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30.01.2011

11:58 Uhr

Arbeitsmarktprogramme

BA-Chef Weise verteidigt boomende Zeitarbeit

Der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, hat die Zeitarbeit gegen Kritik verteidigt. Zugleich kündigte er eine Überprüfung aller Arbeitsmarktprogramme an.

Weise will auch die Vermittlungsaktivitäten im Mittelstand verbessern. dpa

Weise will auch die Vermittlungsaktivitäten im Mittelstand verbessern.

HB BERLIN. Dass sich bei der Zahl der Leiharbeiter 2011 ein neuer Höchststand abzeichne, finde er grundsätzlich gut, sagte er dem Magazin "Wirtschaftswoche". Der Anteil der Zeitarbeit an den Arbeitsstunden in Deutschland liege nur bei etwa 2,5 Prozent. "Damit liegen wir im EU-Vergleich im hinteren Bereich", sagte Weise.

Problematisch werde die Sache, wenn Zeitarbeit nicht dem Ausgleich von Kapazitätsspitzen diene, sondern normale Arbeitsverhältnisse ersetze. "Von diesem Zustand sind wir aber noch weit entfernt." Weise wies damit Vorwürfe von SPD und Gewerkschaften zurück. Diese beklagen zunehmenden Missbrauch mit der boomenden Leiharbeit und dringen bei der Bezahlung auf Gleichstellung mit den Stammbeschäftigten.

Zudem sei der so genannte Klebeffekt höher als angenommen. Bisher gehen Untersuchungen davon aus, dass sieben bis zehn Prozent der Leiharbeitnehmer in den Betrieben, in die sie entsandt werden, eine Festanstellung bekommen. Der BA-Chef geht von deutlich mehr aus.

Kurz vor Veröffentlichung der neuen Arbeitsmarktdaten warnte er vor zu optimistischen Prognosen. "Wenn ich lese, was derzeit so alles über den Arbeitsmarkt geschrieben wird, muss ich auf die Euphoriebremse treten." Langfristig hält Weise weniger als zwei Millionen Erwerbslose für unrealistisch. Dazu trage nicht zuletzt der Strukturwandel mit Insolvenzen und Wanderungsbewegungen bei.

Weise kündigte in diesem Zusammenhang eine Überprüfung aller Arbeitsmarktprogramme an. Derzeit führe nur etwa jede zweite Maßnahme dazu, dass ein Arbeitsloser anschließend eine Beschäftigung findet, sagte Weise. Diesen Wert wolle die BA auf 70 Prozent steigern. Gleichzeitig wolle die Behörde ihre Vermittlungsaktivitäten im Mittelstand verbessern. Die Kritik vieler Unternehmen, die Arbeitsagenturen schickten ihnen häufig unpassende Bewerber, könne er nachvollziehen, sagte Weise. "Gerade im Handwerk sind wir zu wenig präsent. Da ist noch viel Potenzial."

Kommentare (12)

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Morchel

30.01.2011, 13:16 Uhr

@ Zeitarbeit. Warum mus sie verteidigt werden, hat sie keine Perspektive in den Augen der betroffenen ? Zu recht ist Zeitarbeit iNHUMAN,zu recht ist der begriff Tagelöhner/Sklaverei in Deutschland berechtigt. Allein die Praxis zeigt auf wie viele verlorene Generationen sie hervorbringt. ich vordere Sie auf realistisch zu bleiben. ihr schreit nach Fachkräften die aber da sind,ihr schreit nach gutauszuplündernde Areitnehmer zum verheizen und besitzt die Frechheit zu verkünden ältere Arbeitnehmer werden verstärkt gesucht und eingestellt. Ein junger Mensch der nicht einmal Ausbildung bekommt setzt ihr auf Harz 4 nur um den Druck auf die Fachkräfte aufrecht zu erhalten.Man braucht sich nur im Volk zu unterhalten da stellt man sehr schnell die Kluft zwische Arbeitsamtstatistik und Realität kennen,verlogener gehts nicht. Der Genosse Honnecker hatte eine Wahlbeteiligung vo 98,888888 % wo ist der hin, Vielleicht Davos zu höheren berufen. Warum ist die Gruppe der Nichtwähler die Grösste in der bRD ?

Menschenhandel

30.01.2011, 13:22 Uhr

Weise: "Von diesem Zustand sind wir aber noch weit entfernt."
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iss klar Herr Weise, EU-Ost-Arbeitnehmerfreizügigkeit ab dem 1. Mai 2011 läßt schonmal grüßen!
Der 1. Mai 2011 wird in der branche der Zeitarbeit mit Spannung erwartet. Ab diesem Tag steht der deutsche Arbeitsmarkt auch Arbeitnehmern aus dem europäischen Ausland offen.
Eine massive Zuwanderung von Nicht- oder geringqualifizierte Arbeitskräften könnte zu Verwerfungen auf dem Arbeitsmarkt führen. Ebenso wird befürchtet, dass Zeitarbeitsunternehmen aus den neuen EU-Mitgliedsstaaten auf dem deutschen Arbeitsmarkt in großem Maße aktiv werden und aufgrund ihrer niedrigeren Löhne und Lebenserhaltungskosten in ihren Heimatstaaten, zu einer ernsthaften Konkurrenz der ansässigen Personaldienstleister werden.
Darüber hinaus drohe nach Ansicht von Kritikern der Zeitarbeitsbranche in Deutschland ein größer werdender imageschaden durch die "billigkonkurrenz" aus den europäischen Nachbarländern.
Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, alles andere ist eine Sauerei und kann nicht länger von Arbeitnehmerseite toleriert werden.
Man bringt uns durch die Leiharbeit um den gerechten Lohn unserer verkauften Arbeitskraft.
Die Arbeitskraft, das einzige Kapital, das Arbeitnehmer zum Einkommenserwerb verkaufen können.
Herr Weise, erklären Sie mir den Unterschied zwischen Leiharbeit und Zuhälterei?
Was sind eigentlich geringqualifizierte Arbeitnehmer?
bei der Leiharbeit fallen darunter selbst Personen mit abgeschlossener berufsausbildung, warum, was hat das mit Geringqualifizierung zu tun?
Diese Personen haben eine abgeschlossene Schul- und berufsausbildung.
Sind mittlerweile alle ohne Abitur und Studium geringqualifiziert?
ihr Personaler tickt doch alle nicht mehr richtig!

Hirte

30.01.2011, 13:48 Uhr

Zeit-/Leiharbeit muss teuerer sein, als die Normalarbeit, damit die Arbeitgeber diese nur in begründeten Situationen nutzen und nicht auf Dauer!
Die Wirtschaft denkt natürlich nur in Richtung Gewinnmaximierung. Traurig, dass Herr Weise und die Politik dies geflissentlich übersehen.
Lobbyarbeit macht sich eben auch in der bA bezahlt!

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