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23.08.2011

17:36 Uhr

Arbeitgeberpräsident

Hundt kritisiert deutsche Familienpolitik

ExklusivArbeitgeber-Präsident Dieter Hundt kritisiert in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt die deutsche Familienpolitik. Die fehlenden Konzepte bei den finanziellen Förderungen sieht der Verbandschef als Kernproblem an.

Arbeitgeber-Präsident Dieter Hundt. dpa

Arbeitgeber-Präsident Dieter Hundt.

„Der deutsche Staat meint es gut mit den Familien. In der Bundesrepublik wird wesentlich mehr Geld als in anderen Staaten für die Familienförderung ausgegeben. Gut 200 Milliarden Euro beträgt inzwischen das Volumen der ehe- und familienbezogenen Leistungen“, schreibt Hundt in seinem Gastbeitrag für das Handelsblatt.

„Große Erfolge werden mit dieser Familienförderung allerdings nicht erzielt."  Die Geburtenrate bewege sich in Deutschland konstant auf niedrigem Niveau, das Angebot der Kinderbetreuung weise nach wie vor große Lücken auf, und auch die Erwerbsbeteiligung von Frauen sei immer noch zu gering.

"Das Kernproblem der deutschen Familienpolitik ist, dass es an einer klaren Richtung mangelt. Verteilt wird vielmehr nach dem Gießkannenprinzip: Leistungen werden mal eingeführt oder aufgestockt, mal ergänzt oder modifiziert, ohne dass die Politik durch ein Gesamtkonzept geleitet wird." 

Bei Einzelleistungen wie dem Elterngeld fehle es an einem klaren Ziel. Anfangs sollte durch das Elterngeld die Geburtenrate erhöht werden. Dass dieser Ansatz zielführend ist, glaube inzwischen nicht einmal mehr der Erfinder des Elterngelds, Bert Rürup. „Er sieht das Elterngeld selber für gescheitert an, weil es junge Paare dazu verleitet, erst Karriere zu machen und ihren Kinderwunsch aufzuschieben.“ Auch einer gewünschten Gleichstellung der Geschlechter diene das Elterngeld nur bedingt: Väter beschränken sich beim Elterngeld meist auf wenige „Vätermonate“. 

Hundt begrüßt, dass Abgeordnete beider Regierungsfraktionen jetzt fordern, das Elterngeld zu überprüfen. In diesem Kontext sollten dann aber alle familienpolitischen Leistungen auf den Prüfstand. Es macht wenig Sinn, eine einzelne familienpolitische Leistung neu zu konzipieren, aber alle anderen 155 Maßnahmen außen vor zu lassen.“ Es müssten endlich klare Zielsetzungen definiert werden, um die Familienpolitik nach einheitlichen Kriterien neu zu ordnen.

In erster Linie muss die Politik die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Beruf und Familie in unserem Land besser miteinander vereinbart werden können. Dazu sei vor allem ein besseres Angebot in der Kinderbetreuung notwendig. Mehr und qualitativ bessere Kinderbetreuung gebe es selbstverständlich nicht zum Nulltarif. „Sie ist aber finanzierbar, wenn wir im Gegenzug auf kostenträchtige Fehlanreize verzichten, mit denen bislang die Nichterwerbstätigkeit von Frauen gefördert wird.“

Von

cr

Kommentare (7)

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Pendler

23.08.2011, 20:37 Uhr

oje, der kann das aber auch kompliziert machen.

Warum sollen wir Kinde3r in der Welt setzen, wenn wir und sie eh nur die Schulden abbezahlen sollen. Wenn wir die Uni verlassen wird ein finanztechnisch ausgeblutestes Land auf uns warten.

Keine Perspektive für Kinder
Aber viele Schulden

Thanks, no kids

Rentenberater

24.08.2011, 00:05 Uhr

Leider hat Herr Hundt auch nicht des Pudels Kern getroffen. Es gibt in den neuen Bundesländern 100% Kitaversorgung. Trotzdem gibt es dort noch weniger Kinder als im Bundesdurchschnitt. Man muss die Altersversorgung mit der Anzahl der Kinder verknüpfen: Keine Kinder = Kapitalvorsorge da Rentenkürzung. Viele Kinder Rentenaufstockung da Beitragszahler. das kostet schon mal gar nix. Dann noch statt des Ehegattensplittings ein Kindersplitting einführen, was ebenso kostenneutral sein kann, ist die Sache geritzt. Wenn es dann immer noch zu wenig Kinder gibt, dann ist wenigstens die Rente sischa.

Stefan37

24.08.2011, 00:25 Uhr

Da hat der Hundt ausnahmsweise Recht. Die Kinderbetreuungsmöglichkeiten in Deutschland sind mangelhaft und in skandinavischen Ländern oder Frankreich viel, viel besser. Hier fehlt es an Geldern um Kindergartenplätze ganztägig anzubieten.

Gleichzeitig aber wird beispielsweise ein Ehegattensplitting in Milliardenhöhe ermöglicht, ohne das Kinder überhaupt hierbei eine Rolle spielen. Das Ehegattensplitting gibt es nur in Deutschland und in Luxemburg in dieser Form. Dringend sollte Einkommenssteuerrecht familienpolitisch überarbeitet werden und mehr die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in den Mittelpunkt des Einkommenssteuerrechtes stehen. Nicht die Ehe ohne Kinder sollte gefördert werden, sondern jede Familienform, wo Kinder sind. Familie ist dort wo Kinder sind und nicht wo zwei Erwachsene zusammenleben oder ein Single allein lebt.

Weg mit dem Ehegattensplitting und Steuerklassenwahlrecht, das nur die Berufstätigkeit von Frauen behindert !!!

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