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07.05.2011

14:37 Uhr

Arm-Reich-Schere

IW-Chef gegen neue Vermögenssteuer

VonDietmar Neuerer

IW-Chef Michael Hüther hat den Vorstoß für eine neue Vermögenssteuer abgeblockt. Der Hinweis auf die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich sei kein hinreichendes Argument. Sein Patentrezept: mehr Arbeitsplätze.

Direktors des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW), Michael Hüther. Quelle: dpa

Direktors des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW), Michael Hüther.

DüsseldorfDÜSSELDORF. Der Hinweis auf die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich ist nach Ansicht des Direktors des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW), Michael Hüther, kein hinreichendes Argument für die Wiedereinführung der Vermögensteuer. „Der entscheidende Hebel zur Entspannung der Verteilungssituation liegt in einer steigenden Erwerbstätigkeit“, sagte Hüther Handelsblatt Online. Genau das laufe aber mit hoher Dynamik. „Insofern gibt es keinen Grund für steuerpolitische Experimente. Zumal das oberste Zehntel der Einkommensteuerzahler nach wie vor mehr als die Hälfte der gesamten Einkommensteuerlast und das obere Viertel der Einkommenspyramide immerhin noch knapp drei Viertel dieser Steuerlast schultert.“

Hüther wandte sich damit gegen einen Vorstoß der SPD und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Vize-Vorsitzende der SPD-Fraktion im Bundestag, Joachim Poß, hatte die Wiedereinführung der Vermögenssteuer gefordert.

Der DIW Präsident Gert Wagner hatte sich für eine neue Vermögenssteuer, die Anhebung der Einkommenssteuern im oberen Bereich sowie eine Reform der Erbschafts- und Schenkungssteuer ausgesprochen. Er hatte dies damit begründet, dass in den letzten zehn Jahren die verfügbaren Einkommen des ärmsten Zehntels der Bevölkerung real um gut 10 Prozent zurückgegangen sei, während das reichste Zehntelreale Einkommenszuwächse von fast 20 Prozent erzielen konnte.

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Hüther sprach von einem strittigen DIW-Befund. In langer Frist - von 1984 bis 2008 – habe sich die Relation des Jahreseinkommens der Gutsituierten zu dem der Einkommensschwachen von 3 auf 3,5 erhöht. „Dies ist angesichts der in dem Zeitraum intensivierten Globalisierung und des technischen Fortschritts, die beide tendenziell die Einkommensverteilung dehnen, nicht viel“, gab der IW-Chef zu bedenken. Die Mittelschicht bewege sich in den letzten anderthalb Jahrzehnten zudem recht stabil zwischen 60 und 67 Prozent. Das sei im internationalen Vergleich „erstaunlich“, so Hüther. Die Armutsgefährdungsquote liegt überdies nach Intervention des Staates durch Steuern und Transfers robust bei 13 Prozent und damit auf skandinavischem Niveau. Und, wie nun bekannt wurde, seien nicht 16,3 Prozent, sondern nur 8,3 Prozent der Kinder in prekären Verhältnissen aufgewachsen.

Kommentare (9)

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07.05.2011, 15:42 Uhr

Ein paar 1-Euro-Jobs für einen Konstrukteur Kälte/Klima, einen Servicetechniker Kälte Klima, IT-, Marketing- und Vertriebsleute + Reinemachfrau könnte ich auch schaffen, kein Problem!

keeper

07.05.2011, 15:50 Uhr

Nachfragefinanzierung.

Die eigentliche Ursache der aktuellen Wirtschaftskrisen liegt in der Ungleichverteilung.

was früher Lohnkosten und Arbeitseinkommen waren,
sind heute Kapitalkosten und Kapitalerträge;

Was früher Millionen von Arbeitnehmern zum Konsum zur Verfügung stand,
und über die Nachfrage nach Produkten die ganze Wertschöpfungskette hinter sich hergezogen hat,
steht heute einer Minderheit an Kapitaleignern zur Verfügung,
und muss nun zwangsläufig über Kredit in den Wirtschaftskreislauf zurückfliessen.

Hüthers Träumerei, der Weg zu einem funktionierendem Wirtschaftskreislauf funktioniere über "Arbeitsplätze",
ist fern jeglicher Empirie zu Entwicklung und IST-Zustand:

es kommt nämlich nicht auf die "Arbeitsplätze" an,
sondern auf das "Einkommen" in der Masse.

... und dazu bedarf es eigentlich nicht erst einen Blick auf die Einzelhandelsumsätze im aktuellen "XXL-Aufschwung" zu werfen - ein bisschen Hirn einschalten sollte genügen.


Erst durch die Ungleichverteilung entsteht der Zwang zur kreditfinanzierten Nachfrage;

vor der Subprimekrise: immobiliengesicherter Konsum auf Pump;
seither: Konjunkturpakete-auf-Pump.

... anstatt es sich von den Reichen zu pumpen
könnte, sollte, ja: müsste man das Geld von den Reichen
per Steuer eintreiben.

Das Geld ginge dann den selben Weg;
- nur: es stünden keine Schuldenberge und uneinbringliche Forderungen im Raum.

als spieltheoretischen Ansatz:
eine Partie Monopoly mit einer Startaufstellung,
welche den tatsächlichen Eigentumsverhältnissen im Lande entspricht.
Die einen kassieren ab - die anderen müssen mit jedem Zug blechen.
Das Spiel ist nach kürzester Zeit vorbei - es sei denn,
daß jene welche besitzen den Habenichtsen das Geld "leihen".

Das Resultat: Überschuldung;
die Ursache: die Ungleichverteilung.

karlosdallos

07.05.2011, 16:49 Uhr

Was haben 8 000 Milliarden Vermögen mit
ARBEIT zu tun ?

Es ist in der Tat erstaunlich, dass
MITTELSCHICHT genau da anfängt,
wo Hartz4 gerade aufhört.

Noch erstaunlicher, dass eben diese MITTELSCHICHT
den Machern nicht den Garaus bläst.

Vielmehr begnügt sich diese offensichtlich
-man ist erneut erstaunt-
dass genau 68% erwarten,

dass es zu Verschlechterungen
"in der Arbeit" kommen wird.

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