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04.01.2016

14:16 Uhr

Arbeitsmarkt

So viele Erwerbstätige gab's noch nie

Rekord auf dem Arbeitsmarkt: 2015 gab es in Deutschland so viele Erwerbstätige wie noch nie. Auch die Nachfrage nach Beschäftigten stieg. Doch Ökonomen schauen mit gemischten Gefühlen auf das Jahr 2016.

2015 war ein gutes Jahr für Arbeitnehmer. Für 2016 erwarten Ökonomen allerdings einen Anstieg der Arbeitslosenzahlen. dpa

Bundesagentur für Arbeit

2015 war ein gutes Jahr für Arbeitnehmer. Für 2016 erwarten Ökonomen allerdings einen Anstieg der Arbeitslosenzahlen.

Nürnberg/WiesbadenDer deutsche Arbeitsmarkt hat sich 2015 in Top-Form gezeigt – und auch jüngste Daten zur Arbeitskräfte-Nachfrage deuten vorerst auf eine Fortsetzung der Entwicklung hin.

So gab es in Deutschland im abgelaufenen Jahr so viele Erwerbstätige wie noch nie. Fast 43 Millionen Menschen mit Wohnsitz in der Bundesrepublik waren im Jahresschnitt 2015 erwerbstätig, teilte das Statistische Bundesamt mit. Nach vorläufigen Angaben der Wiesbadener Behörde vom Montag lag die Zahl damit um 324 000 oder 0,8 Prozent höher als ein Jahr zuvor.

Damit setzte sich der seit mehr als zehn Jahren anhaltende Aufwärtstrend fort, obwohl das Plus etwas niedriger ausfiel als 2014 (0,9 Prozent). Die Zahl der Erwerbstätigen erreichte den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung. Von der robusten Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt profitierten nach Angaben des Bundesamtes insbesondere Arbeitnehmer. Ihre Zahl kletterte im Jahresdurchschnitt um 421 000 (plus 1,1 Prozent) auf 38,7 Millionen. Erneut gab es dabei auch mehr Jobs mit voller Sozialversicherungspflicht.

Auf ein Rekordniveau kletterte Ende 2015 auch die Nachfrage nach Beschäftigten. Im Dezember gab es in deutschen Betrieben und Behörden so viele freie Stellen wie selten zuvor, berichtet die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Montag bei der Veröffentlichung ihres Stellenindex BA-X. Der Indikator kletterte um einen Punkt auf 206 Zähler - den höchsten Wert seit der Einführung des Stellenbarometers 2004. Ihre Dezember-Arbeitslosenzahlen veröffentlicht die BA am Dienstag.

Zugang für Flüchtlinge auf dem Arbeitsmarkt

Schule

Der Schulbesuch ist für Kinder von Asylsuchenden und Geduldeten Pflicht.

Beschäftigung

Für die Aufnahme einer „normalen“ Beschäftigung gilt für alle Asylantragsteller ohne Ausnahme eine Wartefrist von drei Monaten. Danach bedarf es dafür in der Regel einer Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit. Diese ist davon abhängig, ob für einen Arbeitsplatz nicht deutsche Arbeitnehmer oder ihnen gleichgestellte Ausländer zur Verfügung stehen (Vorrangprüfung). Zudem prüft die Agentur, ob der Asylbewerber nicht zu ungünstigeren Konditionen – wie einem niedrigeren Lohn oder einer längeren Arbeitszeit - als sonst üblich beschäftigt werden sollen (Vergleichbarkeitsprüfung). Denn eine Aushöhlung der hier geltenden Arbeitsbedingungen soll es nicht geben.

Anerkannte Flüchtlinge dürfen ohne Vorrangprüfung jede Beschäftigung aufnehmen. Die Vorrangprüfung entfällt ansonsten auch für Asylsuchende und Geduldete nach 15 Monaten Aufenthalt. Verzichtet wird darauf außerdem wenn es um Hochqualifizierte geht, um Tätigkeiten im Bundesfreiwilligendienst oder um Mangelberufe.

