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18.07.2011

08:05 Uhr

Arbeitsmarkt

Deutschland jagt Krisenländern Fachkräfte ab

Krisenländer wie Griechenland, Spanien und Portugal ächzen unter ihren Schuldenlasten. Deutschland floriert dagegen. Und es könnte hierzulande bald noch besser laufen – mit Fachkräften aus den klammen Staaten.

Schild der Arbeitsagentur in Schwerin. Quelle: dpa

Schild der Arbeitsagentur in Schwerin.

BerlinBei der Bewältigung des Fachkräftemangels setzt die Bundesagentur für Arbeit zunehmend auf qualifizierte Zuwanderer aus europäischen Krisenländern wie Spanien, Griechenland und Portugal. „Es gibt ein großes Potenzial in Spanien, Tausende von Ingenieuren sind arbeitslos, auch IT-Spezialisten“, sagte die Direktorin der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Tageszeitung „Die Welt“. 17.000 Spanier seien grundsätzlich an einer Arbeit in Deutschland interessiert.

Sondiert werde auch in Griechenland und Portugal, sagte Varnhagen weiter. So gebe es in Portugal ein großes Interesse von Pflegekräften, nach Deutschland zu kommen. Auch für griechische Mediziner sei Deutschland interessant. Potenzial für Ingenieure, Ärzte, Pflegepersonal und Facharbeiter gebe es aber auch in Bulgarien und Kroatien.

Haupthindernis für qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland seien fehlende Kenntnisse der deutschen Sprache. „Deutsch gilt als schwer zu erlernen“, sagte Varnhagen. In vielen Ländern Europas werde Deutsch gar nicht mehr als Fremdsprache angeboten. „Viele Hochqualifizierte lernen nur Englisch und gehen dann eben auch in englischsprachige Länder, wenn sie in ihrem Heimatland keine Beschäftigung finden.“

Zudem böten angelsächsische Länder den qualifizierten Zuwanderern nicht nur einen Arbeitsplatz, sondern ein Rundum-Paket für die ganze Familie - mit Sprachkurs, Wohnung, Job für die Ehefrau und Kindergartenplatz fürs Kind. „Aus diesen Beispielen können wir in Deutschland lernen. Es reicht nicht, attraktive Firmen und Produkte zu haben, die Gesellschaft muss auch bereit sein, diese Menschen aufzunehmen und zu integrieren“, sagte die ZAV-Direktorin.

Die Finanzlage in Deutschland bessert sich derweil infolge der starken Konjunktur deutlich schneller als von der Bundesregierung bislang angenommen. Nach 29 Milliarden Euro Neuverschuldung in diesem Jahr werde der Bund 2012 nur etwa 19 Milliarden Euro Defizit machen, sagte der Finanzexperte Alfred Boss des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) dem Handelsblatt. Das wären rund acht Milliarden Euro weniger als Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) in seinem Haushaltsentwurf 2012 veranschlagt hat.

Auch für die Finanzen der Bundesagentur für Arbeit (BA) kommt Boss dem Bericht zufolge zu günstigeren Ergebnissen als die Nürnberger Behörde selbst. Nach den Berechnungen des IfW-Forschers wird die BA in diesem Jahr ein Defizit von nur noch 1,5 Milliarden Euro einfahren und 2012 bereits einen Überschuss von 1,2 Milliarden Euro erzielen. Die BA selbst war in ihrem am vergangenen Freitag veröffentlichten Halbjahresbericht davon ausgegangen, dass sie in diesem Jahr ein Defizit von 1,9 Milliarden Euro machen wird.

Hauptgrund der Verbesserungen ist Boss zufolge die Entwicklung der gesamtwirtschaftlichen Lohnsumme, die von steigenden Löhnen und steigender Beschäftigung gleichermaßen nach oben getrieben werde. Im zweiten Quartal dürfte die Lohnsumme mindestens so stark wie im ersten Quartal gestiegen sein, sagte Boss dem „Handelsblatt“. Von Januar bis März war die Lohnsumme bereits um 4,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen.

Von

dpa

Kommentare (12)

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Karlfred

18.07.2011, 08:23 Uhr

Deutschland verjagt die Fachkräfte aus dem Land um "Fachkräfte" aus dem Ausland anzulocken... ?????
Die vor allem weniger Geld verdienen und mehr Unruhe und instabilität nach Deutschland bringen.
Deutschland muss zerstört werden. "Unsere" Politiker tun dafür ihr bestes....

Account gelöscht!

18.07.2011, 08:25 Uhr

Widerholt sich hier die Geschichte, wie damals in den 60Jahren?
Hier in der BRD brummt es, in den anderen Ländern in der EU, ist wenig von Bum zu spüren. Wird die Bundesregierung wider gedrängt, ausländische Arbeitskräfte zu holen wie in den 60,70 Jahren?
Aber was passiert, wen der Bum in der BRD ausläuft?
Was wird aus den ausländischen Arbeitskräften?
Jahrelang wurde in der deutschen Industrie rationalisiert?
Und heute fehlen Arbeitskräfte? Kann es sein das die Wirtschaftsführer, den Durchblick verloren haben??? Oder nur billige Arbeitssklaven wollen?
Die Regierung in Berlin regiert nicht mehr Gestalterisch, sondern agiert nur noch auf Zuruf aus allen Richtungen.
Was für ein Trauerspiel bieten die sogenannten Eliten in der BRD.
Danke

schnippschnappschnudi

18.07.2011, 08:43 Uhr

Ich stimme KARLFRED zu. Auch ich bin einer dieser Auswanderer, wie viele andere meiner Freunde und Bekannten. Nach Studium und naturwissenschaftlicher Promotion war schnell klar, dass ich trotz 1er Abschluss als Wissenschaftler in D-land für maximal einen Facharbeiterlohn meine 60-Stunden Woche ableisten muss. Das wollte ich weder mir noch meiner Familie zumuten. Also auswandern. Erst einige Jahre Norwegen, dann Schweiz, jetzt Asien.
D-land's Politik zerstört die Zukunftsfähigkeit des Landes, wenn zwei Dinge nicht getan werden: (1) die hochausgebildeten, hochmotivierten Deutschen im Land halten; (2) gesteuerte Einwanderung nach dem kanadischen oder neuseeländischen Vorbild (Punktesystem, bei dem eine hohe Ausbildungsstufe mehr Punkte bringt). Und -ganz wichtig- ein System des Willkommend für die wertvollen hochausgebildeten ausländischen Fachkräfte (Sprachkurs auf Niveau; Kindergartenplätze; soziales Netzwerk für die Ehefrauen usw). Denn nur wenn es auch attraktiv ist, nach D-land zu kommen, wenn man IT-Ingenieur, Chirurg, Wissenschaftler usw ist, kommt man auch.

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