Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.09.2013

06:51 Uhr

ARD-Wahlarena

Merkel steuert schon lange nicht mehr selbst

VonRaphael Moritz

Kanzlerin Merkel hat sich in der Wahlarena den Fragen einiger Bürger gestellt. Es ging um Leiharbeit, Gleichstellung und ums Autofahren. Eine nette Plauderstunde – denn richtig konkret wurde Merkel nur bei einer Frage.

Mönchengladbache

150 ausgewählte Zuschauer durften Bundeskanzlerin Angela Merkel mit ihren Fragen löchern. dpa

150 ausgewählte Zuschauer durften Bundeskanzlerin Angela Merkel mit ihren Fragen löchern.

Es ist eine Fliege, mit der Merkel versucht, das Publikum für sich zu gewinnen. Noch bevor die Übertragung der ARD-Wahlarena läuft, fuchtelt sie mit dem Arm vor ihrem Gesicht herum und begrüßt die Zuschauer mit den Worten: „Hier ist eine Fliege!” Die Kanzlerin weiß, dass es am Ende die Fußballvorlieben der Spitzenpolitiker oder die persönlichen Geschichten sind, an die sich die Wähler erinnern.

Und so gibt es am Montagabend in der Wahlarena im Kunstwerk in Mönchengladbach viele Plaudereien, aber wenig Aufklärung. Etwa Merkels Geständnis, dass sie nur noch auf Waldwegen Auto fährt, weil sie schon so lange nicht mehr am Steuer gesessen hat oder dass sie ihre Halskette aus dem TV-Duell nicht als Pfand für umgesetzte Wahlversprechen verschenken möchte.

Immerhin, bei einigen Fragen blieben die Zuschauer hartnäckig, Merkel erklärt des Öfteren: „Das schaue ich mir gerne nochmal an.” Seien es befristete Verträge in der Pflegebranche, Integrationskurse, eine Praktikumsarbeit eines Studenten über Werkverträge oder einem „krassen” Fall von Leiharbeit, wie Merkel selber dazu sagte. Es war die dritte Frage des Abends, von einem Leiharbeiter aus Leipzig. Seit zehn Jahren arbeitet der bei einer Tochter des Stahlriesen ThyssenKrupp. Die Firma produziert Automobilteile für Porsche und BMW.

„Ich habe nichts gegen Leiharbeit in Produktionsspitzen. Bei uns dauert diese Spitze aber schon ein Jahrzehnt. Die Stammbelegschaft besteht aus 30 bis 40 Mitarbeitern, dazu kommen 500 Leiharbeiter. Wie wollen Sie diesen Missbrauch beenden?”, fragt der Herr mit sächsischem Akzent. Hier spielt Merkel geschickt. Sie hört zu, kommt aus sich raus, hakt nach. Wie hoch der Lohnunterschied zur Stammbelegschaft denn sei, fragt sie. „Da wo ich arbeite, gibt es keine Stammbelegschaft, daher kann ich keinen Lohnunterschied nennen.” Merkel staunt und tritt ein Stück vom gläsernen Pult zurück, an dem sie sich bis dahin eisern festhält. „Ich halte das für einen sehr krassen Fall”, sagt sie. Dafür sei die Leiharbeit nicht gedacht.

Alles in allem geht es in der Arena aber eher zu wie bei einer kuscheligen Bürgersprechstunde. Das Wahlvolk stellt Fragen, Merkel antwortet. Im Mittelpunkt steht nicht der leidenschaftliche Austausch von Argumenten, Idealen oder Visionen. Das Meiste wird angesprochen, das Wenigste geklärt. Ihrer Wahlkampfstrategie bleibt Merkel auch in der Arena treu: abwarten und aussitzen, im Zweifel später nochmal anschauen.

Kommentare (84)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

10.09.2013, 07:09 Uhr

Merkel hängt an den Fäden der Mächtigen aus Übersee.

manthra

10.09.2013, 07:30 Uhr

Das Manöver mit der Angst klappt wunderbar, dazu meinte Merkel:
“Es ist Aufgabe der Politik, das Bedrohungsgefühl in der Bevölkerung zu stärken " - Angela Merkel, CDU und Bundeskanzlerin am 03.02.2003 im Präsidium der CDU++ Und die Deutschen sind SAUDUMM, brauchen einfach eine politische (Multi-Kulti..Ersatz-) Mutti...++
"Denn wir haben wahrlich keinen Rechtsanspruch auf Demokratie und soziale Marktwirtschaft auf alle Ewigkeit" - Angela Merkel, CDU und Bundeskanzlerin++

Rene

10.09.2013, 07:37 Uhr

Schlechter HB-Beitrag: Also ob sie als dt. Bundeskanzlerin in das irische Rechtssystem reinregieren kann.
Das sind die Folgen der sozialistischen Deindustrialisierung Europas der letzten 20 Jahre, dass die Internetfirmen in den USA stehen...

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×