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22.01.2015

15:04 Uhr

Arbeitswillige Flüchtlinge

Bürokratie behindert junge Migranten

Es leben mehrere Zehntausend gut ausgebildete Flüchtlinge in Deutschland, doch noch immer können viele nicht arbeiten oder ins Arbeitsleben starten. Denn viele Arbeitsämter wissen nicht um die Rechte der Flüchtlinge.

Die Pegida-Bewegung oder Ableger wie hier in Köln werfen Flüchtlingen oft vor, dass sie das deutsche Sozialsystem ausnutzten. Eine Studie zeigt: Viele junge Menschen werden von der Bürokratie ausgebremst. dpa

Die Pegida-Bewegung oder Ableger wie hier in Köln werfen Flüchtlingen oft vor, dass sie das deutsche Sozialsystem ausnutzten. Eine Studie zeigt: Viele junge Menschen werden von der Bürokratie ausgebremst.

NürnbergDie Berufsausbildung junger Flüchtlinge scheitert nach Erkenntnissen von Arbeitsmarktforschern trotz verbesserter Gesetze immer noch an Hürden in vielen Behörden. Auch herrsche etwa bei Arbeitsagenturen oft Unkenntnis darüber, dass selbst geduldete junge Flüchtlinge seit 2009 unter erleichterten Bedingungen eine Lehre beginnen könnten. Dabei seien unter ihnen viele junge Leute, die als ausgebildete Fachkräfte gute Chancen auf dem deutschen Arbeitsmarkt hätten, urteilte das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in einer am Donnerstag veröffentlichten Studie.

Zwischen 2009 und Juni 2013 hätten bei den Arbeitsagenturen nur einige hundert Flüchtlinge Anträge auf eine Ausbildung gestellt, berichtet die Denkfabrik der Bundesagentur für Arbeit. Dabei hätten am Jahresende 2013 rund 94.500 geduldete Ausländer in Deutschland gelebt. Mehr als die Hälfte sei jünger als 30 Jahre gewesen, berichtet das IAB.

Die Verteilung von Asylbewerbern auf die Bundesländer

„Königsteiner Schlüssel“

Asylbewerber, die in Deutschland Zuflucht suchen, werden nach dem „Königsteiner Schlüssel“ auf die Bundesländer verteilt und dort untergebracht. Der Verteilerschlüssel richtet sich nach Steuereinnahmen und Bevölkerungszahl der Länder. Das Steueraufkommen wird mit zwei Dritteln, die Bevölkerungszahl mit einem Drittel gewichtet. Der Schlüssel wird von der Gemeinsamen Wirtschaftskonferenz jedes Jahr neu berechnet.

Die meisten Asylbewerber...

...müssen Nordrhein-Westfalen (2014: 21,2 Prozent) und Bayern (15,2 Prozent) aufnehmen. Baden-Württemberg liegt an dritter Stelle (12,9 Prozent). Am niedrigsten sind die Anteile für das Saarland (1,2 Prozent) und Bremen (0,9 Prozent).

Seit 1949

Den „Königsteiner Schlüssel“ an sich gibt es seit 1949: Die Bundesländer einigten sich damals im hessischen Königstein auf einen Schlüssel zur Finanzierung von Forschungseinrichtungen außerhalb der Universitäten. Das Instrument wird inzwischen aber auch für andere Fragen rund um die Lastenverteilung unter den Ländern genutzt.

Seit 2005

Seit Anfang 2005 dient der Schlüssel als Grundlage für Verteilung von Asylbewerbern. Damals zählten die Behörden rund 29.000 Asylanträge in Deutschland, 2014 waren es rund 173.000.

Ein großes Hindernis auf dem Weg zu einer Berufsausbildung sei oft der Umstand, dass junge Flüchtlinge ihre Pässe auf der Flucht vernichteten, um ihre Herkunft zu verschleiern und so eine spätere Abschiebung zu verhindern. Die Beschaffung der Papiere sei oft schwierig. Manche Ausländerbehörden gäben aber erst grünes Licht für die Lehre, wenn alle Dokumente vorlägen. Anderen Ausländerbehörden genüge dagegen, dass die jungen Ausländer sich intensiv um die Papiere bemühten.

Von

dpa

Kommentare (3)

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Herr Wolfgang Trantow

22.01.2015, 15:53 Uhr

Rechte der Flüchtlinge? Sie haben nur Rechte in Ihrer Heimat! Warum weigern Sie sich dort Ihre Rechte zu fordern, ein zu klagen. Ich habe die Arbeitsämter, Argen, Jobcenter nur als deutschfeindlich kennen gelernt! Bei Nachfragen: Verklagen Sie uns gefälligst. Das war reiner Kundendienst für deutsche Arbeitssuchende in Berlin!

Herr Peter Spiegel

22.01.2015, 17:14 Uhr

Denkfabrik der Bundesagentur.
HaHaHaHa................................

Herr Peter Meier

22.01.2015, 17:28 Uhr

Na sowas. Leben nun 10 tausende gut ausgebildete Flüchtlinge in Deutschland oder müssen sie noch ausgebildet werden?
In der Überschrift steht wiedermal etwas völlig Anderes als im Artikel.
Wie soll man das nun nennen? Das Unwort des Jahres mögen die Journalisten ja nicht so richtig.

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