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23.04.2011

12:35 Uhr

Arbeitsmarktöffnung

Bundesagentur erwartet 140.000 Zuwanderer jährlich

Die Bundesagentur für Arbeit rechnet zum 1. Mai mit einem Zustrom von 140.000 Zuwanderern aus Osteuropa pro Jahr. Arbeitgeber hoffen auf gut ausgebildete Arbeitskräfte, Gewerkschaften fordern einen Mindestlohn.

BA-Präsident Weise: In Grenzregionen zu Polen, Tschechien und Slowenien werden deutsche Arbeitnehmer sich auf schärferen Wettbewerb einstellen müssen. Quelle: dapd

BA-Präsident Weise: In Grenzregionen zu Polen, Tschechien und Slowenien werden deutsche Arbeitnehmer sich auf schärferen Wettbewerb einstellen müssen.

BerlinAb Mai können Bürger aus acht osteuropäischen Staaten ebenso selbstverständlich einen Job in Deutschland annehmen wie Franzosen oder Spanier. Dabei handelt es sich um Estland, Lettland, Litauen, Polen, Tschechien, die Slowakei, Ungarn und Slowenien. Bisher brauchten sie eine Arbeitserlaubnis der Bundesagentur für Arbeit (BA), um in Deutschland einem Job nachzugehen. Spätestens zum 1. Januar 2014 werden die Beschränkungen auch für Bulgarien und Rumänien wegfallen, die der EU erst 2007 beigetreten sind.

Die Bundesagentur für Arbeit rechnet mit der Öffnung des deutschen Arbeitsmarkts zum 1. Mai mit einem Zustrom von 140.000 Zuwanderern aus Osteuropa pro Jahr. „In Grenzregionen zu Polen, Tschechien und Slowenien werden deutsche Arbeitnehmer sich auf schärferen Wettbewerb einstellen müssen“, sagte Frank-Jürgen Weise, Chef der Bundesagentur für Arbeit, der „Rheinischen Post“. Vor allem in der Zeitarbeit werde der Druck auf die Löhne steigen. „Zeitarbeitsfirmen aus dem Baltikum stehen bereits in den Startlöchern.“

Arbeitgeber sehen Zuwanderung positiv

Gleichwohl sieht der BA-Chef die Zuwanderungswelle positiv: Es kämen weniger Zuwanderer, als Deutschland angesichts des deutschen Fachkräftemangels benötige. „Deutschland ist weniger attraktiv, als viele glauben. Junge, gut ausbildete Osteuropäer gehen oft lieber nach England, wo sie auch geringere Sprachprobleme haben“, so Weise.

Auch Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt verwies darauf, dass sich die Arbeitnehmerfreizügigkeit insbesondere angesichts des drohenden Fachkräftemangels positiv auswirken könnte. Vor allem in gewerblich-technischen Berufen würden händeringend Fachkräfte gesucht. Gleiches gelte für Ingenieure und Pflegefachkräfte. Der Arbeitgeberpräsident warb daher für Offenheit gegenüber ausländischen Arbeitskräften. „Die bei uns dringend benötigten Fachkräfte müssen das Signal bekommen, dass sie hier tatsächlich erwünscht sind“, sagte er.

Auf gut ausgebildete Arbeitskräfte hofft auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Die Öffnung des deutschen Arbeitsmarktes biete Unternehmen „gerade vor dem Hintergrund zunehmender Fachkräfteengpässe“ die Gelegenheit, gut qualifiziertes Personal zu finden, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben.

Verdi befürchtet Abwärtsspirale bei den Löhnen

Skeptiker rechnen hingegen mit negativen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. „Ich befürchte, dass viele Zuwanderer bereit sein werden, zu niedrigeren Löhnen zu arbeiten, als sie in Deutschland üblich sind“, so Verdi-Chef Frank Bsirske.

Dadurch drohe „ein neuer Wettbewerb, eine Abwärtsspirale, in der Unternehmen, die billigere Arbeitskräfte aus Ost- und Mitteleuropa einsetzen, diejenigen Firmen verdrängen, die bessere Löhne zahlen und sozialere Arbeitsbedingungen gewähren“.

Auch Linken-Fraktionschef Gregor Gysi warnte vor Niedriglöhnen: „Ich befürchte als Folge, dass hier wieder Polen und andere Osteuropäer zu Billigstlöhnen arbeiten“, sagte er. Er habe nichts dagegen, dass polnische Arbeitnehmer hier beschäftigt würden. Dies müsse aber wenigstens zu einem flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn passieren.

Kommentare (34)

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WFriedrich

23.04.2011, 10:59 Uhr

Die Neuzuwanderung von Osteuropäern ist über Jahrhunderte Normalität gewesen. Die Siedelung von Ost nach West und umgekehrt war beste europäische Tradition. Mit der Herausbildung der Nationalstaaten wurde sie beendet. Nun hat der BDI sich auf diese völkerverbindenden Tradition zurück besonnen. Eigentlich hätten wir alle das viel früher tun sollen: als Lehre aus zwei furchtbaren Weltkriegen. Statt dessen ereifern sich dagegen jetzt Gruppen, die unlängst als vehemente Sarrazin-Kritiker auftraten. Das ist Politik die stinkt.

DonSarkasmo

23.04.2011, 11:01 Uhr

Diese Lumpen wollen billigste Arbeitssklaven, so wie sich in Wien der Markt für "Liebesarbeiterinnen" durch den Massenandrang von Damen aus dem Osten völlig verändert hat. Die armen Mädels müssen für ein paar lausige Euro wirklich alles mit sich machen lassen. Das wird eine schöne neue Welt, verflucht nochmal !!!!!!

Thomas-Melber-Stuttgart

23.04.2011, 11:26 Uhr

Und wie lange werde diese Fachkräfte gebraucht? Wer zahlt für deren Unterhalt bein nächsten Abschwung, oder kehren sie wieder zurück? Sprechen diese Kräfte deutsch?

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