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27.07.2015

11:31 Uhr

Arbeitszeitgesetz

CDU-Politiker fordert Recht auf Homeoffice

VonDietmar Neuerer

Jeder, der will, darf zu Hause arbeiten: Was in den Niederlanden seit Anfang Juli möglich ist, steht in Deutschland nicht zur Debatte. Bis jetzt. In der CDU gibt es nun Sympathie für eine Rechtsanspruch auf Homeoffice.

In den Niederlanden arbeiten schon heute 30 Prozent der Arbeitnehmer von zuhause, während in Deutschland der Anteil gerade einmal bei 12 Prozent liegt. dpa

Arbeiten im Homeoffice.

In den Niederlanden arbeiten schon heute 30 Prozent der Arbeitnehmer von zuhause, während in Deutschland der Anteil gerade einmal bei 12 Prozent liegt.

BerlinDer Bundesvize der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), Christian Bäumler, hat sich dafür ausgesprochen, im deutschen Arbeitszeitgesetz nach niederländischem Vorbild einen Rechtsanspruch auf Homeoffice zu verankern. „In Unternehmen mit mehr als zehn Beschäftigten sollten Arbeitnehmer zu Hause arbeiten können, wenn keine Sicherheitsanforderungen oder zwingende betriebliche Gründe dagegen stehen“, sagte der CDU-Politiker dem Handelsblatt. Die Beweislast, dass die Arbeit zwingend im Büro erledigt werden muss, müsse beim Arbeitgeber liegen.

In den Niederlanden arbeiten schon heute 30 Prozent der Arbeitnehmer von zuhause, während in Deutschland der Anteil gerade einmal bei 12 Prozent liegt. Das könnte auch daran liegen, dass die Heimarbeit hierzulande vom guten Willen der Arbeitgeber abhängt. Verweigert der Arbeitgeber seine Zustimmung, bleibt Betroffenen nur der Gang vor das Arbeitsgericht.

Experten sehen zusätzliche Regelungen aber dennoch skeptisch. Kerstin Jürgens, die an der Universität Kassel  seit Jahren über Vereinbarkeit von Familie und Beruf forscht und auch der Expertenkommission des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales angehört, verweist auf die vielen Betriebsvereinbarungen zum mobilen Arbeiten. Ihrem Eindruck nach seien diese Betriebsvereinbarungen auch im Hinblick auf Möglichkeiten für das sogenannte Homeoffice „größtenteils im Sinne der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerinteressen geregelt“, sagte Jürgens kürzlich im Deutschlandfunk. Insofern stelle sich die Frage, wo dann der Regelungsbedarf bestehen solle.

Homeoffice: 10 Regeln für Arbeitnehmer

Nach Feierabend abschalten

Feierabend, Wochenende, Urlaube und Krankschreibungen gelten auch bei flexiblen Arbeitsplätzen und sollten respektiert werden. Wer keine klaren Grenzen setzt, darf sich nicht wundern, wenn die Kollegen darauf keine Rücksicht nehmen. Mitarbeiter müssen Eigenverantwortung für ihre Zeiteinteilung übernehmen und Überlastung frühzeitig signalisieren.

Eignung prüfen

Nicht jeder eignet sich für flexible Arbeitsmodelle. Mitarbeiter, die diese Möglichkeiten austesten, müssen ehrlich zu sich selbst und ihrem Arbeitgeber sein. Wer sich zu Hause schnell ablenken lässt oder den regelmäßigen Austausch mit Kollegen benötigt, wird sich damit eher schwer tun. Ebenso können beispielsweise persönliche Rahmenbedingungen wie ein lautes Umfeld für unliebsame Störungen sorgen. Dies wirkt sich nicht nur negativ auf die Arbeit, sondern auch auf das eigene Wohlbefinden und die Motivation aus.

Selbstbewusstsein entwickeln

Eine ständige Rufbereitschaft ist nicht nötig und sogar kontraproduktiv. Auch im Home-Office müssen ungestörte Phasen für konzentriertes Arbeiten eingeplant werden, um effektiv Aufgaben zu erledigen. Eine permanente Erreichbarkeit erzeugt nicht nur zusätzlichen Stress, sondern führt durch Ablenkungen auch zu schlechten Ergebnissen. Mitarbeiter im Home-Office müssen deshalb ihre Bedürfnisse klar und offen äußern können.

Verantwortung übernehmen

Jeder Arbeitnehmer im virtuellen Office ist dem Arbeitgeber und seinen Kollegen gegenüber verantwortlich. Flexible Arbeitszeitmodelle entbinden den Mitarbeiter nicht von seinen Aufgaben. Durch eindeutige Zielvorgaben werden Aufgaben klar definiert und für alle Beteiligten messbar.

Klare Ziele setzen

Mitarbeiter, die flexibel oder in Teilzeit arbeiten, werden häufig nicht als Leistungsträger gesehen. Hingegen gelten die ständig anwesenden Kollegen als Top-Performer, die „hart arbeiten“. Um dies zu ändern, muss der flexible Mitarbeiter mehr Durchsetzungswillen und Präsenz gegenüber seinen Vorgesetzen zeigen. Regelmäßige Feedbackgespräche verhindern eine Diskrepanz zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung. Mitarbeiter, die flexibel arbeiten, sollten Maßnahmen zur Weiterbildung einfordern. Oftmals ist hier mehr Nachdruck nötig als bei jemandem, der vor Ort im Büro arbeitet.

