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16.06.2017

14:15 Uhr

Anti-Terror-Demonstration

Ditib erntet Kritik für Absage der Demo-Teilnahme

Ditib hat seine Teilnahme an einem Friedensmarsch gegen islamistischen Terror in Köln abgesagt. Für die Entscheidung kassiert der Islamverband nun Kritik. Die Bundeskanzlerin zeigt sich enttäuscht.

Der Generalsekretär der türkisch-islamischen Union Ditib, Bekir Alboga, zeigt der Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker den Kuppelsaal der Zentralmoschee. dpa

Ditib in Köln

Der Generalsekretär der türkisch-islamischen Union Ditib, Bekir Alboga, zeigt der Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker den Kuppelsaal der Zentralmoschee.

Berlin/KölnDie Bundesregierung ist enttäuscht über die Nichtteilnahme des Islamverbandes Ditib an der geplanten Anti-Terror-Demonstration in Köln. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sagte am Freitag in Berlin, er hätte sich die Beteiligung aller muslimischen Verbände gewünscht. Die Demonstration sei ein „wichtiges Zeichen von Muslimen in die Gesellschaft hinein, dass sie mit dem Terror und dem Missbrauch ihrer Religion durch die Terroristen nichts zu tun haben“.

Auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ließ ihre Enttäuschung ausrichten. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte in Berlin: „Dass Ditib an dieser Kundgebung am morgigen Samstag nicht teilnehmen will, ist einfach schade.“

Seibert betonte, Merkel begrüße sehr, dass Muslime und ihre Freunde mit der Demonstration ein klares Zeichen gegen Gewalt und Terror setzen wollten. „Es ist gut, wenn Muslime klarmachen, dass in ihren Reihen und Moscheen kein Platz für Hass und Gewalt ist.“ Der Terror des IS und anderer sei eine Bedrohung für jeden friedliebenden Menschen, unabhängig von dessen Glauben. „Diese Mörder missbrauchen den Islam, dessen Werte sie in Wirklichkeit verhöhnen.“

Ditib und seine Bindung an die Türkei

Dachverband der Islam-Vereine

Die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib) ist der Dachverband der rund 900 türkisch-islamischen Vereine in Deutschland. Er wurde 1984 gegründet und hat seinen Hauptsitz in Köln. Nach eigenen Angaben vertritt Ditib rund 70 Prozent der in Deutschland lebenden Muslime.

Aus- und Weiterbildung von Imamen

Der Verband begreift sich als eine überparteiliche Organisation, die sich zum Grundgesetz bekennt. Er engagiert sich unter anderem in der Integrationsarbeit sowie der Aus- und Weiterbildung von Imamen. Diese werden aus der Türkei entsandt und von Ankara bezahlt.

Aufgaben des Vorsitzenden

An der Spitze des Vereins steht der Theologe Nevzat Yasar Asikoglu. Der Vorstandsvorsitzende ist traditionell der Religionsattaché der türkischen Botschaft in Berlin. Zugleich vertritt er das staatliche Präsidium für Religiöse Angelegenheiten der Türkei (Diyanet) in Deutschland, das dem türkischen Ministerpräsidenten unterstellt ist.

Kritik

Kritiker bemängeln die enge Bindung von Ditib an die politischen Interessen von Staatschef Recep Tayyip Erdogan.

Parteiübergreifend zog sich Ditib Kritik zu. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz, nannte die Entscheidung sehr bedauerlich. Ditib „stellt sich selbst mit dieser Haltung noch weiter ins Abseits und droht vollends seine Glaubwürdigkeit zu verspielen“, sagte Özoguz den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Freitag). Der Vorsitzende der Grünen, Cem Özdemir, nannte die Begründung der Ditib-Absage in der „Berliner Zeitung“ „mehr als fadenscheinig“.

Die Integrationsbeauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Cemile Giousouf, erklärte, es gebe „keinen sachlichen Grund, die Teilnahme an der geplanten Demonstration gegen den islamistischen Terrorismus abzulehnen“. Der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Burkhard Lischka, nannte die Absage eine verpasste Chance. „Ditib und der Islamrat hätten gemeinsam mit vielen anderen Muslimen, Christen, Juden und Konfessionslosen in Deutschland ein Zeichen gegen Terror und Hass und für Weltoffenheit und Toleranz setzen können“, sagte er der „Mitteldeutschen Zeitung“ (Freitag).

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Unter dem Motto „Nicht mit uns“ wollen Muslime aus ganz Deutschland am Samstag in Köln mit einem Friedensmarsch ein Zeichen gegen islamistischen Terror setzen. Die türkisch-islamische Union Ditib hatte am Mittwoch entschieden, sich daran nicht zu beteiligen. Solche Demonstrationen stigmatisierten die Muslime „und verengen den internationalen Terrorismus auf sie, ihre Gemeinden und Moscheen“, hatte der größte Islam-Dachverband in Deutschland mitgeteilt.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Herr Lothar Bitschnau

16.06.2017, 11:11 Uhr

Ditip stand also vor der Gretchenfrage.

Frau Ursula Neumann

16.06.2017, 11:32 Uhr

Das liegt ja nun in der Natur der Sache, dass islamistischer Terror nicht von links- oder rechtsradikalen Gruppen kommen kann.
Damit zeigt Ditib doch ganz klar, wo sie stehen. Da ist es wohl an der Zeit, diese Herrschaften sehr viel genauer unter die Lupe zu nehmen.

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