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31.08.2016

15:41 Uhr

Anti-AfD-Song von Jennifer Rostock

„Nur die dümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber“

VonTina Halberschmidt

Mit einem Anti-AfD-Song sorgt die Band Jennifer Rostock bei Facebook für Aufsehen. In dem Lied warnen die Berliner davor, bei den anstehenden Landtagswahlen die AfD zu wählen.

In einem Anti-AfD-Song ruft die Berliner Band Jennifer Rostock ihre Facebook-Fans auf, bei den anstehenden Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern kein Kreuzchen für die AfD zu machen (Screenshot).

„Nur die dümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber“

In einem Anti-AfD-Song ruft die Berliner Band Jennifer Rostock ihre Facebook-Fans auf, bei den anstehenden Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern kein Kreuzchen für die AfD zu machen (Screenshot).

DüsseldorfDie Berliner Band Jennifer Rostock hat mit einem Song gegen die AfD einen Netzhit gelandet: Bei Facebook haben sich den Clip, den die Band in Wohnzimmer-Kulisse aufnahm, schon mehr als fünf Millionen Menschen angeschaut. Knapp 10.000 Kommentare finden sich unter dem Video-Posting, das schon jetzt knapp 100.000 „Gefällt mir“ erhalten hat.

In dem Lied warnt Sängerin Jennifer Weist davor, bei den Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern am kommenden Wochenende und in Berlin (Mitte September) für die rechtspopulistische Partei AfD zu stimmen. In mehreren Strophen nimmt sie dabei das Wahlprogramm der AfD aufs Korn: „Bist du alleinerziehend und willst nicht, dass der Staat dich unterstützt, dann wähl die AfD“, singt Weist zum Beispiel. Oder auch: „Drei Kinder pro Familie, Mann im Job und Frau am Herd, das will die AfD“.

AfD für Kooperation mit NPD: „Die Maske ist gefallen, Nazis helfen Nazis“

AfD für Kooperation mit NPD

„Die Maske ist gefallen, Nazis helfen Nazis“

Keine Berührungsängste: AfD-Co-Chef Jörg Meuthen erteilt seiner Partei in Mecklenburg-Vorpommern einen Freibrief, im Falle eines Wahlerfolgs im Parlament mit der NPD zu kooperieren. Das sorgt für große Empörung.

Der Refrain: „Aber nur die dümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber.“ Am Ende heißt es in Bezug auf die AfD: „Das alles riecht verdammt nochmal nach 1933!“ und „Wähl bitte diesen Scheiß nicht!“.

Bei den Fans der Berliner kommt das Statement gut an: „Grandios, das gehört täglich ins Fernsehen, auf jedem Programm hoch und runter. Man muss euch einfach feiern dafür“, schreibt einer bei Facebook.

„Wie geil“, kommentiert eine andere, „nur schade, dass genau die, die es hören sollten, wohl nur die Hälfte deiner Wörter verstehen.“

Doch neben Lob gibt es auch zahlreiche kritische Kommentare: „Vielleicht sollte man das Video einfach unter 'Wie mach ich ein Video kostengünstig und ohne Anstrengung zu einem viralen Erfolg' abheften“, meint ein Nutzer. „Immer wieder lustig zu beobachten, dass die dümmsten Leute sich für die schlauesten halten“, ein anderer.

Der Nazi-Jargon der AfD

Auffällige Nazi-Rhetorik bei einzelnen AfD-Politikern

Der Vorsitzende der Gesellschaft für deutsche Sprache, Peter Schlobinski, betont zwar, dass man nicht die gesamte (Alternative für Deutschland) AfD über einen Kamm scheren dürfe. „Doch einzelne Mitglieder pflegen eine auffällige Nazi-Rhetorik. Der Rhythmus, das sprachliche Diktum, die Emotionalisierung - es gibt einiges, was stark an die NSDAP-Sprache angelehnt ist.“ Und der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke sei ja schon „fanatisch in seiner Sprache“. Es folgen einige Beispiele.
Quelle: „Stern“, eigene Recherche.

Björn Höcke, Thüringen-AfD-Chef

„3000 Jahre Europa! 1000 Jahre Deutschland!“

Björn Höcke, Thüringen-AfD-Chef (2)

„Erfurt ist … schön … deutsch! Und schön deutsch soll Erfurt bleiben!“

Björn Höcke, Thüringen-AfD-Chef (3)

„Das Boot ist übervoll und wird kentern.“

Björn Höcke, Thüringen-AfD-Chef (4)

In einem Vortrag stellte Höcke das Bevölkerungswachstum Afrikas in einen Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise, was weithin als biologischer Rassismus bewertet wurde. Er sprach von einem „Bevölkerungsüberschuss Afrikas“ und erklärte, der „lebensbejahende afrikanische Ausbreitungstyp“ treffe in Europa auf den „selbstverneinenden europäischen Platzhaltertyp“. Dann schlussfolgerte er: „Solange wir bereit sind, diesen Bevölkerungsüberschuss aufzunehmen, wird sich am Reproduktionsverhalten der Afrikaner nichts ändern.“

André Poggenburg, Chef der AfD in Sachsen-Anhalt

In ihrem auf Facebook verbreiteten Weihnachtsgruß vom 24.12.2015 sprach die AfD Sachsen-Anhalt unter anderem davon, in der Weihnachzeit über die „Verantwortung für die Volksgemeinschaft und nächste Generation“ nachzudenken. Der verwendete Begriff „Volksgemeinschaft“ löste daraufhin eine Diskussion aus. Denn, so der Politikwissenschaftler Samuel Salzborn von der Universität Göttingen bei „tagesschau.de“, der Begriff der Volksgemeinschaft sei historisch „eindeutig durch den Nationalsozialismus belegt“. Der Begriff sei in einer Demokratie unhaltbar, so der Professor, selbst wenn man sich auf den Standpunkt historischer Naivität zurückziehen würde. Die Idee einer Volksgemeinschaft sei generell nicht mit den Vorstellungen von Demokratie vereinbar.

Alexander Gauland, Brandenburg-AfD-Chef

„Es wird Zeit, dass wir das Schicksal des deutschen Volkes, damit es ein deutsches Volk bleibt, aus den Händen dieser Bundeskanzlerin nehmen.“

Alexander Gauland, Brandenburg-AfD-Chef (2)

„Das Boot ist voll. Auch um der Flüchtlinge willen muss Deutschland jetzt die Notbremse ziehen.“

Frauke Petry, AfD-Bundesvorsitzende

„Die deutsche Politik hat eine Eigenverantwortung, das Überleben des eigenen Volkes, der eigenen Nation sicherzustellen.“

Markus Frohnmaier, Bundesvorsitzender der Jungen Alternative (JA)

„Ich sage diesen linken Gesinnungsterroristen, diesem Parteienfilz ganz klar: Wenn wir kommen, dann wird aufgeräumt, dann wird ausgemistet, dann wird wieder Politik für das Volk und nur für das Volk gemacht - denn wir sind das Volk, liebe Freunde.“

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