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29.10.2015

10:57 Uhr

Arbeitslosenzahlen

Der letzte Rekord

VonFrank Specht

Es ist ein Rekordtief: Nur noch 2,7 Millionen Menschen sind ohne Job. Die Arbeitslosigkeit würde gar weiter sinken, wären da nicht die Asylbewerber. Trotzdem ist es richtig, sie als Chance für den Arbeitsmarkt zu sehen.

Fast jeder zweite Flüchtling ist unter 25 Jahre alt. Das kann optimistisch stimmen. dpa

Flüchtlinge an der deutsch-österreichischen Grenze

Fast jeder zweite Flüchtling ist unter 25 Jahre alt. Das kann optimistisch stimmen.

BerlinEs waren wohl vorerst die letzten Rekordzahlen, die Frank-Jürgen Weise, der Chef der Bundesagentur für Arbeit, am Donnerstag verkünden durfte. 2,65 Millionen Erwerbslose suchten im Oktober einen Job, so wenige wie seit November 1991 nicht mehr. Der Arbeitsmarkt profitiert weiter von der durch billiges Öl und den schwachen Euro gedopten Konjunktur – und nicht zuletzt auch immer noch von Gerhard Schröders Hartz-Reformen.

Mit den Wintermonaten beginnt nun der jahreszeitlich übliche Anstieg der Arbeitslosenzahlen, der sich im kommenden Jahr durch die große Zahl der Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, beschleunigen wird. Denn Asylsuchende mit Bleiberecht haben Anspruch auf Hartz IV und werden als arbeitssuchend registriert. Das Forschungsinstitut der Bundesagentur erwartet deshalb für 2016 rund 130.000 registrierte Arbeitslose mehr als in diesem Jahr.

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Das Stellenangebot in der Telekommunikationsbranche wächst aktuell stetig an. Neben Technik-Experten sind auch Verkaufs- und Marketing-Profis sehr gefragt – besonders in der Hauptstadt und in Hamburg.

Einen Grund zur Panik bieten diese Zahlen aber keineswegs. „Das kräftige Wachstum der Beschäftigung ist ungebrochen“, sagt Weise. In nahezu allen Branchen gibt es mehr unbesetzte Stellen als vor einem Jahr. Die Zahl der Erwerbstätigen wird im kommenden Jahr deshalb voraussichtlich weiter auf einen neuen Rekord steigen. Weil die Beschäftigung bei Inländern den Prognosen zufolge weiter zunimmt, fällt auch der Anstieg der Arbeitslosenzahlen bei den Flüchtlingen weniger ins Gewicht.

Hinzu kommt, dass die Asylsuchenden selbst einen neuen Beschäftigungsschub auslösen werden. So werden nach Angaben der Kultusministerkonferenz allein 20.000 zusätzliche Lehrer benötigt, um Flüchtlingskinder zu unterrichten. Auch in den Kitas wird es kaum ohne personelle Verstärkung gehen. Jahrelang beklagte der öffentliche Dienst vergeblich den massiven Stellenabbau – nun kann er zumindest etwas Beschäftigung wieder aufbauen.

Wie die Arbeit der Armen besser werden soll

Gegen moderne Sklaverei

Arbeiter schuften in vielen Ländern auch für den deutschen Markt wie Sklaven. Hemden, Schokolade, Geschirr, Handys - viele Produkte können betroffen sein. Von den schlimmen Zustände in asiatischen oder afrikanischen Kleiderfabriken oder Plantagen ahnt man als Käufer in deutschen Shopping Malls wenig. Nun soll sich die Lage verbessern.

Was sind die Kernprobleme?

Ob Bangladesch, Pakistan oder Äthiopien - in vielen armen Ländern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas wird billig für den Weltmarkt produziert. Zustände wie in der Sklaverei herrschen dort oft, wie selbst Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) sagt. Unfälle wie der Einsturz einer Kleiderfabrik in Bangladesch 2013 mit mehr als 1000 Toten sorgten weltweit für Bestürzung. Am Rohstoff-Abbau und -Handel entzünden sich immer wieder Kriege und Menschenrechtsverletzungen.

Welche Kernzahlen machen das Ausmaß deutlich?

Welche Kernzahlen machen das Ausmaß deutlich?

168 Millionen Minderjährige verrichten laut Internationaler Arbeitsorganisation Kinderarbeit. 2,3 Millionen Menschen sterben demnach jährlich durch Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten.

Was verdient eine Näherin in Bangladesch?

