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08.04.2012

16:37 Uhr

„Antisemitischer Mensch“

Israel sanktioniert Grass mit Einreiseverbot

ExklusivIsrael hat Günter Grass wegen seines Gedichts zur unerwünschten Person erklärt, sogar die Aberkennung des Nobelpreises wird gefordert. Politiker von SPD und Grünen kritisieren den Entscheid und mahnen zu Sachlichkeit.

In Israel persona non grata und weiterhin stark kritisiert: Günter Grass. dpa

In Israel persona non grata und weiterhin stark kritisiert: Günter Grass.

Berlin/Frankfurt/Tel AvivIsrael hat gegen Literaturnobelpreisträger Günter Grass wegen seines israelkritischen Gedichts ein Einreiseverbot verhängt. Die Regierung erklärte ihn am Sonntag zur Persona non grata, bestätigte ein Sprecher des Innenministers Eli Jischai. „Ich sehe es als Ehre an, ihm die Einreise ins Heilige Land zu verbieten“, sagte der israelische Innenminister Eli Jischai am Sonntag. Aus israelischer Sicht hat der Literaturnobelpreisträger mit seinem israelkritischen Gedicht eindeutig eine rote Linie überschritten. Der Innenminister von der strengreligiösen Schas-Partei will in der heftigen Debatte um Grass auch keine Grautöne geltenlassen - der Intellektuelle ist für ihn mit seinen Äußerungen vollständig in die Kategorie „Nazi“ gerutscht.

Der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rolf Mützenich, hat das von Israel gegen den Literaturnobelpreisträger Günter Grass verhängte Einreiseverbot scharf kritisiert.

„Die Reaktion der israelischen Regierung ist unangemessen und wird dem Thema nicht gerecht“, sagte Mützenich Handelsblatt Online. Nötig sei vielmehr eine sachliche Auseinandersetzung mit den Thesen von Grass. „Ein demokratisches und pluralistisches Land wie Israel kann auch kontroverse Meinungen ertragen, zumal die Ansichten von Günter Grass nicht antisemitisch sind“, betonte der SPD-Politiker. 

„Wenn jetzt dieser Schritt mit der SS Vergangenheit von Günter Grass begründet wird, hätte die israelische Regierung das Einreiseverbot mit Bekanntwerden seines Verhaltens als 17-Jähriger erlassen müssen“, sagte Mützenich weiter. „Jetzt erscheint es als eher Zeichen der Hilflosigkeit.“ Umso deutlicher werde, dass es klüger sei, zwischen Israel und seiner Regierung zu unterscheiden.

Grass hatte in seinem am Mittwoch veröffentlichten Gedicht „Was gesagt werden muss“ angeprangert, dass der Iran von einem atomaren Präventivschlag durch Israel bedroht sei, der das iranische Volk auslöschen könne. Er warf Israel vor, als Atommacht den Weltfrieden zu gefährden. Das Gedicht hatte ihm im In- und Ausland den Vorwurf des Antisemitismus eingebracht. Grass hatte sich verteidigt und seinen Kritikern Hass und eine Kampagne gegen ihn vorgeworfen.

Auch der Grünen-Politiker Volker Beck hat die harte Reaktion der israelischen Regierung auf ein umstrittenes Gedicht des Literaturnobelpreisträgers Günter Grass scharf kritisiert. „Ein Einreiseverbot für Grass halte ich für überzogen und falsch. Es passt zu der Linie der aktuellen israelischen Regierung und wie sie mit Kritik und Streit auch im eigenen Lande umgeht“, sagte der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Bundestagsfraktion Handelsblatt Online. „Das ist unsouverän und demokratisch nicht klug. Ich hoffe, dass man das noch einmal überdenkt.“

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