Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.06.2012

19:15 Uhr

Arbeitsmarkt

CDU-Politiker will Kündigungsschutz reformieren

VonDietrich Creutzburg

ExklusivDer CDU-Arbeitsmarktexperte Johann Wadephul will den Kündigungsschutz ändern - damit wieder mehr reguläre Jobs anstelle von Zeitarbeit und Werkverträgen entstehen. Sein Vorstoß erhält viel Applaus aus der Wirtschaft.

Viele Unternehmen schrecken vor Neueinstellungen zurück, weil der Bürokratieaufwand im Falle einer Kündigung hoch ist. dpa

Viele Unternehmen schrecken vor Neueinstellungen zurück, weil der Bürokratieaufwand im Falle einer Kündigung hoch ist.

BerlinNach mehreren Regulierungen für die Zeitarbeitsbranche werden bei CDU und Wirtschaftsverbänden Rufe nach einer Reform des Kündigungsschutzes laut. „Wir sollten uns in der Diskussion über atypische Beschäftigungsformen und die Spaltung des Arbeitsmarkts nicht nur an Symptomen abarbeiten“, sagte Johann Wadephul, Arbeitsmarktexperte und Bundesvorstandsmitglied der CDU dem Handelsblatt.

Die  Politik müsse „auch die Ursachen sehen“. Dazu zähle „der in seiner heutigen Ausgestaltung nicht mehr zeitgemäße Kündigungsschutz“, sagte Wadephul. Furcht vor kaum kalkulierbaren Rechtsstreitigkeiten mit gekündigten Arbeitnehmern bringe viele Unternehmen erst dazu, auf Zeitarbeit, Werkverträge und andere Beschäftigungsformen auszuweichen.

Der frühere CDU-Landtagsfraktionschef von Schleswig-Holstein erntete dafür breite Unterstützung bei den Wirtschaftsverbänden.  Ziel müsse eine „vernünftige, praxisgerechte Gestaltung des Kündigungsschutzes im Interesse aller Beteiligten“ sein, sagte Hannes Hesse, Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) dem Handelsblatt. Die bisherige „starre Regelung“ des Kündigungsschutzes führe regelmäßig „im Streitfall zu langen Auseinandersetzungen über viele Monate bis Jahre“, die nicht nur die Betriebe, sondern auch betroffene Arbeitnehmer persönlich belasteten.

Macht sich für eine Reform des Kündigungsschutzes stark: Johann Wadephul ap

Macht sich für eine Reform des Kündigungsschutzes stark: Johann Wadephul

Der Handelsverband Deutschland (HDE) bewertete die Erfahrungen mit der Insolvenz der Drogeriekette Schlecker als Anstoß für einen Neuanlauf zur Reform des Kündigungsschutzes. „Kündigungsverfahren müssen einfacher und berechenbarer werden“, mahnte HDE-Geschäftsführer Heribert Jöris. Gerade im Insolvenzfall habe niemand etwas davon, wenn das Risiko langwieriger Rechtsstreitigkeiten mit gekündigten Arbeitnehmern letztlich Investoren abschrecke.

Eine Reform des Kündigungsschutzes sei zwar aktuell „nicht im Koalitionsvertrag vorgesehen“, sagte CDU-Politiker Wadephul. „Das darf aber kein Denkverbot sein.“  Er trete im CDU-Vorstand dafür ein, „dass wir das Ziel eines fairen und rechtssicheren Kündigungsschutzes in unserem nächsten Regierungsprogramm verankern“.  Die schwarz-gelbe Koalition hatte im vergangenen Jahr die gesetzlichen Anforderungen für den Einsatz von Zeitarbeitern verschärft und die Gewerkschaften veranlasst neue Lohnzuschläge für Zeitarbeiter durchzusetzen.

 

Kommentare (9)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

27.06.2012, 08:07 Uhr

Das ist völlig richtig. Es gäbe nur einen Bruchteil der Zeitarbeitsverträge und -firmen, wenn der Arbeitsmarkt dereguliert wäre. Dazu gehört vor allem der Kündigungsschutz. Da wollte man aber nicht ran, die Zeitarbeit ist die Antwort auf dieses Versäumnis.

Unsinn

27.06.2012, 08:35 Uhr

Was will manerreichen?

Dass einem Arbeinehmer bereits für einen Cent Schaden gekündigt werden darf, hingegen Manager, trotz Schaden, stets dicke Boni und einen goldenen Handschlag kassieren?

Ein erneuter Angriff auf Arbeitnehmer Rechte, um den Profit für eenige zu erhöhen. In Deutschland haben die Menschen andere Sorgen. Oder geht es darum, dass noch schnell vor der Abwahl die eigene Klientel bedient wird?

Account gelöscht!

27.06.2012, 09:07 Uhr

Im Prinzip lobenswert, aber im Zusammenhang mit der EU- und Eurokrise seht niemand in Deutschland eine weitere Verschlechterung der Arbeitnehmerrechte ein.

Das Primat der Idiotie in der EU delegitimiert jede weitere Benachteilung des deutschen Bürgers.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×