Vom deutschen Ladenpreis eines in Bangladesch hergestelltes T-Shirts von 29 Euro gehen laut der Organisation Fairwear Fundation 0,18 Euro als Lohn an die Näherin. Beim Modelabel bleiben 3,61 Euro, beim Handel 12,30 Euro, der Rest verteilt sich auf Material, Fabrik, Transport.

Warum sehen sich die G7-Staaten in der Verantwortung?

Deutschland setzte das Thema unter seiner G7-Präsidentschaft auf die Tagesordnung. Ein Treffen der Arbeits- und Entwicklungsminister in Berlin habe Hoffnungen auf Konkretisierung erfüllt, meint Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD). Die 750 Millionen Menschen in führenden Industriestaaten zählen zu den kaufkräftigsten Konsumenten.

Was ist nun entschieden worden?

Der „Vision Zero Fund“, ein Fonds gegen Missstände in Fabriken, für mehr Sozial- und Umweltstandards, soll 2016 mit sieben Millionen Euro starten. In dazu bereiten Entwicklungsländern sollen Brandschutz, Arbeitssicherheit, Schritte gegen Kinderarbeit und Unfallversicherungen auf den Weg gebracht werden – auch von Experten aus den Industrieländern. Zum Beispiel in Myanmar oder Äthiopien.

Was ist noch geplant?

Unternehmen, auch kleinere, sollen sich stärker um Transparenz bei der Herkunft von Rohstoffen und Vorprodukten bemühen. Internationale Standards sollen mehr beachtet, Verbraucher besser informiert werden.

Wie können solche Schritte konkret aussehen?

Beispiel Bangladesch: Von den 4000 Textilunternehmen mit rund vier Millionen Beschäftigten, fast durchweg Frauen, haben laut Müller mittlerweile etwa 1500 Zertifikate über bessere Job-Bedingungen. Es gebe Auflagen, Kontrollen und Sanktionen. Innerhalb von zwei Jahren sollten alle Firmen zertifiziert sein – oder aber schließen.

Wie sollen Verbraucher besser informiert werden?

Etwa über Hinweise wie das Bio-Siegel. Minister Müller sagt, ein entsprechender „grüner Knopf“ für Textilien werde in seiner Amtszeit eingeführt, gemeint ist bis 2017. Kleiderfirmen und Handel hatten moniert, Produktionsstufen könnten nicht komplett überwacht werden.

Was sagen Kritiker?

Der Fonds ändere an oft katastrophalen Arbeitsbedingungen nichts, meint der Entwicklungsexperte der Linken, Niema Movassat. „Erstens sind die zugesagten Summen lächerlich.“ Zweitens brauche es mehr Zwang für Unternehmen. Auch nach Ansicht des Kieler Instituts für Weltwirtschaft müssen Firmen auf mehr Transparenz bei den Lieferketten vom Rohstoff bis zum Endprodukt verpflichtet werden.

Bringen bessere Arbeitsbedingungen den Unternehmen nur mehr Kosten?

Nein. „Mit höheren Standards sind ökonomische Vorteile verbunden“, sagt Alexander Holst, Experte für nachhaltige Wirtschaft bei der Beratungsfirma Accenture. So lägen die Kosten von Negativschlagzeilen nach einem schweren Unfall höher als die höheren Sozialstandards. Viele Firmen würden zu wenig beherzigen, dass ihnen eine faire Produktion Vorteile bei den Kunden bringen könne.

Optimistisch kann auch stimmen, dass rund jeder zweite Flüchtling unter 25 Jahre alt ist. Natürlich wird die Schul- und Ausbildung dieser jungen Menschen zunächst teuer. Aber mit Blick auf den Fachkräftemangel, der sich in Branchen wie der Pflege schon heute abzeichnet, handelt es sich um gut angelegtes Geld.

Kommentare (54)

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Herr Peter Delli

29.10.2015, 11:18 Uhr

Wir schaffen das!"
Die Wiederholung von Unsinn ist offenbar das größte Glück des Schreiberlings der System-Medien.
Wir schaffen das nicht, muß das heißen.

Herr Thomas Riemke

29.10.2015, 11:47 Uhr

Soso, bei rd. 500.000 offenen Stellen und derzeitig angeblich nur 2,7 Mio. Arbeitslosen wird es kein Problem sein, 100tausende Migranten in den Arbeitsmarkt zu integrieren?

Wow.

Herr Frank Frei

29.10.2015, 11:47 Uhr

Ooooooohhhh wie süüüüß! Wieder mal ein Flüchtlings-Kinderfoto!

Mein Tipp ans HB: Fotos von Katzenbabys funktionieren noch besser...

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