Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.11.2012

11:34 Uhr

Arbeitsmarkt

450-Euro-Grenze schafft kaum neue Jobs

Mit der Anhebung der Minijobgrenze auf 450 Euro sollen eigentlich mehr Anreize auf dem Arbeitsmarkt schaffen. Doch die Arbeitsagentur bezweifelt, dass dadurch neue Jobs entstehen.

Eine Gebäudereinigerin in Bayern. Der Bundestag hat die Minijob-Grenze von 400 auf 450 Euro erhöht. Die Arbeitsagentur bezweifelt jedoch die Wirkung davon. dpa

Eine Gebäudereinigerin in Bayern. Der Bundestag hat die Minijob-Grenze von 400 auf 450 Euro erhöht. Die Arbeitsagentur bezweifelt jedoch die Wirkung davon.

NürnbergDie neuen 450-Euro-Jobs werden voraussichtlich nicht die von der schwarz-gelben Bundesregierung erhofften Jobanreize schaffen. Schon jetzt nutzen nur wenige geringfügig Beschäftigte die bisherige 400-Euro-Regelung voll aus, geht aus Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) hervor, die der Nachrichtenagentur dpa vorliegen.

Von den 7,5 Millionen Minijobbern hätten im vergangenen Jahr nur 52 Prozent im Schnitt zwischen 301 und 400 Euro verdient. Bei allen übrigen Minijobbern seien es unter 300 Euro gewesen; zwölf Prozent verdienten mit ihrem Minijob sogar nur maximal 100 Euro, zeigen die BA-Zahlen. Die Zahl der Minijobber stagniert seit Jahren.

Arbeitnehmer-Studie: Beschäftigte mit Arbeitswelt unzufriedener

Arbeitnehmer-Studie

Beschäftigte mit Arbeitswelt unzufriedener

Der extreme Leistungsdruck wird für viele Arbeitnehmer zunehmend spürbar. Besonders in der Privatwirtschaft wächst die Unzufriedenheit darüber. Viele halten eine Anstellung im öffentlichen Dienst für erstrebenswerter.

Der Bundestag hatte Ende Oktober eine Heraufsetzung der bisherigen Minijobgrenze von 400 auf 450 Euro beschlossen. Bis zu dieser Höhe sind die Minijobs für die Beschäftigten weiterhin steuerfrei. Mit der Neuregelung verbunden ist erstmals eine Versicherungspflicht für die Gesetzliche Rentenversicherung. Minijobber können sich davon aber auf Antrag befreien lassen. Die im Koalitionsvertrag vereinbarte Erhöhung war ein besonderes Anliegen der FDP. Die Obergrenze war seit 2003 nicht mehr angehoben worden.

Arbeitsmarkt: Bundestag beschließt Anhebung der Minijob-Grenze

Arbeitsmarkt

Minijob-Grenze wird angehoben

Es ist die erste Anhebung der Verdienstgrenze für Minijobber seit 2003.

Die Zahlen bestätigen eine Umfrage der BA und des Statistischen Bundesamts vom Herbst 2010. Darin hatte jeder zweite 400-Euro-Jobber kein Interesse an Mehrarbeit und damit an einer höheren Entgeltgrenze. Rund ein Viertel gab an, zwar grundsätzlich mehr arbeiten zu wollen, was aber aufgrund der persönlichen Situation nicht möglich sei. Lediglich jeder Vierte der knapp 6400 Befragten erklärte, er interessiere sich für Mehrarbeit, habe aber bislang keinen passenden Job gefunden. Vor allem Rentner, Schüler und Studenten, die zusammen 44 Prozent aller 400-Euro-Jobber ausmachen, streben keinen höheren Verdienst an.

Studie: Die Hälfte der Überstunden bleibt unvergütet

Studie

Hälfte der Überstunden unvergütet

Nur für gut die Hälfte der Überstunden gibt es Geld oder Freizeitausgleich.

Auch im Umfeld der Bundesagentur stößt die Anhebung der Entgeltgrenze bei 400-Euro-Jobs auf Skepsis. Die Bundesregierung strebe mit den künftigen 450-Euro-Jobs an, mehr Frauen einen Einstieg oder eine Rückkehr ins Berufsleben zu ermöglichen. Stattdessen führe die Neuregelung dazu, dass Frauen „im Niedriglohnbereich steckenbleiben“, hieß es. Opposition und Gewerkschaften kritisieren die Anhebung der Verdienstgrenze, weil damit lediglich die Nische für unterbezahlte und sozial schlecht abgesicherte Arbeit ausgeweitet werde. Minijobber seien schon heute akut armutsgefährdet.

Nach den jüngsten BA-Zahlen machen Frauen bei den Mini-Jobbern einen Anteil von 65,7 Prozent aus. Minijobber werden hauptsächlich als Einzelhandelsaushilfen, für Putztätigkeiten in Betrieben, für Schreib- und Buchhalterarbeiten, als Aushilfen in der Gastronomie und als Austräger für Post und Zeitschriften angeheuert.

Von

dpa

Kommentare (21)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

17.11.2012, 11:55 Uhr

Der 400-EURO-Job dient nur zum Erhalt der Krankenkassenkarte und damit "schwarz" dazuverdient werden kann. Ein Anreiz 450 EURO offiziell zu verdienen besteht also überhaupt nicht. Wer will schon mehr Steuern zahlen ? Die Leute rechnen doch ganz genau und bedienen sich - genau wie dei Politiker mit ihren Diäten und Pensionen auf Steuerzahlers-Kosten. Die sind genauso berechnend und gierig !

Nur_noch_Hass_uebrig

17.11.2012, 12:25 Uhr

*** Beitrag von der Redaktion bearbeitet ***

itstk

17.11.2012, 12:35 Uhr

"Der Bundestag hatte Ende Oktober eine Heraufsetzung der bisherigen Minijobgrenze von 400 auf 450 Euro beschlossen. Bis zu dieser Höhe sind die Minijobs für die Beschäftigten weiterhin steuerfrei."

Das grenzt ja schon an Trickbetrug!

Das derzeitig steuerfreie Existenzminimum liegt bei 8004 Euro pro Jahr. Umgerechnet auf einen Monatsbetrag darf der Fiskus also bis 667 Euro/Monat gar keine Einkommensteuer erheben. Wäre verfassungswidrig. Wie so vieles in letzter Zeit...

Da aber die meisten Minijobber gleichzeitig auch Aufstocker sind, weil man auch von 450€ "Bruttolohn" nicht überleben kann, greift der Fiskus zu einem weiteren ganz legalen Steuertrick: Er erhebt die offiziell steuerfreie "Sozialleistung" des Aufstockers in der Steuererklärung und versteuert sie heimlich mit. Als Sockel unter das erklärte Arbeits-Einkommen. Das dadurch selbst dann steuerpflichtig wird, wenn der Jahresbetrag das offiziell für steuerfrei ausgelobte Existenzminimum nicht einmal erreicht, vom HartzIV-Niveau mal ganz abgesehen. Denn wer HartzIV bezieht, erhält mit Futtersack und Kostenübernahme der Miete in der Regel deutlich mehr als das steuerliche Existenzminimum.

Aber wer da mitmacht, hat in der Regel eh keine Wahl...

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×