Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.01.2012

14:33 Uhr

Anrufe bei Journalisten

Neue Vorwürfe gegen Wulff

Christian Wulff hat offenbar nicht nur bei der "Bild"-Zeitung gegen kritische Berichterstattung interveniert. Auch der Chefredakteur der "Welt"-Gruppe" wirft ihm vor, Reporter seiner Zeitung unter Druck gesetzt zu haben.

Bundespräsident Christian Wulff. dapd

Bundespräsident Christian Wulff.

BerlinBundespräsident Christian Wulff gerät weiter in die Schusslinie. Seine Intervention bei der Bild“ -Zeitung war offenbar kein Einzelfall. Wulff soll auch bei der Springer-Zeitung "Welt am Sonntag" (WamS) versucht haben, gegen einen kritischen Artikel zu intervenieren. Ein paar Tage vor der Veröffentlichung des Artikels habe die Redaktion der Zeitung schriftlich Fragen an den Bundespräsidenten gestellt - alle seien unbeantwortet geblieben, beschrieb der Chefredakteur der "Welt"-Gruppe" , Jan-Eric Peters, gegenüber Spiegel Online den Vorgang.

Stattdessen seien in der Redaktion mehrere Anrufe aus dem Bundespräsidialamt eingegangen mit dem Ziel, die Geschichte zu verhindern, sagte Peters. Als klar war, dass wir den Artikel trotzdem veröffentlichen wollten, wurde einer der Reporter am Samstag wenige Stunden vor Redaktionsschluss ins Schloss Bellevue gebeten.“ Dort habe Wulff dem Reporter in einem langen Vier-Augen-Gespräch damit gedroht, dass er im Falle einer Veröffentlichung sofort eine Pressekonferenz einberufen und dort erklären würde, dass die Welt am Sonntag“ eine Grenze überschritten habe. Außerdem habe Wulff angekündigt, jede Zusammenarbeit mit der "Welt" zu beenden, falls das Stück publiziert würde, sagte Peters.

„Nach dem Gespräch versuchte Wulff an höchsten Verlagsstellen, unter anderem beim Vorstandsvorsitzenden zu intervenieren. Ich habe trotzdem entschieden, die Geschichte zu veröffentlichen“, sagt der Chefredakteur.

Auch das Magazin Stern“ erhebt neue Vorwürfe gegen Wulff. Demnach soll Wulff in seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident dem Eventmanager Manfred Schmidt zumindest indirekt bei der Sponsorensuche für private Prominentenpartys geholfen haben. Wie der "Stern" in seiner neuen, am Donnerstag erscheinenden Ausgabe berichtet, sprach Wulff seinerzeit den Vorstandschef des Hannoveraner Versicherungskonzerns Talanx, Herbert Haas, auf den von Schmidt privatwirtschaftlich organisierten sogenannten Nord-Süd-Dialog an.

Chronologie: Wulffs Kredit-Affäre

25. Oktober 2008

Christian Wulff, damals Ministerpräsident von Niedersachsen, bekommt von der Unternehmergattin Edith Geerkens einen Privatkredit über 500.000 Euro zum Kauf eines Hauses in Burgwedel bei Hannover.

18. Februar 2010

Die Grünen im niedersächsischen Landtag wollen vom damaligen Ministerpräsidenten Wulff unter anderem wissen, welche Spenden beziehungsweise Sponsoringleistungen er oder die CDU in den vergangenen zehn Jahren vom Unternehmer Egon Geerkens erhalten haben und ob es geschäftliche Beziehungen zu Geerkens gab. Wulff verneint dies.

21. März 2010

Die im Dezember 2009 aufgenommenen Gespräche mit der Stuttgarter BW-Bank führen zur Unterzeichnung eines kurzfristigen günstigen Geldmarktdarlehens, mit dem Wulff das Geerkens-Darlehen ablöst. Der Zinssatz beträgt 2,1 Prozent. Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ vermutet Ende 2011 einen Zusammenhang zwischen dem sehr günstigen Darlehen und dem Einsatz Wulffs als niedersächsischer Ministerpräsident für den Einstieg des VW-Konzerns bei Porsche.

