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16.03.2011

11:32 Uhr

Anzeigenkampagne der Atomlobby

Was sagen Sie nun, meine Herren?

VonMarc Brost
Quelle:Zeit Online

Im Herbst 2010 machte die Atomlobby mit einer Kampagne Druck für die AKW-Laufzeitverlängerung - mit Erfolg. 40 Manager unterstützten den Appell - nach dem Atom-Horror in Japan wollen die meisten davon nichts mehr wissen.

Kommt auch durch die Atom-Katastrophe in Japan nicht ins Grübeln: Ex-Wirtschaftsminister Wolfgang Clement. Quelle: dpa

Kommt auch durch die Atom-Katastrophe in Japan nicht ins Grübeln: Ex-Wirtschaftsminister Wolfgang Clement.

Er ist einer der wenigen, die sich noch äußern wollen. Er hat ja auch nichts mehr zu verlieren. Wolfgang Clement ist der Outlaw der Sozialdemokratie; seit seinem Parteiaustritt 2008 ist der frühere Wirtschaftsminister ein Stachel im Fleisch der SPD. Clement findet Atomkraft gut. Und er steht auch jetzt dazu. Von der Regierungsentscheidung, die Laufzeitverlängerung der Meiler auszusetzen, hält er wenig: "Was hier geschieht, ist menschlich verständlich, aber nicht sehr überlegt."

Clement gehört zu den Unterzeichnern des "Energiepolitischen Appells", einer Anzeigenkampagne vom August 2010.

In doppelseitigen Zeitungsanzeigen wurde die Regierung aufgefordert, die Laufzeiten der Atommeiler zu verlängern: "Ein vorzeitiger Ausstieg würde Kapital in Milliardenhöhe vernichten – zulasten der Umwelt, der Volkswirtschaft und der Menschen in unserem Land." Die Unterzeichner verlangten "Mut und Realismus für Deutschlands Energiezukunft".

Nun hat die Realität die Atomfans eingeholt. Grund genug, einmal nachzufragen, wie sie ihren Appell heute sehen.

Im Sommer war die politische Stimmung angespannt. CDU/CSU und FDP rangen um die Laufzeit der Atommeiler. Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) wollte sie "für eine überschaubare Zahl von Jahren" länger am Netz lassen. Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) und wichtige Unionspolitiker forderten zusätzliche Laufzeiten von 15 Jahren und mehr.

Die Kanzlerin hielt sich bedeckt. Also machte die Stromwirtschaft Druck – und veröffentlichte den "Energiepolitischen Appell". "Manager greifen Röttgens Politik an", schrieb die Frankfurter Allgemeine . "BDI verpasst Merkel den Denkzettel", titelte Spiegel Online . Der Industrieverband hatte den Appell mit den Energiekonzernen initiiert.

Wer die Atomlobby bei ihrer Anzeigenkampagne unterstützte

Die Unterzeichner

Josef Ackermann, Deutsche-Bank-Chef; Werner Bahlsen, Keksfabrikant; Wulf Bernotat, ex-Eon-Chef; Oliver Bierhoff, Manager der Fußball-Nationalmannschaft; Wolfgang Clement, ex-Bundeswirtschaftsminister; Eckhard Cordes, Metro-Chef; Gerhard Cromme, Aufsichtsratschef ThyssenKrupp; Jürgen Großmann, RWE-Chef; Rüdiger Grube, Deutsche Bahn-Chef; Jürgen Hambrecht, BASF-Chef; Tuomo Hatakka, Vattenfall-Chef; Wolfgang Herrmann, Präsident der TU München; Hans-Peter Keitel, BDI-Präsident; Carsten Maschmeyer, Finanzberatung MaschmeyerRürup; Friedrich Merz (CDU), ex-Fraktionschef Union; Arend Oetker, BDI-Vizepräsident; Hartmut Ostrowski, Bertelsmann-Chef; Wolff Schmiegel, Chef der Uni-Klinik Bochum; Ekkehard Schulz, ex-Chef ThyssenKrupp; Johannes Teyssen, Eon-Chef; Rainer Thieme, Aufsichtsratschef Salzgitter; Hans-Peter Villis, EnBW-Chef; Gerhard Weber, Gerry Weber International; Werner Wenning, ex-Bayer-Chef; Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA)

Am Montag will sich beim BDI niemand äußern. Und in vielen Konzernzentralen heißt es, man benötige "mehr Zeit, um die Ereignisse seriös zu bewerten".

Zu sprechen ist dagegen der Bahnchef. "Ich bin kein Befürworter der Kernenergie", sagt Rüdiger Grube. "Wenn es möglich wäre, würde ich morgen die Kernkraftwerke abschalten, aber das geht nicht. Wir brauchen einen Übergang. Schließlich stehen wir auch im Wettbewerb mit der französischen Bahn, die zu hundert Prozent Atomstrom nutzt."

Wolfgang Herrmann, der Präsident der Technischen Universität München, lässt ausrichten, dass er "am Aufruf nichts zurückzunehmen" habe. Er verweist auf den ersten Absatz des Appells, wonach die Zukunft den erneuerbaren Energien gehöre.

Kurt Lauk vom Wirtschaftsrat der CDU sagt: "Wir sind immer davon ausgegangen, dass Industrienationen die Technik eines sicheren Betriebes mit Kompetenz beherrschen. Hier hat Japan ein Fragezeichen gesetzt."

Wolkiges gibt es von der Deutschen Bank. Vorstandschef Josef Ackermann spreche sich "nach wie vor für ein ausgewogenes energiepolitisches Gesamtkonzept aus, das sowohl die Sicherung der Lebensgrundlagen von morgen und die Zukunftsfähigkeit des Standortes Deutschland im Blick hat".

So diplomatisch muss Wolfgang Clement sich nicht ausdrücken. "Der Appell war wichtig, und es gibt keinen Grund, ihn zurückzunehmen", sagt er. Clement glaubt nicht, dass sich die Bürger nach der japanischen Katastrophe von Schwarz-Gelb abwenden.

Und wenn doch, dann wegen Merkels Krisenreaktion: "Erst wenn man es so fährt, wie man es jetzt fährt, wird es zum Gewinnerthema für Rot-Grün." Der Mann hat eben einen ganz eigenen Blick auf die Dinge.

Kommentare (15)

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thomas

16.03.2011, 15:03 Uhr

"Ein vorzeitiger Ausstieg würde Kapital in Milliardenhöhe vernichten – zulasten der Umwelt, der Volkswirtschaft und der Menschen in unserem Land."
So ein Schmarrn. Gefahren für Leib und Leben werden ausgeblendet. Was kostet die Gesundheit von Menschen, ihr Leben?

Kapital vernichten - das ist immer schade. Man das mchen mittels Rauchen, Saufen - oder eben Abschalten unbeherrschter Gefahrenherde.

Account gelöscht!

16.03.2011, 15:26 Uhr

PUFF...

JFK

16.03.2011, 16:09 Uhr

16 000 Befürworter von 80 Millionen Bewohnern unseres Landes.
Das macht dann 0,02% aller Bürger aus die dieses Loby-Schreiben befürworten.

Ein bisschen Wenig um das Volk hinter sich zu bringen....

Herr Klement sollte lieber in Deckung gehen.

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