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08.06.2017

08:35 Uhr

Argentiniens Präsident Macri

Merkel trifft den Hoffnungsträger Südamerikas

VonAlexander Busch

Bundeskanzlerin Merkel ist heute in Argentinien zu Gast. Präsident Mauricio Macri ist zum Hoffnungsträger auf einem kriselnden Kontinent geworden. Sein Reformprogramm ist beeindruckend, doch Macri steht unter Zeitdruck.

Der argentinische Präsident trifft Bundeskanzlerin Angela Merkel. Reuters

Mauricio Macri

Der argentinische Präsident trifft Bundeskanzlerin Angela Merkel.

SalvadorDer argentinische Präsident Mauricio Macri hat in den vergangenen sechs Wochen so viele Führer von Weltmächten getroffen wie seine Vorgänger in eineinhalb Jahrzehnten nicht: Macri besuchte Donald Trump in Washington, Xi Jinping in Peking und Shinzo Abe in Japan.

An diesem Donnerstag nun wird Macri Bundeskanzlerin Angela Merkel in Buenos Aires empfangen. Die Kanzlerin wird von den Chefs deutscher Konzerne wie Siemens, Dea, Fresenius, Berenberg Bank und Voith begleitet. Merkel bleibt nur einen Tag in Argentinien, bevor sie nach Mexiko weiterreist. Sie will deutsche Unternehmer treffen, vor Wissenschaftlern sprechen, die Orgel in einer restaurierten Synagoge einweihen und den Park der Erinnerung besuchen, in Gedenken an die Opfer der Militärdiktatur Argentiniens.

Vita Mauricio Macri

Der Präsident

Mauricio Macri, 58, war Unternehmer, Fußballklubmanager und Bürgermeister, bevor er Präsident wurde. Die vom Vater gegründete Macri-Gruppe ist eines der größten Firmenkonglomerate des Landes. Sohn Mauricio führte dessen Automobiltochter Senel. 2001 gründete er eine Stiftung, aus der später eine Partei wurde. Von 2007 an war er acht Jahre lang Bürgermeister der Hauptstadt Buenos Aires. 2015 wurde er Präsident und beendete die Epoche der Kirchners

Die Bilanz

Macri krempelt Argentinien um. Er gab den Wechselkurs des Pesos frei, beendete Devisenkontrollen, öffnete das Land für den Handel und löste den Anleihestreit mit Hedgefonds nach der Staatspleite 2001. Doch die Probleme sind groß: Ein Viertel der jungen Menschen hat keine Arbeit, Macris Sparkurs schwächt die Kaufkraft der 41 Millionen Argentinier, indem er etwa Energiesubventionen streicht. Der Präsident hofft auf Wachstum in diesem Jahr. Es ist ein Rennen gegen die Zeit: Bis zu den Kongresswahlen im Oktober müssen die Wähler spüren, dass sich Macris Reformen positiv auswirken.

Macri wird das Treffen mit Merkel vor allem nutzen, um sein Land als Investitionsstandort in Lateinamerika nach 15 Jahren linker Regierungen anzupreisen. Das Reformprogramm, das der Präsident seit seinem Amtsantritt Ende 2015 im rasanten Tempo umsetzt, ist beeindruckend.

Nicht nur in Lateinamerika, auch weltweit gibt es kaum Regierungen, die so schnell die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft verbessert haben. Macri gab den Wechselkurs des Peso frei und beendete die Devisenkontrollen. Er öffnete das Land für den Handel, reduzierte die Exportsteuern auf Agrarprodukte und löste das Schuldenproblem Argentiniens mit den Hedgefonds in New York.

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Der Internationale Währungsfonds (IWF) begleitet wieder die Reformen und lobt den Kurs Macris. 117 Milliarden Dollar hat Argentinien bei der Steueramnestie eingenommen. Es war eine der erfolgreichsten Legalisierungen von Schwarzgeld weltweit.

Macris Popularität ist durch seine Reisediplomatie wieder gestiegen, nach einem Tief im Februar: 53 Prozent der Argentinier stehen hinter ihm. Diesen Rückhalt braucht der Präsident, solange die Konjunktur zögerlich anläuft und die Inflation zwar sinkt, aber weiterhin bei derzeit rund 27 Prozent steht und die Kaufkraft der Menschen aushöhlt.

Im Moment kauft sich der Präsident Zeit: Er erhöht die Staatsausgaben, um mit Infrastrukturprojekten die Konjunktur zu beleben – so lange, bis die privaten Investoren wiederkommen. Doch die lassen sich Zeit. Deshalb erhöht die Regierung das Haushaltsdefizit, was sie mit Krediten und Inflation finanziert. Um 38 Prozent sind die Ausgaben im ersten Quartal gestiegen.

Kommentare (3)

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Herr Holger Narrog

08.06.2017, 09:05 Uhr

Argentinien war bis Anfang der 50er Jahre wohlhabender als Europa.

Dann begann ein sozialistischer Abstieg. Regelmässige sozialistisch populistische Regierungen haben das Land in Chaos und Pleiten geführt. Auch zwischenzeitliche Militärregierungen vermochten dies nicht zu ändern.

Es ist dem Land zu wünschen, dass es wieder auf die Beine kommt. Ich fürchte Fr. Merkel wird dabei nicht helfen.

Herr Michael Müller

08.06.2017, 10:43 Uhr

Argentinien zeigt, wie sich zu viel Sozialismus auswirkt. Frau M. sollte dies eigentlich aus ihren jüngeren Jahren kennen.

Wie viele Milliarden wird dieser Besuch den Deutschen Steuerzahler kosten?

x y

08.06.2017, 12:06 Uhr

Hier Cum-Cum und Cum-Ex dort Elliott Management etc.

Quellen: http://www.zeit.de/2017/24/cum-ex-steuerbetrug-steuererstattungen-ermittlungen

https://www.theguardian.com/world/2016/feb/24/argentina-creditors-lawsuit-defaulted-bonds-five-billion-deal

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