17. August 2011

Der Bundesgerichtshof (BGH) entscheidet, dass Journalisten das Grundbuch von Wulffs Haus einsehen dürfen, wenn dies für eine journalistische Recherche erforderlich ist. Mehrere Medien recherchieren zu dem Fall.

12. Dezember 2011

Bundespräsident Wulff besucht die Golfregion und versucht Medienberichten zufolge, den „Bild“-Chefredakteur Kai Dieckmann zu erreichen, um auf die anstehende Berichterstattung über seinen Privatkredit Einfluss zu nehmen. Er spricht Diekmann auf die Mailbox und droht den „endgültigen Bruch“ mit dem Springer-Verlag für den Fall an, dass diese „unglaubliche“ Geschichte tatsächlich erscheine.

13. Dezember 2011

Die „Bild“-Zeitung berichtet erstmals über das Darlehen und fragt, ob Wulff das Landesparlament getäuscht habe. Sein Sprecher Olaf Glaeseker teilt mit, Wulff habe die damalige Anfrage korrekt beantwortet. Es habe keine geschäftlichen Beziehungen zu Egon Geerkens gegeben und gebe sie nicht.

15. Dezember 2011

Der Bundespräsident bedauert in einer schriftlichen Mitteilung, den Kredit von Edith Geerkens vor dem niedersächsischen Landtag nicht erwähnt zu haben. Zudem teilt er mit, er habe das Geldmarktdarlehen in ein langfristiges Bankdarlehen umgewandelt und er wolle Einsicht in Vertragsunterlagen gewähren.

16. Dezember 2011

„Der Spiegel“ berichtet, dass offenbar doch Egon Geerkens der Kreditgeber war. „Ich habe mit Wulff verhandelt“ und „Ich habe mir überlegt, wie das Geschäft abgewickelt werden könnte“, zitiert das Nachrichtenmagazin den Unternehmer.

21. Dezember 2011

Sechs Tage nach dieser Erklärung unterschreibt Wulff den Vertrag zur Umwandlung seines Darlehens. Das Dokument war nach Angaben der BW-Bank am 12. Dezember an Wulff geschickt worden.

22. Dezember 2011

Wulff tritt erstmals persönlich in der Affäre an die Öffentlichkeit und entschuldigt sich für seinen Umgang mit den Vorwürfen. Er bekräftigt jedoch, im Amt bleiben zu wollen. „Ich habe zu keinem Zeitpunkt in einem meiner öffentlichen Ämter jemandem einen unberechtigten Vorteil gewährt“, versichert das Staatsoberhaupt. Kurz vor seiner Erklärung im Schloss Bellevue entlässt Wulff seinen langjährigen Sprecher Olaf Glaeseker ohne Angabe von Gründen.

27. Dezember 2011

Der von Wulff unterschriebene Vertrag geht bei der BW-Bank ein. Die Laufzeit des Darlehens beginnt am 16. Januar 2012.

2. Januar 2012

Der Deutsche Journalistenverband (DJV) kritisiert den angeblichen Versuch Wulffs, Einfluss auf die Berichterstattung der „Bild“-Zeitung zu nehmen. Zuvor hatten Medien erstmals über den Anruf Wulffs vom 12. Dezember 2011 bei Diekmann berichtet. (Quelle: dapd, dpa)

4. Januar 2012

Der Bundespräsident bricht sein Schweigen. In einem Fernseh-Interview zur besten Sendezeit beantwortet Christian Wulff Fragen zur Kredit-Affäre. Im Gespräch mit ARD und ZDF räumte Wulff ein, dass der Drohanruf bei „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann „ein schwerer Fehler“ gewesen sei, der mit seinem eigenen Amtsverständnis nicht vereinbar sei. Der Fehler tue ihm leid und er habe sich auch entschuldigt. Zugleich betonte Wulff, er wolle nicht Präsident in einem Land sein, in dem man sich kein Geld von Freunden leihen könne. Ungeachtet des anhaltenden Drucks in der Kredit- und Medienaffäre machte der Bundespräsident in dem Interview auch klar, dass er nicht zurücktreten wolle. „Ich nehme meine Verantwortung gerne wahr“, sagte Wulff. Mit Blick auf das Darlehen der BW Bank sagte er, es handele sich um normale und übliche Konditionen. Das gesamte Risiko der Zinsentwicklung liege bei ihm, so Wulff. Er habe keine Vorteile genossen, es handele sich um ein Angebot wie für andere auch.

