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22.01.2005

23:17 Uhr

Antisemitismus

Spiegel fordert verstärktes Engagement

Vor dem 60. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz hat der Präsident des Zentralrates der Juden, Spiegel, die Deutschen aufgefordert, aktiv gegen den zunehmenden Antisemitismus vorzugehen.

HB BERLIN. Der Präsident des Zentralrates der Juden, Paul Spiegel, hat gefordert, die aus Ausländerfeindlichkeit und Antisemitismus erwachsene Bedrohung ernster zu nehmen. Anlässlich des Gedenkens am 27. Januar an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz vor 60 Jahren sagte Spiegel der Nachrichtenagentur dpa: «Jede von rechtsradikalen Parolen genährte Ausländerfeindlichkeit, jeder antisemitische Übergriff, jeder Angriff auf eine Minderheit ist ein direkter Angriff auf unsere Demokratie und damit auf jeden Staatsbürger. Dies haben aber zu viele Menschen noch nicht begriffen, die das alles nur für ein Problem dieser «Minderheiten» halten.»

Auschwitz sei als «Symbol des millionenfachen Menschenmordes der Nazis Mahnung und Verpflichtung zu einer wirklich wehrhaften Demokratie in Deutschland», so Spiegel. «Erschreckend schnell» sei nach den Wahlerfolgen rechtsradikaler Parteien in Brandenburg und Sachsen zur politischen Tagesordnung übergegangen worden. «Bei allem grundsätzlichen Vertrauen in deutsche Demokratie und Rechtsstaatlichkeit: Wo bleibt der vielfach beschworene «Aufstand der Anständigen»?», fragte Spiegel.

Laut Untersuchungen des Berliner Zentrums für Antisemitismusforschung ist Judenfeindlichkeit in Deutschland weit verbreitet: Fast jeder fünfte Bürger habe antisemitische Einstellungen. Die Ressentiments reichten bis in die Mitte der Gesellschaft, schrieb der Forscher Werner Bergmann in einem Beitrag für den «Tagesspiegel am Sonntag». Nachdem über Jahrzehnte ein Rückgang des Anteils antisemitischer Vorurteile in der Bevölkerung zu verzeichnen gewesen sei, ließen sich seit etwa zehn Jahren konstant bei 15 bis 20 Prozent antisemitische Einstellungen erkennen, so Bergmann.

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