Status

Eine zentrale Rolle spielt der Status, den ein Asylbewerber hat. Mit seiner Antragstellung erhält er in Deutschland zunächst eine „Aufenthaltsgestattung“ für die Dauer des Verfahrens. Wird sein Asylantrag anerkannt, wird aus dieser Gestattung eine „Aufenthaltserlaubnis“. Wird der Antrag abgelehnt, müsste der Betroffene eigentlich ausreisen. Stehen dem allerdings wichtige Gründe entgegen, erhält er eine „Duldung“ – der Asylbewerber bleibt aber grundsätzlich ausreisepflichtig.

In der Aufenthaltserlaubnis, der Aufenthaltsgestattung oder Duldung ist durch eine Nebenbestimmung von der Ausländerbehörde vermerkt, ob der Betreffende in Deutschland arbeiten darf. Dabei gibt es im Grundsatz drei Kategorien: unbeschränkte Erlaubnis zur Aufnahme einer Arbeit, Beschäftigung nur mit Genehmigung der Ausländerbehörde und Untersagung der Beschäftigung (etwa bei einer kurzfristig drohenden Abschiebung).

Ausbildungsabschluss

Aufenthaltserlaubnis, Aufenthaltsgestattung und Duldung werden nur befristet erteilt. Ist ein Asylbewerber anerkannt oder hat er einen vergleichbaren Schutzstatus, kann er eine Ausbildung ohne große Probleme beginnen und abschließen. Auch bei einer Aufenthaltsgestattung kann er davon ausgehen, seine Lehre ordnungsgemäß abschließen zu können. Doch auch Azubis aus dem Ausland, die lediglich geduldet werden, können - sofern sie vor Vollendung des 21. Lebensjahres die Ausbildung aufgenommen haben – über eine Verlängerungen der Duldung ihre Lehre abschließen. Ausgenommen davon sind allerdings Menschen aus sicheren Herkunftsländer wie den Balkanstaaten.

Weiterbeschäftigung

Nach dem Abschluss einer Ausbildung kann Geduldeten eine befristete Aufenthaltserlaubnis mit der Perspektive eines Daueraufenthalts ermöglicht werden. Voraussetzung ist, dass sie eine ihrem Abschluss entsprechende und für ihren Lebensunterhalt ausreichend bezahlte Stelle finden.

Perspektive

Eine gute Perspektive auf einen langfristigen oder gar dauerhaften Aufenthalt mit entsprechender Berufstätigkeit haben derzeit Menschen aus Ländern wie Syrien, Irak, Iran und Eritrea. Asylbewerbern und Geduldeten aus diesen Ländern werde derzeit „zu einem hohen Anteil ein Schutzstatus zuerkannt“, begründen dies das Bundesinnenministerium und der Handwerksverband ZDH in einer gemeinsamen Informationsschrift vom November.

Nach BA-Angaben erweist sich derzeit insbesondere die personalintensive Betreuung von Flüchtlingen als Jobmotor. So verzeichneten die Arbeitsagenturen zuletzt eine starke Nachfrage nach Wach- und Sicherheitspersonal, sozialen Fachkräften und Verwaltungsmitarbeitern. „Dieser Zuwachs dürfte vor allem mit dem hohen Bedarf an Arbeitskräften im Umfeld des Flüchtlingsmanagements zusammenhängen“, urteilte die Bundesagentur.

Bei der Arbeitslosenzahl rechnen Experten derweil für den Dezember mit einem etwas kräftigeren Anstieg. Mit 2,7 Millionen seien zum Jahresende rund 70 000 mehr Männer und Frauen ohne Arbeit gewesen als im November, berichteten Volkswirte deutscher Großbanken in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. Die Fachleute berufen sich dabei auf eigene Berechnungen.

„Die Situation schaut weiter gut aus“, erklärte BayernLB-Volkswirt Stefan Kipar. Dass es im Dezember wieder mehr Arbeitslose gebe, hat nach Ansicht der Experten vor allem saisonale Gründe. So verlieren Mitarbeiter in Gastronomie, Landwirtschaft, Gärtnereien und Landschaftsbau in der kalten Jahreszeit häufig ihre Stelle.

Gemischt fällt dagegen der Ausblick der Ökonomen für 2016 aus. Sie erwarten zwischen 40 000 und 100 000 mehr Arbeitslose im Jahresdurchschnitt. Hauptursache: die erwartete wachsende Zahl arbeitsloser Flüchtlinge.

Von

dpa

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