5. Januar 2012

Der Bundespräsident bleibt auch nach seinem TV-Auftritt unter Druck. Die Opposition hält Wulffs Erklärungen für unzureichend, die „Bild“-Zeitung widerspricht zentralen Aussagen und einer Umfrage zufolge verliert Wulff in der Bevölkerung an Unterstützung.

Wulff war in dem Fernseh-Interview gefragt worden, ob es nicht für einen Bundespräsidenten tabu sein müsse, unliebsame Berichterstattung verhindern zu wollen. „Ich habe nicht versucht, sie zu verhindern. Ich habe darum gebeten, einen Tag abzuwarten“, sagte er dazu. Nikolaus Blome, Leiter des Hauptstadt-Büros der „Bild“-Zeitung, reagiert: „Das haben wir damals deutlich anders wahrgenommen. Es war ein Anruf, der ganz klar das Ziel hatte, diese Berichterstattung zu unterbinden.“

Wulff, der Schirmherr der Veranstaltungsreihe war, habe Haas, „auf die Veranstaltung aufmerksam gemacht“, teilte Talanx auf eine stern-Anfrage mit. Wulffs damaliger Sprecher Olaf Glaeseker habe darauf „weitere
Informationen“ übermittelt. Der Konzern entschied sich anschließend für ein Sponsoring und steuerte für das Event im Dezember 2009 insgesamt 10.000 Euro bei.

Auch der Touristikkonzern TUI wurde von der Staatskanzlei auf die Eventreihe hingewiesen und zahlte 2007 und 2008 je 25.000 Euro für den Nord-Süd-Dialog. Glaeseker habe zuvor „auf die Veranstaltung und die Möglichkeit eines Sponsorings aufmerksam gemacht“, bestätigte TUI dem Stern“.

Glaeseker war Ende Dezember als Sprecher von Wulff zurückgetreten. Die Staatsanwaltschaft Hannover prüft inzwischen, ob sie ein Ermittlungsverfahren gegen Wulffs Ex-Sprecher einleiten muss. Hintergrund sind Vorwürfe über kostenlose Ferienaufenthalte von Glaeseker auf den Anwesen von Schmidt.

Kommentare (10)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Dummschule.Deutschland

03.01.2012, 14:37 Uhr

.
Ihr solltet mal endlich wieder was Konservatives auf die Beine stellen, so wie früher.

Selbst euer Koneservatives Blatt, die Bild Zeitung lässt ihre ehemaligen konservativen Liblinge, auch Guttenberg mußte letztendlich bluten, über die Klinge springen.


Zwei Vorschläge an den Axel Springer Verlag aus ihrer Misere zu kommen:

1. Neubegin mit der DVU oder
2. Anderes Land suchen um die Gesinnung der Bildzeitung zum Ausdruck zu bringen, hier habt ihr einen verlorenen Posten.

Einfach wiederlich, was ein Drecksblatt !
Getreu dem Motto, wo die Millionen sind, da bin ich.
.

SayTheTruth

03.01.2012, 14:39 Uhr

Merkel lässt Wulff genauso vergammeln an ihrer Seite wie derzeit zu Guttenberg.

Erst mit Schmutz bewerfen lassen, dann schweigend den Niedergang der Männer abwarten.

Alle Falken an ihrer Seite sind bald weg, bis nur noch lauter "Röslers" und andere dirigierbare Vasallen um sie herum sind um ihren nicht nachvollziehbaren täglichen Adhoc-Kurs zu vollführen. Tägliches abgeducktes Flickwerk.

michiflumm

03.01.2012, 15:49 Uhr

Das Präsidentenamt entpuppt sich als Fegefeuer für möchtegern Präsidenten.
Nun hat die Kanzlerin, wie es aussieht, wieder eine Figur verloren in ihrem "Merkelschach" verloren. Langsam ist auch die Dame bedroht.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×