Richtig kommunizieren

Eine enge Abstimmung mit Kollegen und Vorgesetzten erleichtert die Kommunikation und sorgt für Verständnis. Wenn für die Kollegen nachvollziehbar ist, wo sich der Kollege gerade aufhält und mit welchen Aufgaben er beschäftigt ist, wächst das Vertrauen. Stundensplittings (z.B. am Nachmittag drei freie Stunden für die Kinder), Mittagspausen und externe Termine sollten daher klar kommuniziert werden. So geht man Missverständnissen und Gerüchten aus dem Weg. Moderne IT kann dabei eine wichtige Hilfestellung sein. Unified Communication-Systeme zeigen an, wann und wie man erreichbar ist

Arbeitsrhythmus definieren

Der Arbeitsrhythmus sollte an die eigene Produktivität und die persönlichen Bedürfnisse angepasst werden, ohne dabei die Prozesse im Team zu missachten. Studien zeigen, dass die Produktivität dann am höchsten ist, wenn zwischen zwei und zweieinhalb Tagen im Home-Office gearbeitet und der Rest der Woche für Tätigkeiten und Abstimmungen im Büro genutzt wird. Auch die eigenen Produktivitätszyklen können bei flexiblen Arbeitsmodellen stärker berücksichtigt werden. So arbeiten manche Menschen früh morgens am besten, andere eher am Abend. Aber das erfordert auch Abstimmung: Die Kollegen müssen wissen, wann man erreichbar ist.

Mit Kollegen austauschen

Networking ist Pflicht: Die virtuelle Präsenz entbindet den Mitarbeiter nicht von seinen Aufgaben als Teammitglied, dazu zählen nicht nur die reinen Jobkriterien, sondern auch die Sozialkompetenz. Der Austausch mit den Kollegen sollte sich nicht nur auf das fachliche beschränken. Freundlichkeit, Offenheit, Aufmerksamkeit, Respekt und Hilfsbereitschaft dienen nicht nur dem eigenen Wohlbefinden, sondern unterstützen das ganze Team. Nur in einem Umfeld aus Miteinander und Vertrauen lassen sich virtuelle Teams erfolgreich umsetzen.

Sorgfältig arbeiten

Bei virtuellen Teams ist Wissensmanagement mit einem eindeutigen Ablagesystem Pflicht. Die systematische Speicherung und Aufbereitung von Wissen erleichtert die Arbeit und die Kommunikation in virtuellen Teams. Der aktuelle Stand von Unterlagen muss zentral – die Cloud macht es möglich – abgelegt werden. Alle relevanten Mitarbeiter brauchen Zugriff auf die Ordner. Diese Systeme sichern die Freizeit, denn nur Kollegen, die Zugriff auf alle Unterlagen haben, können auch bei Bedarf füreinander einspringen.

Sich selbst managen

Flexible Arbeitsmodelle verlangen ein hohes Maß an Selbstorganisation. Wer in flexiblen Arbeitsmodellen arbeitet, muss sich auch zuhause ein produktives Umfeld schaffen (Raum, Technik, Rahmenbedingungen) Um in flexiblen Arbeitsmodellen erfolgreich zu arbeiten, müssen sich Mitarbeiter mit ihren eigenen Stärken und Schwächen auseinandersetzen: Wer gut organisiert und diszipliniert ist, wird in solchen Strukturen bessere Leistungen erzielen.

Der Präsident des Industrie- und Handelskammertages, Eric Schweitzer, hält es dagegen für notwendig, das Arbeitszeitgesetz „ein Stück weit der jetzigen Realität“ anzupassen. Dies solle „nach Augenmaß“ geschehen. Flexiblere Arbeitszeiten ermöglichten auch eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie - unter anderem wenn Mitarbeiter beispielsweise auch von zu Hause arbeiten könnten, betonte Schweitzer.

Das Arbeitszeitgesetz von 1994 begrenzt die zulässige werktägliche Arbeitszeit auf acht Stunden. Die Ausdehnung auf bis zu zehn Stunden ist möglich, wenn der Acht-Stunden-Tag langfristig eingehalten wird.

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales lehnte jedoch Änderungen am Arbeitszeitgesetz ab. Das Ministerium wandte sich insbesondere gegen  die Forderung der Arbeitgeber, den Acht-Stunden-Tag aus dem Arbeitszeitgesetz zu streichen. „Um mehr Spielräume zu schaffen und betriebliche Notwendigkeiten abzubilden, sollte das Arbeitszeitgesetz von einer täglichen auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit umgestellt werden“, heißt es in einem entsprechenden Positionspapier der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände (BDA).

„Eine Änderung des Arbeitszeitgesetzes wie gefordert ist nicht geplant, erklärte das Ministerium. Richtig sei aber, dass Fragen der Arbeitszeitgestaltung zusammen mit vielen anderen Fragen im Rahmen des Dialog-Prozesses „Arbeiten 4.0“ unter anderem mit Wissenschaftlern und Experten diskutiert würden. Ende 2016 werde das Ministerium ein Weißbuch vorlegen. Sollten dann Anpassungen des Gesetzes notwendig sein, würden diese „immer gleichermaßen die Interessen und Schutzbedürfnisse beider Seiten der Sozialpartner im Auge haben und berücksichtigen“.

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