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19.12.2016

15:04 Uhr

Arbeitsmarkt

Nur ein Bruchteil der Flüchtlinge hat Jobs

Trotz guter Wirtschaftslage schaffen es viele Flüchtlinge nicht, Arbeit zu finden. Diejenigen, die einen Job haben, arbeiten meistens als Leiharbeiter. Das Ein-Euro-Job-Programm läuft nur schleppend an.

Nach einem Bericht des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat in den letzten Monaten hat nur Bruchteil der Flüchtlinge in Deutschland reguläre Arbeit erhalten. Immerhin 34 000 Einwanderer schafften aber innerhalb eines Jahres den Schritt in den ersten Arbeitsmarkt – 22 Prozent von ihnen als Leiharbeiter. Bernd Wüdpa

Geringe Erfolgsquote

Nach einem Bericht des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat in den letzten Monaten hat nur Bruchteil der Flüchtlinge in Deutschland reguläre Arbeit erhalten. Immerhin 34 000 Einwanderer schafften aber innerhalb eines Jahres den Schritt in den ersten Arbeitsmarkt – 22 Prozent von ihnen als Leiharbeiter.

BerlinIn den vergangenen Monaten hat nur ein Bruchteil der Flüchtlinge in Deutschland reguläre Arbeit erhalten. „Wenn wir es geschafft haben, nach fünf Jahren 50 Prozent in Lohn und Brot zu bekommen, ist das sicherlich ein Erfolg“, sagte der Direktor des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Joachim Möller, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Dafür müssen wir aber in die Integration investieren.“

Von Dezember 2015 bis November 2016 schafften 34 000 Einwanderer aus den acht wichtigsten nichteuropäischen Asylherkunftsländern den Schritt in den ersten Arbeitsmarkt. „Das sind unter anderem Syrien, Irak, Afghanistan, Nigeria und Eritrea“, sagte Möller. 22 Prozent dieser 34 000 Einwanderer seien Leiharbeiter. 

An zweiter Stelle standen wirtschaftsnahe Dienstleistungen ohne Zeitarbeit mit 20 Prozent. „Nimmt man das Gastgewerbe dazu, sind insgesamt 57 Prozent der Menschen in diesen Bereichen beschäftigt.“ 406 000 arbeitssuchende Flüchtlinge sind bei den Arbeitsagenturen und Jobcentern registriert, 160 000 davon als arbeitslos erfasst. 2015 und in den ersten elf Monaten 2016 beantragten laut Bundesinnenministerium knapp 1,2 Millionen Menschen hierzulande formell Asyl.

Eine Illusion wäre es aus Sicht Möllers, „zu glauben, dass wir eine große Zahl der Geflüchteten in unseren gut bezahlten Industriearbeitsplätzen wie beispielsweise der Automobilindustrie haben werden“. Zeitarbeit habe für Migranten aber eine besondere Funktion. „Viele Betriebe sind erst einmal skeptisch, Zeitarbeit hilft, erste Bedenken zu nehmen.“ Das IAB ist das Forschungsinstitut der Bundesagentur für Arbeit.

Wer in Deutschland arbeiten darf

Anerkannte Flüchtlinge und Asylberechtigte

Flüchtlinge mit einer Aufenthaltserlaubnis und subsidiär Geschützte dürfen in Deutschland genauso arbeiten wie Inländer auch.

Asylsuchende und geduldete Flüchtlinge

Asylsuchende und geduldete Flüchtlinge, die noch auf den Ausgang ihres Verfahrens warten und Langzeit-Geduldete dürfen nach einer Wartezeit grundsätzlich arbeiten. Voraussetzung dafür ist jedoch die Beschäftigungserlaubnis der Ausländerbehörde. Davon ausgenommen sind Asylsuchende aus sicheren Herkunftsstaaten. Für sie gilt ein Arbeitsverbot.

