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09.12.2016

15:23 Uhr

Anschlag auf Moschee in Dresden

Ermittler nehmen Tatverdächtigen fest

Sächsische Sicherheitsbehörden feiern die Festnahme des mutmaßlichen Bombenlegers von Dresden als Erfolg. Der Fall zeigt aber auch eine explosive Mischung aus Fremdenhass und Gewaltbereitschaft im Land.

Dresden

Verdächtiger nach Anschlag auf Moschee festgenommen

Dresden: Verdächtiger nach Anschlag auf Moschee festgenommen

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Leipzig/DresdenZweieinhalb Monate nach den Sprengstoffanschlägen von Dresden, Pegida-Krawallen bei der Einheitsfeier und Pannen im Terrorfall Al-Bakr herrscht Aufatmen in Sachsen. Mit der Festnahme des Mannes, der nach Überzeugung der Ermittler Ende September die Sprengsätze vor einer Moschee und am Kongresszentrum in Dresden zündete, haben die in jüngster Zeit so gescholtenen Sicherheitsbehörden einen Fahndungserfolg zu verbuchen. „Damit ist erneut deutlich geworden, dass solche Straftaten in Sachsen nicht unbestraft bleiben“, sagt Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU). Ein Auftritt des mutmaßlichen Bombenlegers als Redner beim islam- und fremdenfeindlichen Pegida-Bündnis wirft indes Fragen auf.

Die Beweise wiegen schwer: Laut Generalstaatsanwaltschaft stimmt die DNA des 30-Jährigen mit der von der Spurensicherung überein. Bei Durchsuchungen seien zudem Gegenstände sichergestellt worden, mit denen sich Brand- und Sprengsätze herstellen ließen.

In Hessen auf Montage festgenommen, sitzt der Tatverdächtige nun in Dresden in Untersuchungshaft. Verantworten soll er sich wegen des „Herbeiführens von Sprengstoffexplosionen“. Auch eine kurz vor den Einheitsfeiern gefundene Bombenattrappe soll er abgelegt haben. „Wir gehen davon aus, dass er allein gehandelt hat“, sagt Oberstaatsanwalt Wolfgang Klein. Hinweise auf Helfer oder eine Zugehörigkeit zu einer Gruppe gebe es nicht.

Ganz losgelöst von der auch in Umfragen belegten besonders fremdenfeindlichen Stimmung in Sachsen will die Extremismusexpertin der Linksfraktion, Kerstin Köditz, den Fall nicht sehen. Er zeige, „wie wenig Substanz die vom sächsischen Verfassungsschutz eigens zur Verhätschelung Pegidas eingeführte Unterscheidung von „asylkritischem“ und „asylfeindlichem“ Protest hat“. Die Übergänge zum Rassismus seien fließend, sagt Köditz. „Die Radikalisierung von rechts führte im vorliegenden Fall - nicht zum ersten Mal in Sachsen - offenbar zum Rechtsterrorismus.“

Vor der Moschee und einem internationalen Kongressgebäude in Dresden sind zwei Sprengstoffanschläge verübt worden. dpa

Anschlag auf Dresdner Moschee

Vor der Moschee und einem internationalen Kongressgebäude in Dresden sind zwei Sprengstoffanschläge verübt worden.

Köditz bezieht sich auf eine Rede des Beschuldigten bei Pegida im Juli vergangenen Jahres. Ein Mitschnitt davon ist im Internet zu finden. Er „gehöre laut „Spiegel“ zum harten Kern der Pegida“, sagt der damals 28-Jährige darin sichtlich stolz vor den rund 2500 vor ihm versammelten Menschen auf dem Dresdner Altmarkt. In einem von ihm verlesenen Brief wendet er sich direkt an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU): „Sie lassen kriminelle Ausländer Drogen verkaufen. Sie lassen faule Afrikaner, anstatt ihre Länder aufzubauen, unsere Sozialkassen plündern“, poltert er.

