Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.04.2011

10:02 Uhr

Armut im Alter

"Die Zusatzvorsorge hat Schwächen"

VonPeter Thelen

Die staatliche Rente reicht nicht mehr, Millionen Menschen sorgen privat fürs Alter vor. Aber reicht das? Ein Gespräch mit dem Freiburger Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen.

Rentner sollten fürs Alter privat vorsorgen, sagt Bernd Raffelhüschen. Quelle: picture-alliance/ dpa

Rentner sollten fürs Alter privat vorsorgen, sagt Bernd Raffelhüschen.

Handelsblatt: 14,4 Millionen Menschen haben eine Riester-Rente abgeschlossen. Ist die Angst vor Altersarmut überzogen?
Bernd Raffelhüschen: Auf den ersten Blick scheint das Problem noch da zu sein, denn die Zahlen zeigen, dass nur 50 Prozent der Niedrigeinkommensbezieher einen Riester-Vertrag haben. Doch das müsste noch genauer untersucht werden. So wissen wir nicht, wie viele Niedrigverdiener auf sozialversicherungsfreie Entgeltumwandlung setzen, weil sie keine Steuern zahlen und Riestern sich daher für sie nicht lohnt.

Handelsblatt: Reicht die Riester-Rente, um die Versorgungslücke zu schließen?
Raffelhüschen: Das kommt auf den Fall an, aber für die Mehrheit dürfte die Antwort lauten: Besser zusätzlich noch ein wenig private und/oder betriebliche Altersvorsorge – dann kann man mit Einkünften rechnen, die den Lebensstandard auch im Alter sichern.
Handelsblatt: Welche Rolle spielt dabei die betriebliche Altersversorgung?
Raffelhüschen: Sie kann man nicht hoch genug einschätzen. In der Industrie und vor allem in Großbetrieben dürften die Betriebsrentenansprüche mit den Ansprüchen der gesetzlichen Rente fast schon gleichziehen. Lücken finden sich natürlich auch: bei Kleinbetrieben und in Ostdeutschland.
Handelsblatt: Wie steht es um die Effizienz der Riester-Rente? Fließt die staatliche Förderung nicht vor allem in die Vertriebskosten?
Raffelhüschen: Staatliche Subventionen kommen nie ganz dem Verbraucher zugute, ob Solar oder Altersvorsorge – es wird immer geteilt. Und hier wie überall gilt: So mancher Anbieter teilt fair, andere nicht. Die ganz schwarzen Schafe sind allerdings durch staatliche Regulierung ausgeschlossen.
Handelsblatt: Wird das Ziel erreicht, über das Instrument der Kapitaldeckung Anleger auf der ganzen Welt an den künftigen Kosten der Altersversorgung zu beteiligen?
Raffelhüschen: Das ist wohl der heikelste Punkt bei großen Teilen der Riester-Produkte. Wenn man sich die Refinanzierung anschaut, dann stellt man fest, dass viele Anbieter das Vorsorgekapital fast zur Gänze in „sicheren“ Staatspapieren anlegen. Mal ganz abgesehen von sicheren griechischen oder irischen Papieren gilt selbst bei Bundesobligationen: Wo der zukünftige Beitragszahler bei der Rente fehlt, da fehlt natürlich auch der Steuerzahler für die Bedienung der Staatsschuld in späteren Jahrzehnten. Staatsschuld aufzunehmen ist aber keine Kapitaldeckung. Sie entsteht nur bei Investitionen in Realkapital und Immobilien. Hier müssen wir uns bei der derzeitigen Volatilität des Aktienmarktes einiges einfallen lassen, um das Potenzial künftiger Börsengewinne für die betriebliche Altersversorgung zu heben, ohne das Risiko zu vernachlässigen.

Bernd Raffelhüschen ist Professor für Finanzwirtschaft an der Universität Freiburg und Mitglied im Aufsichtsrat der ERGO-Versicherungsgruppe.

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

05.04.2011, 12:42 Uhr

Den meisten Niedrigverdienern kann man nur empfehlen: Legt ein paar 1000 EUR für Notfälle und Anschaffungen auf's Sparbuch und lebt vom Rest. Irgendwelche finanzielle Vorsorge wird euch nur von der Grundsicherung abgezogen.

Wer im Alter wirklich vernünftig leben will, muss neben der gesetzlichen Rente mindestens 500.000 EUR pro Person auf die hohen Kante legen. Man teile das durch 25 Jahre restliche Lebenszeit und hoffe, dass die Verzinsung des Kapitals wenigstens zum Ausgleich von Steuern und Inflation reicht! Da bleibt kein üppiger monatlicher Betrag übrig, speziell wenn man die Kosten für fünf Jahre Altersheim mit einplant.

Account gelöscht!

05.04.2011, 13:36 Uhr

und Mitglied im Aufsichtsrat der ERGO-Versicherungsgruppe.
----------------

und nicht vergessen, er gehört zur Initiative neue soziale Marktwirtschaft, die keine soziale Marktwirtschaft will, sondern puren Kapitalismus.
Raffelhüschen war einer der lautesten Befürworter der Rieserrente, nun hat er doch wenigstens einen schönen Posten beid er Vesicherung.
Die Riesterrente ist der größte Blödsinn und Augenwischerei, sie bringt gar ncihts, außer den Versicherungen ein Milliardengeschäft
Ist Raffelhüschen eigentlich beamteter Dozent oder Honorarprofessor?
Das sollte man mal nachprüfen. Denn wenn er beamtet ist, dann sollte ihm ein HJob in der Vers. verboten sein

Morchel

05.04.2011, 15:24 Uhr

margrit117888 Nun Die DVAG Gehaltsliste ist voll mit ehmaligen Würdenträgern Die Gästeliste ebenfalls. AWD=Swiss Life Maschmeier. Der wirtschaftsweise hat auch schnell das Mappus AKW schnell verlassen Intressenskonflikt gibts nichts mehr zu beraten.
Der Gründer Reinfried Pohl DVAG ist der Grosse Spender an die FDP. Denkste nicht wenn ich den jeden Monat meine Kohle anvertraue das der sie nicht für mich bis ins Hesteralter vermehrt. Die gesetzliche hol ich mir bei Rathiparm. Tick, Tick, Tick es beschleunigt sich alles irgendwie. der Rettungsschirm für die verarschte untere schicht hält.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×