Deutsche zuerst

Bevor Flüchtlinge einen Arbeitsvertrag unterschreiben dürfen, muss noch die Bundesagentur für Arbeit zustimmen. Voraussetzung für die Bewilligung ist, dass kein Deutscher, EU-Bürger oder Flüchtling mit einer Aufenthaltserlaubnis den Job annehmen könnte. Bei bestimmten Berufen, bei denen in Deutschland zu wenige Arbeitskräfte zur Verfügung stehen, dürfen die Arbeitsagenturen auf diese sogenannte Vorrangprüfung verzichten. So gibt es zum Beispiel zu wenige Ärzte, Ingenieure oder Metallbauer. Erst wenn ein Flüchtling mindestens 15 Monate in Deutschland gelebt hat, prüft die Arbeitsagentur nicht mehr, ob für diese Stelle ein Deutscher oder ein EU-Bürger passt.

Nachweis

Ob und inwieweit ein Flüchtling arbeiten darf, trägt die Ausländerbehörde in sein Aufenthaltsdokument ein. In den Feldern "Anmerkungen" oder "Nebenbestimmungen" steht, ob dem Flüchtling eine Erwerbstätigkeit, eine Beschäftigung oder eine Beschäftigung nur mit Genehmigung der Ausländerbehörde gestattet ist. Manchen Asylbewerbern ist es sogar verboten, zu arbeiten. Jeder Arbeitgeber ist gesetzlich dazu verpflichtet, zu prüfen, ob der Asylsuchende, den er beschäftigen will, auch tatsächlich in Deutschland arbeiten darf.

Im Ein-Euro-Job-Programm für Flüchtlinge gibt es rund vier Monate nach dem Start noch weit weniger solche Arbeitsgelegenheiten als insgesamt geplant. „Nach ersten Zahlen entstanden bisher rund 5000“, sagte Möller. Das von Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) initiierte Programm startete am 1. August und soll 100 000 öffentlich geförderte Jobs für Flüchtlinge schaffen.

Durch die Flüchtlingsmigration entstanden auch Arbeitsplätze. „Wir rechnen mit einer Größenordnung im mittleren fünfstelligen Bereich, mit etwa 50 000 oder 60 000“, sagte Möller. „Beschäftigungszuwachs gab es etwa im Bau, bei außerschulischen Lehrtätigkeiten und Sprachlehrern, Wachleuten, Sozialarbeitern und in der öffentlichen Verwaltung.“

Diese grobe Einschätzung stamme noch vom Anfang des Jahres. „Wir gehen davon aus, dass damals einige der aufgrund der Flüchtlingsmigration neu geschaffenen Stellen noch gar nicht besetzt waren, sondern erst danach hinzukamen. Deshalb könnte der Effekt heute sogar noch etwas größer sein.“ Etwa Sprachlehrer, Sozialarbeiter, -pädagogen und Erzieher könne das Land angesichts künftiger Migration auch weiter gut gebrauchen.

„Wenn man beispielsweise an die Wiedervereinigung denkt, kann man festhalten: Wir haben in Deutschland schon ganz andere Aufgaben als den Flüchtlingszuzug gemeistert“, sagte Möller. „Es war eine humanitäre Entscheidung.“ Eine Bilanz über die Auswirkungen auf die Wirtschaft könne erst nach fünf oder zehn Jahren gezogen werden. „Es wird vermutlich keine Überschussrechnung sein. Aber Vielfalt kann auch produktiv sein.“

Von

dpa

Kommentare (1)

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Herr Wolfgang Trantow

19.12.2016, 10:27 Uhr

Arbeitssuche? Warum erhalten diese Experten, nur Experten kommen zu uns lt. unsere Politikern, keine Arbeit? Sie beherrschen doch Deutsch und unsere Regeln perfekt. Sehe ich jedoch BER und die Hamburger Philharmonie als Beispiele, dann sofort raus mit denen und auf Ersatz verklagen!

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