Der Islam sei die „größte Massenvernichtungswaffe“, fährt er fort. Und schon damals droht er mit Gewalt: „Wenn Sie wollen, dass es in Deutschland und in Europa zum Bürgerkrieg kommt, dann machen Sie nur so weiter. Aber dann Gnade Ihnen Gott, denn von uns werden Sie keine Gnade erhalten.“

Pegida-Chef Lutz Bachmann geht am Freitag schnell auf Distanz zu seinem Redner von damals. „Wenn er es war, dann bitte einsperren und Schlüssel wegwerfen“, schreibt er bei Facebook – aber nicht, ohne die Tat gleich noch zu relativieren: „Egal ob da nur etwas Ruß an die Wand geschmiert wurde oder ein Böller gezündet!“

In der Fatih Camii-Moschee im Stadtteil Cotta bereitet sich Imam Hamza Turan auf das Freitagsgebet vor, als die Reporter ihn umlagern und wissen wollen, was er von der Festnahme hält. Glücklich sei er, lässt er von einem per Handy zugeschalteten Dolmetscher aus dem Türkischen übesetzen. Viel mehr will Turan aber nicht sagen, auch keine Fotos von sich machen lassen. Zu viele Anfeindungen habe er erleben müssen, als er sich öffentlich zeigte, nachdem Ende September der Sprengsatz vor der Tür explodiert war, hinter der er mit seiner Frau und den beiden Söhnen lebt. Und nicht nur gegen ihn: Auch sein Sohn werde deshalb in der Schule gemobbt.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

09.12.2016, 14:28 Uhr

"Herr Fritz Porters - 18.11.2016, 11:43 Uhr

@ Herr Hoffmann

ich habe nicht diesen enormen politischen Sachverstand wie Sie, aber die von Ihnen beschriebene "Grünen-Sozialistischen Vernichtungspolitik".... ist das sowas wie ein "Gemüseauflauf"? :-D
Herrlich, die Kommentare sind echt Comedy... einige Artikel im HB sind echt besorgniserregend, aber die Kommentare können einem das Lachen zurückzaubern. Danke ...muss weiter arbeiten...aber nachher schaue ich noch mal in die Kommentare...will doch auch später noch was zu schmunzeln haben..."

@Porters

VIELEN DANK Herr Porters,
es ist wirklich ein immenser Zeitaufwand, von morgens bis abends zu jedem Artikel so witzige Kommentare zu schreiben.
Bei manchen Artikeln sogar mehrere.
Schön das Sie das zu schätzen wissen.

Aber die Ehre gebührt nicht mir alleine. An den Comedy-Kommentaren sind noch weitere Leute beteiligt die auch gewürdigt sein wollen:
Paff, von Horn, Trautmann, Vinci Queri, Delli, Bollmohr, Caruso, Mücke, Ebsel....

ohne sie wäre ich hier sehr einsam !
Danke

Frau Annette Bollmohr

13.12.2016, 10:50 Uhr

Zu dem, was das kleine Mädchen auf dem Foto hier: http://www.aljazeera.com/blogs/asia/2016/12/rohingya-refugees-myanmar-trauma-161211131854812.html da auf dem Kopf hat:

Ich kann und will dieses hässliche, entstellende Symbol des Terrors, der Institutionalisierung der männlichen Vorherrschaft auf Kosten der Frauen – übrigens nicht nur der in ihrer kulturellen Gesellschaft lebenden - mittels einer zur Gehirnwäsche instrumentalisierten Religionsauslegung nicht mehr sehen. Weil mich sein Anblick hochgradig "aggro" macht (der des Symbols, nicht des es zu tragen gezwungenen Mädchens, versteht sich). IST einfach so. Kann ich nicht beeinflussen; ich reiße mich dann natürlich zusammen.

Und nein, ich bin ganz bestimmt NICHT fremdenfeindlich eingestellt. Was hat die Thematisierung der Ablehnung von Unterdrückungs- und Terrorsymbolen mit Fremdenfeindlichkeit zu tun? Und noch was: Wie will man ein Problem lösen, wenn man es nicht immer wieder ebenso klar und deutlich wie höflich und hartnäckig (vor allem aber: in seinen Handlungen konsequent) anspricht??!!

Ich erinnere mich, dass Frau Merkel letztes Jahr einen Hinweis auf die ausgeprägte Religiösität der meisten Flüchtlingen sinngemäß dahingehend kommentierte, dass dies in keinster Weise Anlass zur Besorgnis sei, sondern es vielmehr gut wäre, wenn wir uns hierzulande mehr mit Fragen zu unserer eigenen Religion auseinandersetzen würden. Diese Aussage finde ich äußerst besorgniserregend.

By the way: Der letzte "Weltspiegel" (11.12.16) war mal wieder insgesamt sehr sehenswert, wobei vor allem die Beiträge über die Ukraine und Kenia sowie der letzte über den Jemen waren sehr aufschlussreich sind: http://www.daserste.de/information/politik-weltgeschehen/weltspiegel/index.html

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