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25.07.2013

14:10 Uhr

Arbeitsmarktbericht

Deutschland hat mehr Niedriglöhner als Zypern und Bulgarien

Deutschland ist Europameister der Billiglöhner. Anteilsmäßig jobben in der Bundesrepublik sogar mehr Menschen als im Krisenstaat Zypern. Von den Jobs profitieren die Arbeiter auch weiterhin nicht wirklich.

Für viele ist der Billiglohn kein Einstieg in den Arbeitsmarkt, sondern ein Dauerzustand. dpa

Für viele ist der Billiglohn kein Einstieg in den Arbeitsmarkt, sondern ein Dauerzustand.

BerlinFast jeder vierte Beschäftigte arbeitet in Deutschland für einen Niedriglohn von weniger als 9,54 Euro pro Stunde. Ihr Anteil an allen Beschäftigten war im Jahr 2010 mit 24,1 Prozent so groß wie in kaum einem anderen Staat der Europäischen Union (EU). Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in einer am Donnerstag veröffentlichten Studie. Unter den 7,1 Millionen Beziehern von Niedriglöhnen hierzulande sind Geringqualifierte fast die Ausnahme: Mehr als 80 Prozent der Geringverdiener in Deutschland hätten eine abgeschlossene Berufsausbildung. Besonders hoch sei der Anteil der Niedriglöhner bei Frauen und Teilzeitbeschäftigten.

Von den 17 untersuchten EU-Staaten weist demnach nur Litauen eine noch größere Lohnungleichheit als Deutschland auf. Zypern und Bulgarien stehen besser da. Am geringsten ist die Niedriglohnquote mit rund zehn Prozent in Dänemark.

Die Niedriglohnschwelle ist dabei in jedem Land unterschiedlich hoch: Sie reicht von 1,08 Euro in Bulgarien bis 15,80 Euro in Dänemark. Als Niedriglöhner gilt, wer weniger als zwei Drittel des nationalen mittleren Lohns verdient. Der nationale mittlere Lohn wird so ermittelt, dass die eine Hälfte aller Beschäftigten mehr und die andere Hälfte weniger verdient.

Kein Beleg für Beschäftigungsgewinn durch Niedriglohn

Seit Mitte der 90er Jahre seien die Zahl der Beschäftigten im Niedriglohnsektor und ihr Anteil an der Gesamtbeschäftigung in Deutschland deutlich gestiegen, heißt es in der Analyse des Forschungsinstituts der Bundesagentur für Arbeit (BA).

Für das oft vorgebrachte Argument, mehr Niedriglohnsjobs sorgten für höhere Beschäftigung, weil auch Arbeitskräfte mit Handicaps eher eine Chance bekämen, fand der Autor Thomas Rhein keinen Beleg. Im Gegenteil, die Erwerbstätigenquote gehe mit wachsendem Niedriglohnsektor sogar leicht zurück. "Dies würde dafür sprechen, dass eine erhöhte Lohnspreizung keine zwingende Voraussetzung für dauerhafte Erfolge am Arbeitsmarkt ist", erklärte IAB-Experte Rhein.

Kommentare (28)

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25.07.2013, 14:41 Uhr

Klar, das ist nur schon seit Jahrzehnten bekannt! Aber wenn die Konzern-und Finanzlobby im Bundestag regiert sieht das Ergebnis so aus!

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25.07.2013, 14:48 Uhr

@hellboy: Und was ist eine Alternative? Hoch-Lohn-Gewerkschafts-35h-Woche-5.000EUR-VW-Minijob-Westdeutsche-Glückseligkeit der 80er und 90er Jahre?

lol

Herzlich Willkommen im irdischen Jammertal, liebes Deutschland.
Es gibt immer nur 1,0 Kuchen zu verteilen.
Die vollends verblödete, Facebook-I-like-It, moderne Hilfe-mein-smartPhone-geht-gerade-nicht Generation wartet auf Wohlstand 2.0

Viel Spaß dabei.

Account gelöscht!

25.07.2013, 14:50 Uhr

Pardon, im Übereifer vertippt: 5.000 D-Mark Jobs meinte ich natürlich

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