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10.10.2013

16:43 Uhr

Anton Hofreiter

Der bayerische Umweltschützer

Mit dem neuen Co-Fraktionschef Anton „Toni“ Hofreiter kehren die Grünen zur ihrer Kernkompetenz zurück: dem Umweltschutz. Der promovierte Biologe ist jedoch kein Fachidiot – politische Gegner sollten sich wappnen.

Anton Hofreiter ist der neue starke Mann bei den Grünen. dpa

Anton Hofreiter ist der neue starke Mann bei den Grünen.

BerlinJetzt gehört er zum Führungsteam der Grünen. Wenn die Gespräche mit der Union über eine mögliche Koalition geführt werden, ist der 43-Jährige als neu gewählter Fraktionschef dabei. In den vergangenen Jahren machte sich Anton Hofreiter vor allem als Verkehrsexperte seiner Fraktion einen Namen. Im Wirbel um das Bahnprojekt Stuttgart 21 und den neuen Berliner Großflughafen ging der Grüne heftig mit Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) ins Gericht. Hofreiters Rezept: markiges Auftreten und mit bayerischem Akzent vorgetragene scharfe Attacken. Seine profunden Fachkenntnisse verhalfen dem Politiker, der selbst viel Zeit im Zug verbringt, dabei zu Ansehen.

Rein optisch erinnert der Parteilinke eher an frühere Zeiten. Sein blondes Haar trägt er so lang wie viele Grünen-Abgeordnete der ersten Stunde. Hofreiter kann sich auch darüber aufregen, wenn Konservative ihn wegen seiner Frisur schon mal schräg angucken. Dass er Anzug statt Pullover trägt, hat er einmal damit begründet, dass Gesprächspartner sonst seine Argumente leider weniger ernst nehmen.

Wo Union und Grüne zusammen finden könnten

Arbeit und Soziales

Beide Seiten wollen, dass Zeit- und Leiharbeiter den gleichen Lohn bekommen wie die Stammbelegschaften. Die Grünen fordern einen gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro, die Union will branchenbezogene Lohnuntergrenzen von den Tarifparteien aushandeln lassen. Bei der Rente streben beide Seiten eine Absicherung für langjährig Versicherte an, sind aber uneins, wie der Schutz gegen Altersarmut aussehen soll. Die von der Union geforderte Mütterrente halten die Grünen für nicht finanzierbar.

Energie

Die Grünen wollen erneuerbare Energien zügig ausbauen. Die Union verweist auf fehlende Netze und die enormen Kosten: Die Ökostromproduktion (Anteil: 25 Prozent) wird derzeit mit jährlich 20,3 Milliarden Euro von den Stromverbrauchern gefördert. Die Grünen wollen deshalb Industrierabatte um vier Milliarden Euro kappen - die Unions-Fraktion kritisiert das als Morgenthau-Plan zur De-Industrialisierung. Zudem wollen die Grünen den Kohleausstieg bis 2030 - das hält die Union für unrealistisch. Die Grünen sind gegen Fracking, also Gasförderung aus tiefem Gestein. Die Union sieht darin Chancen.

Steuern

Eine Einigung auf höhere Steuern für Besserverdiener ist denkbar. Wohl aber nicht schon ab einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 60.000 Euro. Der Grundfreibetrag steigt 2014 ohnehin von 8130 auf 8354 Euro. Das ist weniger als von den Grünen gefordert (mindestens 8700 Euro). Entlastungen bei der „kalten Progression“ scheinen möglich. Wenig Chancen haben dagegen die Ideen der Grünen, eine befristete Vermögensabgabe zur Schuldentilgung zu erheben und das Ehegattensplitting abzuschmelzen.

Bildung

Die Grünen wollen das von der CSU durchgesetzte Betreuungsgeld wieder abschaffen. Stattdessen fordern sie mehr Geld für den Kita-Ausbau, für Betreuung und Bildung. Die Union wird das Betreuungsgeld nicht preisgeben. Es könnte aber Schnittmengen bei Ganztagsschulen geben. Zur besseren Finanzierung von Schulen und Hochschulen fordern die Grünen, dass Bund und Länder im Bildungsbereich kooperieren dürfen.


Gesundheit

Schnittmengen könnten in einer Reform des heutigen Finanzierungssystems der Krankenkassen liegen. Kostensteigerungen tragen allein die Arbeitnehmer und die Steuerzahler, die Arbeitgeber sind außen vor. Das dürften die Grünen ändern wollen. Deren Forderung einer Bürgerversicherung für alle ist mit der Union aber wohl nicht zu machen. Im Grünen-Modell ist für die private Krankenversicherung kein Platz. Und selbst in den Reihen der Union wurde die Zweiteilung der Krankenversicherung schon in Frage gestellt.

Bei den linken Grünen in der Fraktion war er für den Fall des Abtretens von Trittin früh als Nachfolger gesetzt. Als er dann in der Woche nach der Bundestagswahl seine Kandidatur ankündigte, war ihm Nervosität anzumerken. Im normalen Gespräch zeigt sich Anton Hofreiter sonst schlagfertig, witzig und als Freund klarer Worte.

„Für mich ist einer der zentralen Markenkerne der Grünen die Ökologie, ist die Umweltfrage, ist die Rettung unseres Planeten“, sagt Hofreiter. Das passt zu seiner Biografie. Promoviert hat er über die Artenvielfalt in den südamerikanischen Anden. Er kennt sich aus mit Pflanzen und Tieren und engagiert sich seit langem im Naturschutz. Wichtig ist ihm sein Augenmerk für Ökologie und soziale Rechte in ärmeren Ländern.

Im Bundestag sitzt Hofreiter seit 2005. Künftig will er mehr Machtoptionen für die Grünen, auch Rot-Rot-Grün schließt er nicht aus.

Von

dpa

Kommentare (4)

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Karl

10.10.2013, 17:27 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Account gelöscht!

10.10.2013, 19:10 Uhr

Erst mal richtig mit Seife waschen und zum Friseur, dann sieht man weiter....

kohlhas

11.10.2013, 09:51 Uhr

vor der vor-letzten bayernwahl (vor einigen jahren) ist herr hofreiter mit anderen politikern in ottobrunn (bei münchen) aufgetreten zum thema "umwelt". ein zuhörer (studiert, mit einer menge grips!) hat gesagt "soviel blödsinn hat er in seinem ganzen leben noch nicht gehört"! leider oder gott sei dank (wie auch immer,) ich mußte diesem zuhörer absolut recht geben. soviel schwachsinn betreff "umwelt" hatte auch ich schon lange nicht mehr gehört. der anschließende tumult war eigentlich der einzige höhepunkt dieses politikermeetings!

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