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29.05.2015

12:44 Uhr

Arbeitsmarkt

Wenn blühende Landschaften veröden

VonFrank Specht

Ukraine-Krise, Griechenland-Pleite oder doch der Niedrigzins? Nichts da: Das größte Wohlstandsrisiko – vor allem für Ostdeutschland – lauert ganz woanders, zeigt eine neue Studie der Boston Consulting Group.

Aufschwung Ost? Nicht nur dieser Schriftzug an einer Wand in Magdeburg droht zu verwittern. dpa

Gemeinschaftswerk Aufschwung Ost

Aufschwung Ost? Nicht nur dieser Schriftzug an einer Wand in Magdeburg droht zu verwittern.

BerlinBlühende Landschaften in Ostdeutschland? Helmut Kohl hatte eine prosperierende Wirtschaft im Blick, als er 1990 die Perspektiven der deutschen Wiedervereinigung ausmalte. Doch die blühenden Landschaften könnten auch wörtlich zu verstehen sein: In der Natur blüht es zwar, doch die Wirtschaft liegt darnieder.

In einer neuen Studie warnt jetzt die Boston Consulting Group (BCG) vor einer weiteren Verödung ländlicher Gebiete, der Abwanderung von Betrieben und schrumpfenden lokalen Märkten in Ostdeutschland. Grund ist der sich abzeichnende dramatische Arbeitskräftemangel, der die neuen Länder besonders hart treffen wird. „Den Verlust von bis zu einem Fünftel der Arbeitskräfte werden diese Regionen kaum verkraften, ohne in ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit erheblichen Schaden zu nehmen“, warnt Rainer Strack, Seniorpartner bei BCG und Mitautor der Studie.

Die Management- und Strategieberatung hat den künftigen Bedarf in Deutschland in vier Szenarien simuliert. Ergebnis: Im Jahr 2030 könnten zwischen 5,8 und 7,7 Millionen Arbeitskräfte fehlen. In Folge dessen droht Deutschland ein Verlust an Wirtschaftsleistung in Höhe von bis zu 550 Milliarden Euro.

Mindestlohn zeigt Wirkung: Tariflöhne zu Jahresbeginn deutlich gestiegen

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Zu Jahresbeginn sind die Tariflöhne in Deutschland kräftig gestiegen, im Durschnitt legten die Gehälter um 2,7 Prozent zu. Der Mindestlohn sorgt vor allem im Gastgewerbe für ein deutliches Plus.

Als entscheidenden Indikator für den Wohlstand legen die BCG-Berater das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf zugrunde. Soll es weiter durchschnittlich um 1,3 Prozent pro Jahr steigen, so wie in den zehn Jahren von 2004 bis 2013, ergibt sich – unter Fortschreibung der in der Dekade erreichten Produktivitätssteigerung – für das Jahr 2030 ein Bedarf an 47,7 Millionen Arbeitskräften.

Selbst bei einer steigenden Erwerbsquote von Älteren oder Frauen und einem Wanderungssaldo von 200.000 Personen, wovon die Autoren in ihrem Basisszenario ausgehen, tut sich angesichts der demografischen Entwicklung bis dahin eine Lücke von 6,1 Millionen Arbeitskräften auf. Sollte die Erwerbsquote dagegen auf dem heutigen Stand verharren, fehlen in 15 Jahren in Deutschland sogar 7,7 Millionen Arbeitskräfte.

Kommentare (3)

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Herr Hans Mayer

29.05.2015, 14:15 Uhr

Ruhig bleiben, die Facharbeiter kommen ja schon ,wenn auch noch zu schleppend, aber unsere Marine will es beschleunigen. Der BDi und die anderen Arbeitgeberverbände stehen schon in Lampedusa mit Arbeitsverträgen bereit.
Die Bereicherung wird uns aus der Misere helfen,wir werden "Goldenen Zeiten" entgegengehen, aber wir müßen die Menschen auch erstmal Willkommen heißen.
Irgendwann fangen die dann vielleicht an zu arbeiten, so wie die 1,4 Millionen Türken die hier dauerhaft von Sozialleistun gen leben.

Account gelöscht!

29.05.2015, 14:20 Uhr

"Wenn blühende Landschaften veröden"

Konsequentes Handeln ist erforderlich, machen wir den größten Teil Mitteldeutschland mit Teilen von Niedersachsen, Polen und Tschechien zu einem großen Naturpark, wo sich Bär, Elch, Wisent, Luchs und Wolf fast ungestört eine “Gute Nacht“ wünschen könnten. Das wäre doch auch schön für die Politiker in Berlin, so schön im Grünen leben und arbeiten zu können. Die betroffenen Dörfler und Kleinstädter im Osten müssten mit finanziellen Anreizen einerseits und Druck andererseits zur freiwilligen Umsiedlung in die westlichen und verbliebenen östlichen “Kompetenzzentren“ und Arbeitsregionen verstärkt verführt werden, wo sie dann mal lernen müssten mit Volk aus aller Welt um den Arbeitsplatz und Karriere konkurrieren zu müssen. Eine Konzentrierung von Wirtschaft und Produktionsstätten würde durch die Effektivitätssteigerungen den Schaden sicherlich weiter minimieren können. Diesen touristischen “Naturpark“ machen wir dann innerhalb deutscher Grenzen, dann zu einem von der Bundesregierung verwalteten Bundesterritorium “Blühende Landschaften“, das würde gravierend auch noch Kosten sparen. Nebeneffekt, der Solidaritätszuschlag könnte komplett nach Berlin, Griechenland und oder Ukraine, zum Krieg führen, abgeführt werden.

Sicherlich ein pragmatischer Vorschlag der nicht ganz seriös gemeint ist und sehr vielen auch gar nicht schmecken dürfte!

Herr R. Jacobs

29.05.2015, 15:31 Uhr

Also da ist viel Raum um zb die orthodoxen Christen aus Libyen und Syrien auf zu nehmen und auch afrikanische Flüchtlinge. Sozial und wirtschaftlich grossartig und dann bekommen wir dazu noch Euro 6000 pro Kopf!!

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