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08.10.2016

18:35 Uhr

Anti-Terror-Einsatz

Anschlagspläne – Polizei findet „brisanten Sprengstoff“

Bei einer gezielten Wohnungsdurchsuchung in Chemnitz findet die Polizei „hochbrisanten Sprengstoff“. Der Verdächtige, ein 22-jähriger Syrer, ist vorerst auf der Flucht. „Seid vorsichtig“, sagt die Polizei.

Eine Person wurde im Wohngebiet festgenommen, zwei weitere am Hauptbahnhof. Der Hauptverdächtige jedoch ist weiter auf der Flucht. dpa

Polizeieinsatz in Chemnitz

Eine Person wurde im Wohngebiet festgenommen, zwei weitere am Hauptbahnhof. Der Hauptverdächtige jedoch ist weiter auf der Flucht.

BerlinBei der Suche nach einem mutmaßlichen Anschlagsplaner hat die Polizei in einer Chemnitzer Wohnung mehrere hundert Gramm hochbrisanten Sprengstoffs entdeckt. Ein Spezialeinsatzkommando stürmte die Räume am Samstag auf der Suche nach einem 22-jährigen Syrer, der der Vorbereitung eines Bombenattentats verdächtigt wird.

Das Landeskriminalamt Sachsen fahndete nach dem Verdächtigen, der einen schwarzen Kapuzenpulli mit auffälligem Aufdruck tragen soll und weiter auf der Flucht war. Am Chemnitzer Hauptbahnhof und in der Innenstadt nahm die Polizei drei Kontaktpersonen des Syrers vorläufig fest. Von einem islamistischen Hintergrund wollte der Sprecher des LKA, Tom Bernhardt, nach den bisherigen Erkenntnissen allerdings noch nicht sprechen.

Der Syrer Jaber Al-Bakr soll einen Sprengstoffanschlag geplant haben. dpa

Verdächtiger gesuc gesucht

Der Syrer Jaber Al-Bakr soll einen Sprengstoffanschlag geplant haben.

Über den Kurznachrichtendienst Twitter warnte die Polizei die Bevölkerung vor dem Syrer. „Die Fahndung nach dem Tatverdächtigen läuft“, erklärte sie. „Derzeit wissen wir aber nicht, wo er sich befindet und was er bei sich trägt. Seid vorsichtig.“ Das Bundesinnenministerium erklärte, es nehme den Fall ernst. Die zuständigen Behörden stünden miteinander in engem Kontakt. Der Großeinsatz mehrerer hundert Polizisten im Chemnitzer Wohngebiet „Fritz Heckert“ war bereits in der Nacht angelaufen. Auslöser war nach Bernhardts Worten eine Warnung des Verfassungsschutzes.

SEK-Beamte stürmten dann gegen Mittag die Wohnung in einem mehrstöckigen Plattenbau, in der der Syrer vermutet wurde, wo er sich aber nicht aufhielt. Bei der Durchsuchung der Räume stießen die Spezialisten zunächst auf Sprengstoffspuren. Später hätten sie die mehrere hundert Gramm hochbrisanten Materials in einem Versteck entdeckt, sagte Bernhardt. Beamte hoben am Abend mehrere Löcher an dem Haus aus, in denen der Sprengstoff kontrolliert vernichtet werden sollte. Dabei handelt es sich laut LKA um ein Gemisch verschiedener Substanzen, gefährlicher als der bekannte TNT. Bei der gestürmten Wohnung handle es sich nicht um die Wohnung des Verdächtigen, sagte der Sprecher, ohne Details zu nennen.

Zur Motivation des Syrers wollte sich Bernhardt nicht äußern. Die Vermutung eines islamistischen Hintergrundes liege bei der Herkunft des Verdächtigen zwar nahe, sagte er. Die Polizei werde sich dazu aber erst äußern, wenn es belastbare Fakten gebe. Auch worauf sich die Anschlagsvorbereitungen richteten, sei noch unklar. Medienberichte, es sei ein Attentat an einem Flughafen geplant gewesen, wollte Bernhardt nicht bestätigen. Es brauche aber nur geringe Fantasie, um sich vorzustellen, welche Ziele für einen Täter attraktiv seien: Dies seien gewöhnlich öffentliche Orte, kritische Infrastrukturen oder Verkehrsknotenpunkte. Die Polizei werde sich dazu aber erst dann äußern, wenn sie konkrete Fakten habe.

Derzeit bemühten sich die Beamten, das Risiko für die Bevölkerung zu minimieren. Hinweise auf eine konkret bevorstehende Tat hätten die Ermittler nicht. Allerdings gehe von einem politisch motivierten Täter, der über die nötigen Kenntnisse und eventuell auch die nötigen Mittel verfüge, immer eine Gefahr aus.

Der Polizeieinsatz spielte sich im Chemnitzer Wohngebiet „Fritz Heckert“ ab, das in weiten Teilen aus Plattenbauten besteht. Die Polizei forderte die Anwohner dort auf, ihre Wohnungen nicht zu verlassen. Zugleich rief sie Schaulustige auf, das betroffene Gebiet zu meiden und keine Fotos oder Videos von dem Einsatz zu verbreiten, um die Ermittlungen nicht zu gefährden.

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