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28.07.2015

18:27 Uhr

Anti-Euro-Kampagne

AfD kupfert bei den Grünen ab

VonDietmar Neuerer

Der Bundestagswahlkampf der Grünen im Jahr 2002 stand unter dem Motto „Grün wirkt“. 13 Jahre später fährt die AfD eine Kampagne, die den Slogan wortgleich übernimmt.  Die Grünen reagieren mit beißendem Spott.

Mit Grünen-Slogan gegen den Euro: AfD-Chefin Frauke Petry. AFP

Frauke Petry.

Mit Grünen-Slogan gegen den Euro: AfD-Chefin Frauke Petry.

BerlinMit dem Spruch „AfD wirkt“ macht die Alternative für Deutschland (AfD) derzeit gegen weitere Euro-Rettungsmaßnahmen mobil. Im Internet ist die Kampagne bereits angelaufen. Nun sollen weitere Maßnahmen folgen, wie aus einer Mail der AfD-Vorsitzenden Frauke Petry und Jörg Meuthen hervorgeht, die am vergangenen Freitag an alle Parteimitglieder versandt wurde.

„Zahlreiche AfD-Kreisverbände möchten diese Aktion in den nächsten Tagen und Wochen auf die Straße bringen, Flyer verteilen und Info-Stände aufbauen“, heißt es in der Mail, die dem Handelsblatt vorliegt. Am Freitag seien die Landesverbände bereits in einer Telefonkonferenz über die „Gesamtkampagne „AfD wirkt““ informiert worden. Ab dieser Woche werde die Bundesgeschäftsstelle Flyer und Druckvorlagen für Banner und Plakate zur Verfügung stellen, „damit wir bundesweit mit einem einheitlichen Layout auftreten können“.

Solche Kampagnen sind an sich nichts Besonderes. Nur in diesem Fall scheint sich die AfD von den Grünen inspiriert haben zu lassen. Der Bundestagswahlkampf der Grünen im Jahr 2002 stand unter dem Motto „Grün wirkt“. Dass nun 13 Jahre später ausgerechnet die AfD den Slogan abkupfert, dafür hat der Grünen-Innenpolitiker Volker Beck  nur Spott übrig.

Das Wahlkampfmotto der Grünen für die Bundestagswahl 2002. ap

GRUENENPLAKAT

Das Wahlkampfmotto der Grünen für die Bundestagswahl 2002.

„Phantasielosigkeit und inhaltliche Leere prägen diese Partei des ewigen Vorgesterns. Da überrascht es nicht, wenn sie woanders Slogans abkupfert“, sagte Beck dem Handelsblatt. „Das Einzige, was die AfD bisher bewirkt hat: es gibt zwei neue Rechtsaußen-Parteien. Treffen Menschen, die von Hass und Ressentiments getrieben sind zusammen, führt die Rechthaberei eben schnell zu Streit oder zur Spaltung.“

Als Pfeifen im Walde bezeichnete es Beck, wenn nun AfD-Chef Petry den Euro ins Zentrum einer Kampagne rücke. „Ihr Mister Anti-Euro ist ihr gerade samt Mannschaft unter Mitnahme der Rettungsboote von Bord gegangen“, sagte Beck unter Anspielung auf den früheren AfD-Chef Bernd Lucke, der die Partei verlassen hatte, nachdem er im Machtkampf um den AfD-Bundesvorsitz Petry unterlegen war.

Die „Rest-Kompetenz der Rumpf-AfD“, so Beck weiter, bestehe jetzt nur noch „in rassistischen und homosexuellenfeindlichen Ressentiments, gesellschaftspolitischem Biedermeier und einer außen- wie innenpolitischen Orientierung an Moskau“.

Abkupfern warf die AfD ihrerseits zuletzt ihrem früheren Vorsitzenden Lucke vor. Bei dem dem Streit geht es um angeblich nahezu wortgleiche Passagen in den Parteiprogrammen der AfD sowie der von Lucke neugegründeten Partei Allianz für Fortschritt und Aufbruch (Alfa). AfD-Sprecher Christian Lüth sagte dazu der „Bild“-Zeitung, es sei „erstaunlich, wie viele Programmpunkte schlichtweg von unserem Programm kopiert wurden“. Daher würden „rechtliche Schritte wegen Diebstahls geistigen Eigentums“ geprüft.

Die Anti-Euro-Thesen der „Alternative für Deutschland“

Zukunft des Euro

Wir fordern eine geordnete Auflösung des Euro-Währungsgebietes. Deutschland braucht den Euro nicht. Anderen Ländern schadet der Euro. (Quelle: Parteiprogramm)

Neue Währungen

Wir fordern die Wiedereinführung nationaler Währungen oder die Schaffung kleinerer und stabilerer Währungsverbünde. Die Wiedereinführung der DM darf kein Tabu sein.

Europäische Verträge

Wir fordern eine Änderung der Europäischen Verträge, um jedem Staat ein Ausscheiden aus dem Euro zu ermöglichen. Jedes Volk muss demokratisch über seine Währung entscheiden dürfen.

Austrittsrecht

Wir fordern, dass Deutschland dieses Austrittsrecht aus dem Euro erzwingt, indem es weitere Hilfskredite des ESM mit seinem Veto blockiert.

Lasten für den Steuerzahler

Wir fordern, dass die Kosten der sogenannten Rettungspolitik nicht vom Steuerzahler getragen werden. Banken, Hedge-Fonds und private Großanleger sind die Nutznießer dieser Politik. Sie müssen zuerst dafür geradestehen.

Schuldenschnitte

Wir fordern, dass hoffnungslos überschuldete Staaten wie Griechenland durch einen Schuldenschnitt entschuldet werden. Banken müssen ihre Verluste selbst tragen oder zu Lasten ihrer privaten Großgläubiger stabilisiert werden.

EZB-Politik

Wir fordern ein sofortiges Verbot des Ankaufs von Schrottpapieren durch die Europäische Zentralbank. Inflation darf nicht die Ersparnisse der Bürger aufzehren.

Kommentare (11)

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Herr Jens Großer

28.07.2015, 18:36 Uhr

Haben die Grünen das Patent auf das Wort "wirkt" bekommen?

Würde es diesen Artikel nicht geben dann wüsste ich gar nicht das die Grünen irgendwann mal so einen ähnlichen Slogan hatten. Warum? Weil mich die Grünen auch nicht interessieren. Niemand in der AfD wird sich für die Grünen interessieren. Wie sollte man dann ausgerechnet bei denen etwas abkupfern.

Und auf die pure Hetze sowie Polemik von Beck gehe ich gar nicht ein denn er ist es schlicht nicht wert!

Account gelöscht!

28.07.2015, 18:49 Uhr

Wer sind überhaupt die Grünen? Eine Naturzerstörende Partei....
Man kann auch in Zukunft auch sagen...."Energiewende wirkt", wenn es um die Zubetonierung unserer Naturlandschaff mit den Windkraftanlagen oder Photovoltaikanlagen geht oder der Mais Monokulturen.
Oder "EEG wirkt", wenn es um steigende und unbezahlbare Strompreise geht. Oder wenn es um die Vernichtung unserer Stromversorgung geht. Oder wenn es um die Zerstörung unseres volkswirtschaftlichen Wohlstand = Kraftwerkmixpark aus Kohle, Gas und vor allen der Kernkraft geht. Oder wenn es um die Missachtung der freien Marktwirtschaft = Gesellschaft geht!

Herr Nikolaus Hesse

28.07.2015, 18:50 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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