Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.04.2012

11:32 Uhr

Arbeitsmarkt

Blue Card soll Facharbeiter locken

Um qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen, führt die Bundesregierung die Blue Card ein. Sie gibt Absolventen Zeit, um nach dem Abschluss einen Job zu finden und regelt den Zuzug der Familie.

In vielen Branchen fehlen Fachkräfte, so etwa in der Logistik. dpa

In vielen Branchen fehlen Fachkräfte, so etwa in der Logistik.

BerlinDie Blue Card kommt: Facharbeiter und Akademiker aus dem Ausland können damit in Deutschland leichter eine Arbeit finden. Mit den Stimmen der Koalition verabschiedete der Bundestag ein entsprechendes Gesetz, das auf die EU-Richtlinie für Hochqualifizierte zurückgeht.
Die Regelungen beseitigen bürokratische Hemmnisse für den Zuzug von Facharbeitern, Akademikern und Auszubildenden. Ausländische Studenten in Deutschland können nach dem Gesetz 18 Monate nach ihrem Abschluss bleiben, um einen Job zu finden.
Die notwendigen Mindestverdienste werden erheblich abgesenkt. Künftig gilt eine Grenze von rund 45.000 Euro. In sogenannten Mangelberufen reichen 35.000 Euro. Inhaber der zunächst befristeten Blue Card sollen nach drei Jahren eine Niederlassungserlaubnis für sich und ihre Familie erhalten, sofern sie einen gültigen Arbeitsvertrag verfügen. Bei guten Deutschkenntnissen kann die Frist auf zwei Jahre sinken. Zudem wird ein sechsmonatiges Visum angeboten, um sich einem Job in Deutschland zu suchen.
Die SPD begrüßte zwar mehrere Regelungen, enthielt sich aber in der Abstimmung. Damit wandten sich die Sozialdemokraten vor allem gegen die Lohngrenzen, die sie für zu niedrig halten. Die SPD-Abgeordnete Daniela Kolbe sagte, 35.000 Euro bedeute „Lohndumping für Akademiker“ und widerspreche möglicherweise dem EU-Recht.
Die Linke lehnte das Gesetz ab. Die Grünen enthielten sich ebenfalls. Sie warben für eine umfassende Reform des Einwanderungsrechts mit der Einführung eines Punkte-Systems. Sie erklärten das Gesetz für zu bürokratisch und wiesen auch darauf hin, dass nicht Deutschkenntnisse, sondern vielmehr Englischkenntnisse für viele Fachkräfte notwendig seien.
Koalitionspolitiker betonten, bei der Besetzung von Arbeitsplätzen bleibe es bei einem Vorrang für deutsche Arbeitslose. Sie forderten die Wirtschaft auf, ihren Beitrag zur Gewinnung „kluger Köpfe“ aus dem Ausland zu leisten.
Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich hob die Bedeutung der Zuwanderung angesichts der alternden Bevölkerung in Deutschland hervor. Er verwies auf die zum Teil sehr hohen Raten der Jugendarbeitslosigkeit in den südlichen Ländern der EU. Jeder junge Spanier oder Italiener, der in Deutschland einen Arbeitsplatz finde, „ist eine Entlastung für den Euro und ein Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit Eurolands“, sagte er.
Der Bundesrat muss dem Gesetz noch zustimmen. Es soll so schnell wie möglich in Kraft treten.

Von

dapd

Kommentare (9)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

LIW

27.04.2012, 12:16 Uhr

Wer vorschnell die Einführung der Blue-Card begrüßt, sollte einen Blick nach Großbritannien werfen. Hier gibt es diese Modell schon länger, mit dem Ergebnis, dass vor allem Menschen aus nicht-westlichen Ländern über ein Studium einen einfachen Weg nach Europa gefunden haben. Das Studium ist hierbei nur Mittel zum Zweck um mit der eigenen Familie nach Europa zu gelangen.
Da gerade Menschen aus Pakistan und aus Afrika diese Möglichkeit nutzen, fragen sich viele Britten, ob damit alle bisherigen Einreisebegrenzungen ausgehebelt werden.

Meier2

27.04.2012, 14:52 Uhr

Die deutsche Wirtschaft will nur billige Arbeitskräft, sonst gar nichts.
Den Fachkräftemangel gibts nicht, bzw. würde es in einigen Bereichen nicht geben, wenn die Bezahlung angemessen wäre.
Aber da die Deutschen Fachkräfte sich nicht weiter ausbeuten lassen wollen, müssen halt nichtdeutsche billig Arbeitskräfte ins Land geholt werden.

N_K

27.04.2012, 16:19 Uhr

"Arbeitsmarkt:
Blue Card soll Facharbeiter locken"

"Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube!" Goethe hat es in seinem Faust getroffen. Die beiden nachstehenden Links bestätigen die betriebene Volksverdummung.
Blue = Blau, Blau = Besoffen!
Das scheint inzwischen ein Dauerzustand unserer Volkstreter zu sein, denn in nüchternem Zustand kann es kaum möglich sein, einen derartigen Mist zu verzapfen wie DIE.

http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/eva-herman-und-jens-romba/arbeitsministerium-gibt-in-brief-zu-es-gibt-keinen-facharbeitermangel.html
http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/jens-romba/fachkraeftemangel-die-guten-liegen-auf-dem-markt-aber-keiner-will-sie-haben.html

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×