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30.09.2015

10:41 Uhr

Arbeitsmarkt

Arbeitslosenzahlen gehen leicht zurück

Dank der üblichen Herbstbelebung ist die Arbeitslosenzahl im September gesunken. Die Quote sank leicht. Doch saisonbereinigt sehen die Zahlen aber nicht ganz so rosig aus.

Saisonbedingt hat sich der Arbeitsmarkt im September leicht erholt. Etwa 100.000 Menschen mehr als vor einem Jahr haben eine Arbteisstelle. dpa

Jobcenter in Erfurt

Saisonbedingt hat sich der Arbeitsmarkt im September leicht erholt. Etwa 100.000 Menschen mehr als vor einem Jahr haben eine Arbteisstelle.

NürnbergDie Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im September um 88.000 auf 2,708 Millionen gesunken. Das sind 100.000 Erwerbslose weniger als vor einem Jahr, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Mittwoch in Nürnberg mitteilte. Die Arbeitslosenquote verringerte sich um 0,2 Punkte auf 6,2 Prozent.

„Mit der Herbstbelebung ist die Arbeitslosigkeit im September zurückgegangen“, sagte der BA-Chef Frank-Jürgen Weise. Saisonbereinigt habe es zwar einen geringfügigen Anstieg gegeben, insgesamt habe die günstige Entwicklung am Arbeitsmarkt aber angehalten.

Wer nicht vom Mindestlohn profitiert

Seit wann gilt der Mindestlohn und wer profitiert davon?

Der flächendeckende gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro gilt seit dem 1. Januar 2015 Kraft und gilt grundsätzlich für alle Branchen und Regionen - in Ost und West gleichermaßen. Sind in einzelnen Branchen aber Vereinbarungen getroffen worden, die unterhalb der 8,50 Euro liegen, können diese noch bis Ende 2016 fortbestehen.

Jugendliche

Ausgenommen vom Mindestlohn werden unter 18-Jährige. Durch die Altersgrenze soll vermieden werden, dass sich junge Leute einen Job suchen anstatt eine - in der Regel schlechter bezahlte - Ausbildung zu absolvieren.

Langzeitarbeitslose

Wer nach mindestens zwölfmonatiger Arbeitslosigkeit einen neuen Job bekommt, hat in den ersten sechs Monaten keinen Anspruch auf den Mindestlohn. Damit soll der Anreiz für Arbeitgeber erhöht werden, Erwerbslose einzustellen. Die Bundesregierung will aber überprüfen, ob diese Ausnahme die Beschäftigungschancen von Langzeitarbeitslosen tatsächlich erhöht.

Ehrenamtliche und Praktikanten

Nicht gelten soll der Mindestlohn auch für ehrenamtlich Tätige sowie Praktikanten, die im Rahmen einer Aus- oder Weiterbildung ein Pflichtpraktikum absolvieren. Auch wer ein freiwilliges Praktikum zur beruflichen Orientierung macht, das nicht länger als drei Monate dauert, hat keinen Anspruch auf Mindestlohn.

Zeitungsausträger und Saisonarbeiter

Bei den Saisonarbeitern in der Landwirtschaft sollen die Arbeitgeber die Kosten für Unterkunft und Verpflegung von Saisonarbeitern auf den Mindestlohn anrechnen können. Zudem soll die Grenze für eine sozialabgabenfreie Beschäftigung von 50 auf 70 Tage angehoben werden. Für Zeitungsausträger soll es eine dreijährige Übergangszeit geben: 2015 darf der Mindestlohn um 25 Prozent unterschritten werden, 2016 noch um 15 Prozent. 2017 soll dann der Mindestlohn von 8,50 Euro gelten - auch wenn dann in den anderen Branchen bereits ein höherer Betrag gelten sollte.

Wer kontrolliert die Einhaltung des Mindestlohns?

Der Zoll und andere Behörden können in den Unternehmen kontrollieren, ob tatsächlich der Mindestlohn gezahlt wird. Die Behörden dürfen dafür auch Arbeitsverträge oder Geschäftsunterlagen einsehen. Dafür soll das Personal der Zollverwaltung aufgestockt werden, Berichten zufolge um 1600 Mitarbeiter. Arbeitgebern, die gegen das Mindestlohngesetz verstoßen, droht ein Bußgeld.

Wann könnte der Mindestlohn steigen?

Über die künftige Höhe soll eine Kommission entscheiden, der neben dem Vorsitzenden sechs weitere stimmberechtigte Mitglieder angehören - je drei von Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Das Gremium soll bis Mitte 2016 über eine etwaige Erhöhung zum 1. Januar 2017 entscheiden. Die Koalition nahm hier in letzter Minute eine Korrektur vor, zunächst war die Anhebung erst für 2018 geplant. Entsprechend der Forderung von Arbeitgebern und Gewerkschaften soll die Kommission alle zwei Jahre über eine Anhebung entscheiden - ursprünglich war dies jährlich geplant.

Was ändert sich für bestehende Tarifverträge?

Künftig soll es leichter sein, den Tarifvertrag für eine Branche für allgemeinverbindlich zu erklären. Voraussetzung wird nur noch sein, dass die Sozialpartner und Spitzenverbände dies für erforderlich halten und es im öffentlichen Interesse liegt. Bislang galt, dass in der jeweiligen Branche für mindestens die Hälfte der Beschäftigten eine Tarifbindung besteht - das heißt, dass die jeweiligen Firmen einem Arbeitgeberverband angehören.

Saisonbereinigt stieg die Arbeitslosenzahl in Deutschland im September um rund 2.000 auf 2,795 Millionen. In Westdeutschland stieg die um jahreszeitliche Einflüsse bereinigte Erwerbslosenzahl um 4.000, im Osten sank sie dagegen um 2.000.

Hauptursache für den Rückgang der Arbeitslosenzahl im September sei, dass mit dem Schul- und Ausbildungsbeginn die Zahl der arbeitslosen Jüngeren sinke, sagte Weise. Auch die Unternehmen stellten nach der Sommerpause vermehrt neue Mitarbeiter ein.

Die Zahl der offenen Stellen stieg im September auf nun 600.000 - das sind 81.000 mehr als vor einem Jahr. „Besonders gesucht sind zurzeit Arbeitskräfte in den Berufsfeldern Metallerzeugung, Metallbearbeitung, Metallbau, Verkauf sowie Verkehr und Logistik“, teilte die BA mit. „Es folgen Berufe in Maschinen- und Fahrzeugtechnik und Mechatronik, Energie- und Elektrotechnik.“

Auch Erwerbstätigkeit und sozialversicherungspflichtige Beschäftigung sind weiter gewachsen. Nach den jüngsten Daten vom August stieg die Zahl der Erwerbstätigen saisonbereinigt gegenüber dem Vormonat um 49.000 auf 43,09 Millionen. Das sind 230.000 mehr als im Vorjahr. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung legte von Juni auf Juli um 35.000 auf 30,73 Millionen zu. Das sind 608.000 Menschen mit regulärem Job mehr als vor einem Jahr.

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