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15.08.2016

12:55 Uhr

Arbeitszeit soll weiter steigen

Bundesbank empfiehlt Rente mit 69

Die Deutschen werden immer älter und bekommen weniger Kinder. Das sorgt für Druck auf die gesetzliche Rentenversicherung. Die Rente mit 67 wird schon umgesetzt. Die Bundesbank will noch einen Schritt weiter gehen.

Die Bundesbank fordert die Politik auf, mit einer Erhöhung des Renteneintrittsalters auf die demografischen Veränderungen in der Gesellschaft zu reagieren. dpa

Arbeiten bis ins hohe Alter

Die Bundesbank fordert die Politik auf, mit einer Erhöhung des Renteneintrittsalters auf die demografischen Veränderungen in der Gesellschaft zu reagieren.

FrankfurtDie Deutschen müssen sich aus Sicht der Bundesbank langfristig auf einen späteren Eintritt in den Ruhestand und deutlich höhere Rentenbeiträge einstellen. In ihrem am Montag vorgelegten Monatsbericht empfiehlt die Notenbank eine Anhebung des Renteneintrittsalters auf 69 Jahre bis 2060. Die günstige Finanzlage der gesetzlichen Rentenversicherung und die bis 2030 reichenden Berechnungen der Bundesregierung dürften nicht darüber hinweg täuschen, dass „weitere Anpassungen unvermeidlich seien“, heißt es in dem Bericht. „Dabei sollte eine längere Lebensarbeitszeit nicht tabuisiert werden.“

Die Bundesregierung hat die Vorschläge der Bundesbank bereits am Montagmittag zurückgewiesen. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte in Berlin: „Die Bundesregierung steht zur Rente mit 67.“ Diese sei vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung sinnvoll. „Diskussionen gibt es immer und manchmal nimmt auch die Bundesbank an solchen Diskussionen teil.“ Aber die Politik dieser Bundesregierung sei, die Rente mit 67 umzusetzen.

Derzeit wird das Renteneintrittsalter schrittweise von 65 auf 67 Jahre angehoben. Die Vorausberechnungen der Bundesregierung bis zum Jahr 2030 sehen zudem vor, den Rentenbeitrag auf maximal 22 Prozent des Bruttoverdiensts der Arbeitnehmer zu begrenzen. Ferner soll das Rentenniveau bis 2030 nicht unter 43 Prozent des Durchschnittslohns sinken (derzeit knapp 48 Prozent).

Die Bundesbank warnt nun, dass sich diese Ziele wegen der steigenden Lebenserwartung und der niedrigen Geburtenrate langfristig nicht halten lassen. Verlängere man die Berechnungen bis 2060 unter gleichen Annahmen, sinke das Rentenniveau auf gut 40 Prozent.

Um dies zu verhindern, müsse am Rentenalter angesetzt werden, folgert die Bundesbank. „Konkret stiege in diesem Fall das gesetzliche Rentenalter bis zum Jahr 2060 auf etwa 69 Jahre“, heißt es in dem Bericht. Mit einer längeren Arbeitszeit lasse sich das Rentenniveau stabilisieren: Die Experten rechnen dann mit einem Rentenniveau von 44 Prozent des Durchschnittslohns. Sie unterstellen dafür, dass Arbeitnehmer von 2030 an 49 Jahre lange Rentenbeiträge zahlen – heute ist die Einzahlzeit auf 45 Jahre begrenzt.

Die Rentenversprechen der Parteien

CDU/CSU

CSU-Chef Horst Seehofer hatte die jüngste Rentendebatte angestoßen mit der Äußerung, dass die Riester-Rente gescheitert sei und die Kürzung des Rentenniveaus die Hälfte der Bevölkerung in die Sozialhilfe führen würde. Doch ist das nicht Unionslinie. Der Unionsmittelstand fordert sogar eine Stärkung der Riester-Rente. Nach allem, was man hört, könnte die Union im Wahlkampf für ein behutsames Nachsteuern beim Rentenniveau eintreten. Das Verhältnis von Einkommen zur Rente soll wohl doch nicht auf 43 Prozent sinken können, so wie derzeit bis 2030 erlaubt. Die Union will wohl auch die Eigenvorsorge stärken. Diskutiert wird, den Bürgern ein Einheitsprodukt anzubieten.

SPD

SPD-Chef Sigmar Gabriel will verhindern, dass die Renten sich zu stark vom Einkommen abkoppeln. Menschen mit kleinem Lohn dürften im Alter nicht reihenweise auf Sozialhilfe angewiesen sein. Im Wert der Rente spiegelt sich für Gabriel auch der Wert der Arbeit. Doch die Reformagenda 2010, die auch die Rente bezahlbar halten sollte, dürfte die SPD nicht komplett zurückdrehen. Die öffentlich geförderte private Zusatzvorsorge abschaffen will die SPD auch nicht. Man will sich aber mehr um das Wohl älterer Arbeitnehmer kümmern.

Linke

Um Renten armutsfest zu gestalten, soll nach dem Willen der Partei das Rentenniveau von heute 48 Prozent wieder auf das Niveau vor den Rentenreformen der vergangenen Jahre steigen - auf 53 Prozent. Niemand dürfe nach 40 Beitragsjahren mit einer Rente über Grundsicherung abgespeist werden.

Grüne

Auch die Grünen wollen, dass die Rente vor Altersarmut schützt. Sie sprechen von einem Rentenniveau von nicht unter 46 Prozent. Geringe Rentenanwartschaften sollen mit einer steuerfinanzierten Garantierente aufgewertet werden. Die rund 2,3 Millionen Selbstständigen ohne obligatorische Alterssicherung sollen verpflichtend in der Rentenversicherung aufgenommen werden.

FDP

Die Liberalen wollen flexiblere Renteneintritte möglich machen und Hinzuverdienstgrenzen neben dem Rentenbezug aufheben. Sie treten dafür ein, bei der Grundsicherung im Alter einen Freibetrag für Einkommen aus privater und betrieblicher Altersvorsorge nicht anzurechnen. FDP-Chef Christian Lindner schlug die Zusammenlegung der Grundsicherung im Alter mit der Rente vor.

AfD

AfD-Parteichef Jörg Meuthen hatte eine Rente nach Schweizer Modell vorgeschlagen – dort gibt es drei Säulen: die gesetzliche Rentenversicherung, eine kapitalgedeckte Arbeitnehmerversicherung und geförderte Anlagen in private Rentenversicherungen.

Dennoch erwarten die Fachleute bis 2060 einen deutlichen Anstieg des Beitragssatzes zur gesetzlichen Rentenversicherung: von derzeit 18,7 Prozent des Durchschnittslohns auf dann knapp 24 Prozent. Denn bis Mitte der 2030er Jahre gingen die geburtenstarken Jahrgänge in Rente, das Verhältnis von Rentnern und Beitragszahlern verschlechtere sich weiter.

Die Bundesbank empfiehlt ferner, die private Altersvorsorge zu vereinfachen und transparenter zu machen, um Versicherten einen besseren Überblick auf ihre gesamten Rentenansprüche zu verschaffen.

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dpa

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