-Sprecher soll versucht haben, durch einen Anruf beim ZDF einen Bericht über die Wahl des Münchner Oberbürgermeisters Christan Ude zum SPD-Spitzenkandidaten für die bayerische Landtagswahl 2013 zu verhindern. CSU-Sprecher Hans Michael Strepp habe in dem Telefonat mit der Redaktion der Nachrichtensendung "heute" am Sonntag gesagt, das ZDF möge in den 19-Uhr-Nachrichten nicht über den Landesparteitag der SPD zur Ude-Wahl berichten, schreibt die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf übereinstimmende Schilderungen aus dem Sender.

Laut "SZ" bestritt Strepp gegenüber der Zeitung die Darstellung als nicht den Tatsachen entsprechend, "ich widerspreche ihr entschieden", schrieb der CSU-Sprecher demnach in einer E-Mail an die Zeitung.

ZDF-Chefredakteur Peter Frey bestätigte gegenüber "Focus online" einen Anruf des CSU-Sprechers in der Redaktion. "Herr Strepp muss die Frage beantworten, warum und mit welcher Intention er direkt in der 'Heute'-Redaktion angerufen hat", erklärte Frey. Als Chefredakteur sei er jedenfalls mit der Reaktion der Kollegen sehr zufrieden. "Wir senden, was wir senden, egal wer anruft. Die 'Heute'-Redaktion hat ihre Unabhängigkeit bewiesen."

Der bayerische SPD-Chef Florian Pronold erklärte, "was die 'Süddeutsche Zeitung' schildert, ist versuchte Zensur. Die SPD besteht darauf, dass CSU und ZDF diesen Vorgang lückenlos aufklären." Dass ein Pressesprecher interveniere, um die eigene Partei besser dastehen zu lassen, sei üblich. Dass er aber verhindern wolle, dass über andere Parteien berichtet wird, überschreite das erträgliche Maß. "Die vermeintliche 'Staatspartei' CSU hat immer noch nicht begriffen, dass sie keinen Einfluss auf öffentlich-rechtliche Sender nehmen darf", erklärte Pronold.
Unterdessen hat CSU-Chef Horst Seehofer klargestellt, dass der Versuch einer Einflussnahme auf das ZDF durch die CSU-Zentrale nicht zu tolerieren wäre. Seehofer sagte der Nachrichtenagentur dpa am Mittwoch am Rande der Münchner Medientage, dass der Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ unzutreffend sei. „Es wäre auch inakzeptabel“, betonte Seehofer. „Es widerspräche unserer Grundhaltung. Wir sind eine tolerante Partei.“ Er habe niemanden angewiesen, sagte der bayerische Ministerpräsident. Strepp war am Mittwoch für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Kommentare (7)

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Vicario

24.10.2012, 12:32 Uhr

Zitat : Die 'Heute'-Redaktion hat ihre Unabhängigkeit bewiesen." Was für ein Hohn ! Das ZDF und die ARD sind schon lange nicht mehr unabhängig und der Nomenklatura verfallen ! (...) Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

Rumpelstilzchen

24.10.2012, 12:35 Uhr

In der ehemaligen "Hauptstadt der Bewegung" ist die Demokratie nicht erfunden worden!!!

Rumpelstilzchen

24.10.2012, 12:45 Uhr

Alleine das reicht schon, Zitat: "Dass ein Pressesprecher interveniere, um die eigene Partei besser dastehen zu lassen, sei üblich."

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