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12.09.2013

07:18 Uhr

ARD-Wahlarena

Igel Peer greift an

VonDésirée Linde

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück kämpft in der ARD-Wahlarena seinen letzten großen Kampf vor der Bundestagswahl. Die meisten Punkte holt er aber erst, als die Kameras ausgeschaltet sind.

Peer Steinbrück in der ARD-Wahlarena: Letzte große Bühne. dpa

Peer Steinbrück in der ARD-Wahlarena: Letzte große Bühne.

MönchengladbachDie Frau meint es gut mit Peer Steinbrück. Warum er sich das mit der Kanzlerschaft denn überhaupt noch antun wolle, in seinem Alter, fragt Heidi Knierim den SPD-Spitzenkandidaten. Seine Antwort bricht das Eis: „Schauen Sie mich an“, sagt Steinbrück nur, breitet die Arme aus und wirkt in der ARD-Wahlkampfarena nach mehr als einer halben Stunde zum ersten Mal souverän und entspannt.

Diese unerwartete, gut gemeinte Frage hatte er nötig, denn der Start in die Live-Sendung am Mittwochabend war rumpelig verlaufen für den Kanzlerkandidaten. Dabei geht es um alles. Er will  die Unentschlossenen erreichen, diejenigen, die die Wahl noch drehen könnten. Die SPD liegt derzeit bei etwa 25 Prozent, CDU/ CSU bei um die 40. Immerhin 3,2 Millionen sahen die erste Wahlarena mit Amtsinhaberin Angela Merkel zwei Tage zuvor. Es ist Steinbrücks letzte große Bühne.

So beliebt sind die Youtube-Kanäle der Parteien

Piratenpartei

5.092 Abonnenten, 365.001 Aufrufe, Beitritt am 13.03.2007.

Persönlichere Ansprache als bei den meisten anderen Parteien. Irgendwie ist der Kanal jung, aber auch nicht ganz so geradeaus, wie man es von den Piraten erwarten würde. Die Partei weiß hingegen die Funktionen und technischen Möglichkeiten ihres YouTube-Kanals besser auszuschöpfen und verwendet zum Beispiel Verweise innerhalb ihrer Videos, die bei anderen Vertretern nicht zu finden sind.

Quelle (Stand: September 2013): Andreas Graap ist Berater für Video-Marketing und Autor des Hangouts On Air Handbuchs.

Linkspartei

4.560 Abonnenten, Aufrufe ausgeblendet, Beitritt ausgeblendet.

In einem sehr emotionalen Interview spricht Gregor Gysi über das Verhältnis zu seinem Freund Lothar Bisky, der am 13. August 2013 – vier Tage vor seinem 72. Geburtstag – gestorben ist. Fragt sich der gemeine YouTube-Nutzer da vielleicht: Sehr authentisch, aber wer ist eigentlich Lothar Bisky?

Grüne

4000 Abonnenten, 3.031.025 Aufrufe, Beitritt am 25.05.2006.

Die Grünen wissen Inhalte im Kanal Grün verständlich zu vermitteln und geben sich mit reiner Polit-Werbung nicht zufrieden. Erkennbar im Vordergrund steht hier aber so keiner. Stattdessen geht's hier satirisch zu. Die Grünen vergleichen in ihrem Werbespot „Neues aus dem schwarz-gelben Tierreich“ Regierungsvertreter mit Weinbergschnecken.

SPD

4.040 Abonnenten, 2.539.362 Aufrufe, Beitritt am 17.10.2007.

Die SPDvision ist ein kämpferischer YouTube Kanal mit Peer Steinbrück im Vordergrund. Neben einem gut gemachten Werbespot und zwischen diversen TV-Reden existieren ebenfalls Stimmen und Gesichter aus der Bevölkerung, die man auf dem Kanal der Arbeiterpartei auch erwarten würde.

CDU

3.398 Abonnenten, 2.593.510 Aufrufe, Beitritt am 05.08.2008.

Das „Internetfernsehen“, CDU.TV, möchte sagen: Wir sind da, wir bleiben. Einziger Haken: Dahinter steht eine Partei, die eben keinen eigenen Fernsehsender betreibt, sondern Wahlkampf, mit zugegeben großem Engagement auf der Videoplattform. Das Video „Angela Merkel hat einen guten Job gemacht!“ zeigt zum Beispiel zufriedene Merkel-Wähler vor der Kamera, eingebettet in die üblichen Wahlkampf-Produktionen. Die CDU bietet Besuchern auch Videos in Gebärdensprache.

