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17.11.2015

18:14 Uhr

Arbeitsmarkt

So viele Erwerbstätige wie noch nie

Rund 43,2 Millionen Menschen arbeiten in Deutschland. Vor allem der Dienstleistungsbereich boomt. Experten rechnen wegen der Flüchtlinge mit einem weiteren Anstieg der Erwerbstätigkeit, aber auch mit mehr Arbeitslosen.

In Deutschland sind so viele Menschen Erwerbstätig, wie noch nie. dpa

Boom am Arbeitsmarkt geht weiter

In Deutschland sind so viele Menschen Erwerbstätig, wie noch nie.

WiesbadenDer Boom am Arbeitsmarkt geht weiter und gewinnt noch an Tempo. Die Zahl der Erwerbstätigen stieg im dritten Quartal auf einen neuen Höchststand seit der Wiedervereinigung, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mitteilte. Durch den Flüchtlingszustrom wird die Erwerbstätigkeit Experten zufolge mittelfristig weiter zulegen. Zugleich dürfte aber auch die Arbeitslosigkeit bei wohl insgesamt mehr Einwohnern steigen.

Nach vorläufigen Zahlen gab es im Zeitraum Juli bis September rund 43,2 Millionen Erwerbstätige mit Arbeitsort in Deutschland, das waren 343.000 Personen oder 0,8 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Im ersten und zweiten Vierteljahr hatten die Zuwachsraten mit 0,7 und 0,6 Prozent etwas niedriger gelegen.

Gegenüber dem zweiten Vierteljahr stieg die Erwerbstätigkeit um 0,7 Prozent - und damit überdurchschnittlich stark, wie die Wiesbadener Behörde berichtete. Den stärksten Anstieg verzeichnete binnen Jahresfrist der Dienstleistungsbereich. Im Baugewerbe sank die Zahl der Erwerbstätigen dagegen leicht, in der Land- und Forstwirtschaft sowie der Fischerei ging sie stärker zurück.

Vor dem Hintergrund der Flüchtlingskrise dürfte die Zahl der Arbeitslosen 2018 die Drei-Millionen-Schwelle überschreiten. Sie werde wohl 2017 bei 2,94 und im Jahr darauf bei 3,02 Millionen liegen, wie aus dem Rentenversicherungsbericht hervorgeht, der der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vorlag. Der Bericht sollte an diesem Mittwoch im Bundeskabinett beraten werden. Die Zeitungen der Funke Mediengruppe hatten zuerst darüber berichtet.

2019 soll die Arbeitslosenzahl demnach sogar auf knapp 3,11 Millionen steigen. Die Schätzung geht auf den interministeriellen Arbeitskreis Gesamtwirtschaftliche Vorausschätzung zurück, der auch die erhöhte Zuwanderung berücksichtigte. Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) hatte bereits mehrfach gesagt, dass aufgrund der vielen Flüchtlinge mit einer zunehmenden Arbeitslosigkeit in Deutschland zu rechnen sei.

Fünf Gründe für Deutschlands Aufschwung

Starker Konsum

Weil Sparen sich wegen der Mini-Zinsen nicht lohnt, tragen die Verbraucher ihr Geld in die Geschäfte oder reisen viel. Löhne und Gehälter steigen zudem weiter kräftig.

Billiges Öl

Der Rückgang der Rohölpreise um nahezu die Hälfte seit dem Sommer 2014 entlastet Unternehmen und Verbraucher. Dies wirkt wie ein kostenloses Konjunkturprogramm.

Schwacher Euro

Die Exporteure jubeln, weil der im Verhältnis zum US-Dollar extrem schwache Euro Ausfuhren außerhalb des Euroraums günstiger macht.

Boom in den USA

Die US-Wirtschaft brummt – und die Amerikaner schätzen Waren „made in Germany“, gerade Luxusautos und Maschinen.

Job-Motor

Auf dem Arbeitsmarkt jagt ein Beschäftigungsrekord den nächsten. Bald dürften über 43 Millionen Deutsche erwerbstätig sein – das gibt Sicherheit und stützt den Aufschwung.

Nach Einschätzung der „Wirtschaftsweisen“ dürfte zugleich die Zahl der Erwerbstätigen wegen des Flüchtlingszustroms mittelfristig steigen. Im günstigen Fall ergebe sich bis 2020 aufgrund der Arbeitsaufnahme anerkannter Flüchtlinge ein positiver Effekt auf die Erwerbstätigkeit von bis zu 500.000 Personen.

Im ungünstigen Fall sei er nur halb so groß. Dem stünden bis zum Jahr 2020 etwa 300.000 bis 350.000 arbeitslose anerkannte Flüchtlinge gegenüber, hatte der Sachverständigenrat bei der Vorlage seines Jahresgutachtens vergangene Woche erklärt.

Das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) rechnete zuletzt für dieses Jahr mit 324.000 Asylbewerbern im erwerbsfähigen Alter, im Jahr 2016 mit 610.000.

Die Forscher unterstellen dabei für beide Jahre einen Zustrom von jeweils einer Million Flüchtlingen. Da viele von ihnen sich schon wegen der fehlenden Deutschkenntnisse erst einmal arbeitslos melden werden, geht das IAB für 2016 von einem Anstieg der Arbeitslosigkeit um 130.000 aus.

Von

dpa

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