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18.11.2012

15:13 Uhr

Arbeitsmarkt

Kaum Anreize durch neue 450-Euro-Jobs

Minijobs sollen attraktiver werden. Die Verdienstgrenze wird deshalb von 400 auf 450 Euro angehoben. Doch viele Minijobber bleiben schon jetzt deutlich darunter, wie neue Zahlen zeigen.

Stellenmarkt-Anzeige für einen Mini-Job. dpa

Stellenmarkt-Anzeige für einen Mini-Job.

NürnbergDie neuen 450-Euro-Jobs werden voraussichtlich nicht die von der schwarz-gelben Bundesregierung erhofften Jobanreize schaffen. Schon jetzt nutzen nur wenige geringfügig Beschäftigte die bisherige 400-Euro-Regelung voll aus, geht aus Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) hervor, die der Nachrichtenagentur dpa vorliegen.
Von den 7,5 Millionen Minijobbern hätten im vergangenen Jahr nur 52 Prozent im Schnitt zwischen 301 und 400 Euro verdient. Bei allen übrigen Minijobern seien es unter 300 Euro gewesen; zwölf Prozent verdienten mit ihrem Minijob sogar nur maximal 100 Euro, zeigen die BA-Zahlen. Die Zahl der Minijobber stagniert seit Jahren.
Der Bundestag hatte Ende Oktober eine Heraufsetzung der bisherigen Minijobgrenze von 400 auf 450 Euro beschlossen. Bis zu dieser Höhe sind die Minijobs für die Beschäftigten weiterhin steuerfrei. Mit der Neuregelung verbunden ist erstmals eine Versicherungspflicht für die Gesetzliche Rentenversicherung. Minijobber können sich davon aber auf Antrag befreien lassen. Die im Koalitionsvertrag vereinbarte Erhöhung war ein besonderes Anliegen der FDP. Die Obergrenze war seit 2003 nicht mehr angehoben worden.
Die Zahlen bestätigen eine Umfrage der BA und des Statistischen Bundesamts vom Herbst 2010. Darin hatte jeder zweite 400-Euro-Jobber kein Interesse an Mehrarbeit und damit an einer höheren Entgeltgrenze. Rund ein Viertel gab an, zwar grundsätzlich mehr arbeiten zu wollen, was aber aufgrund der persönlichen Situation nicht möglich sei. Lediglich jeder Vierte der knapp 6400 Befragten erklärte, er interessiere sich für Mehrarbeit, habe aber bislang keinen passenden Job gefunden. Vor allem Rentner, Schüler und Studenten, die zusammen 44 Prozent aller 400-Euro-Jobber ausmachen, streben keinen höheren Verdienst an.
Auch im Umfeld der Bundesagentur stößt die Anhebung der Entgeltgrenze bei 400-Euro-Jobs auf Skepsis. Die Bundesregierung strebe mit den künftigen 450-Euro-Jobs an, mehr Frauen einen Einstieg oder eine Rückkehr ins Berufsleben zu ermöglichen. Stattdessen führe die Neuregelung dazu, dass Frauen „im Niedriglohnbereich steckenbleiben“, hieß es. Opposition und Gewerkschaften kritisieren die Anhebung der Verdienstgrenze, weil damit lediglich die Nische für unterbezahlte und sozial schlecht abgesicherte Arbeit ausgeweitet werde. Minijobber seien schon heute akut armutsgefährdet.
Nach den jüngsten BA-Zahlen machen Frauen bei den Mini-Jobbern einen Anteil von 65,7 Prozent aus. Minijobber werden hauptsächlich als Einzelhandelsaushilfen, für Putztätigkeiten in Betrieben, für Schreib- und Buchhalterarbeiten, als Aushilfen in der Gastronomie und als Austräger für Post und Zeitschriften angeheuert.


Von

dpa

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

18.11.2012, 15:36 Uhr

Klar sind Mini-Jobs menschenverachtend. Aber seit der angeblich unabwendbaren Globalisierung hat die deutsche Wirtschaft kein Interesse mehr an teurer Arbeit in Deutschland. Diejenigen, die wirklich nur ehrlich Mini-Jobs arbeiten - respekt ! - aber vielen ist das nur wichtig um billig in derKV zu sein und den Rest der Woche arbeiten sie in der deutschen Schattenwrtschaft,

Entweder HARTZ4 + Schattenwirtschaft oder 1x Mini-Job + Schattenwirtschaft. So sieht doch die Realität aus in Deutschland. Den Verfall der Moral und uferloses Abzocken machen uns die Politiker doch vor !

Die Asozialen - ganz unten und ganz oben

http://www.wiwo.de/politik/deutschland/politische-debatte-die-asozialen-ganz-unten-und-ganz-oben/7395058.html

Account gelöscht!

18.11.2012, 15:38 Uhr

Zu den Asozialen "Rahm-Abschöpfern" zähle ich ganz ausdrücklich die hochbezahlten TV-Promies, die sich für alles benutzen lassen und zu jeder Aussage/Meinugn bereit sind - wenn gut bezahlt sowie die gesamte Politik und Abgeordneten, die in Steuergeld quasi "baden" - jetzt und im Pensionsalter sowieso !

Monika

18.11.2012, 16:36 Uhr

Diese Regierungskoalition bestehend aus CDU, CSU und FDP war in ihren Wahlversprechen mit "Mehr NETTO vom BRUTTO" angetreten. Mit der Anhebung der Entgelthöhe für Minijobs hat diese Regierung erreicht.

Das es sich dabei um ein faules Ei handelt interessiert die CDU. CSU und FDP nicht. Ziele werden sowiet abgesenkt, dass sie noch erreichbar werden. So sieht es auch mit dem Niveau aktueller Politiker und Wendehälse aus.

Bleibt zu hoffen, dass sich Wähler nicht mehr Sand in die Augen streuen lassen und endlich aufwachen, wer Ihnen hohe Energiepreise, dramatische sinkende Renten, Altersarmut, steigende Krankenkosten, Politikersumpf, Lobbyismus, Dilettantismus und Selbstbedienungsmentalität der Politikerkaste eingebrockt hat.

Die FDP ist von Anfang an zu ihrem Sinkflug aufgebrochen.
Die CSU versucht nochmal einen Höhenflug, der jederzeit zu einem Sturzflug wechseln könnte. In Bayern dämmerts langsam, welch durchtriebenes Spiel gespielt wird.
Die CDU ist ohnehin nur noch auf einem Hoch, weil sie auf der Popularität von Merkel mitschwimmt. Dabei bleibt vielen CDU-Anhänger die Metamorphose der CDU zu einer sozialistisch-ökologischen Partei verborgen. Ohne klare Richtung ist die CDU eine Mogelpackung und der aufgeklärte, clevere CDU-Wähler wählt lieber gleich die Partei seines "Gefühls", als sich weitere 4 Jahre Mogelpackung anzutun.

Leistung wird sich in Deutschland erst wieder lohnen, wenn CDU, CSU und FDP ihrer Regierungsverantwortung entbunden sind.

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