FDP

2.661 Abonnenten, 2.886.891 Aufrufe, Beitritt am 15.02.2006.

„TV liveral“ Die FDP ist mit Mikrofonen im Partei-Design unterwegs und lässt zum Beispiel Angelika Brunkhorst zu Wort kommen, Sprecherin für Naturschutz und Reaktorsicherheit der FDP-Bundestagsfraktion. Rainer Brüderle ergreift im Kanal das Wort zum Sonderfonds „Flutopfer“, das Video einer Pressekonferenz vom 16.08.2013 zeigt Brüderle und FDP-Chef Rösler mit dem Titel „Soli abschaffen. Deutschland entlasten. (182 Aufrufe)“.

AfD

895 Abonnenten, 54.494 Aufrufe, Beitritt am 25.07.2013.

Auch die  Alternative für Deutschland hat es fast zum echten Fernsehkanal gebracht. Wo andere Parteien nur mit Musik und Animationen spielen, macht die Produktion „AfD TV – Aktuelle Nachrichten“ ernst. AfD bringt mit Videos in dramatischer Aufmachung alla „World News“ und Moderator Marcel Ellenberg Inhalte der Partei zur Sprache. 

CSU

585 Abonnenten, 933.499 Aufrufe, Beitritt am 11.02.2008.

Im Video „Horst Seehofer und seine Vision für Bayern: hautnah und direkt“ spricht der CSU-Vorsitzende von seinem Bayern, der Vorstufe zum Paradies. Eindeutig der bayrischste YouTube-Kanal!

Doch gleich die erste Frage irritiert ihn. Da will ein Zuhörer wissen, was ein Kanzler Steinbrück gegen die Falschfahrer auf den deutschen Autobahnen tun will. Der 56-Jährige aus Wesel am Niederrhein ist gut vorbereitet, kennt Zahlen und Details und hat sich offenbar in das Thema hineingekniet. Er ist vielleicht ein bisschen zu sehr wie Steinbrück. „Ich kann nicht jeden davor schützen, etwas sehr Unvernünftiges zu tun“, sagt Steinbrück. Wie so oft in den vergangenen Monaten wird er etwas patzig, wenn er seine Irritation nicht verbergen kann.

150 Zuschauer aus ganz Deutschland hat der für die ARD produzierende WDR nach Mönchengladbach geholt, die dem ersten Mann der Sozialdemokraten 75 Minuten lang Fragen stellen dürfen, kritische Nachfragen sind ausdrücklich erwünscht. Zu Beginn der Sendung wirkt Steinbrück angespannt, steht steif im Zentrum der runden Bühne, macht um das gläserne Pult herum ein paar Schritte auf die Fragesteller zu, zögerlich nur, um dann wieder zurückzuweichen. Rückzug liegt Peer Steinbrück nicht. Attacke kann er besser – und hält sich mit Seitenhieben auf die Regierung an diesem Abend doch auffallend zurück.

Kommentare (50)

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petervonbremen

12.09.2013, 07:43 Uhr

Bei Herrn Steinbrück begeistert mich seine Lebendigkeit, sein Engagement und seine Offenheit bei Fragen, die er auf Grund von Wissenslücken nicht sachlich richtig beantworten könnte. Außerdem macht er in den Bereichen, die er fachlich und sachlich abdeckt, einen wesentlich kompetenteren Eindruck auf mich als Frau Merkel. - Meine Stimme hat er - ganz klar!!

Malpheas

12.09.2013, 07:58 Uhr

Ein Mann, der mitten in der Finanzkrise als Finanzminister (!) den Satz: "Wir haben die HypoRealEstate gerettet, um sie ordentlich abzuwickeln." raushaut, sich dann wundert dass die HRE keine Refinanzierung mehr bekommt, und am Ende sich sogar bestätigt sieht, weil die Bank tatsächlich den Bach runtergegangen ist, hat Dummheit im Amt bewiesen. Als Finanzminister muss ich wissen, dass ein solcher Satz für jede Bank - erst recht für deutlich angeschlagene - ein Todesurteil darstellt.Und das kann man dann nachher nicht als richtige Einschätzung verkaufen. Das ist so , als würde ein Jäger sagen: "guck mal, das Reh, das ist doch schon fast tot", es erschießt, und dannvor dem Kadaver steht und sagt, er habe doch wohl eindeutig recht gehabt. Solch Dilettantismus ist eindeutig unwählbar.

Account gelöscht!

12.09.2013, 08:02 Uhr

Ich hätte da auch eine Frage an Herrn Steinbrück: an welche Wählergruppe(n) richtet sich die SPD eigentlich?

Die klassische SPD-Klientel, die Arbeiter (durchaus im weiteren Sinne von Arbeitenden, Produktiven gemeint - dh. jeder, der einer sinnvollen Tätigkeit nachgeht) sind es jedenfalls nicht MEHR.

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