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19.12.2013

15:18 Uhr

Armutsbericht

Arm wird ärmer, reich wird reicher

VonMaike Freund

Trotz guter Wirtschaftslage ist jeder Siebte in Deutschland von Armut bedroht, zeigt eine aktuelle Untersuchung. Und die Kluft zwischen Arm und Reich wächst – in einigen Regionen ist sie besonders tief.

Armutsbericht: SPD ist gefordert

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DüsseldorfDie Wirtschaftslage in Deutschland ist gut, die Arbeitslosenzahlen sind rückläufig. Deutschland steht eigentlich gut da. Und trotzdem gilt: arm wird ärmer, reich wird reicher. Zu dem Ergebnis kommt eine Studie der Wohlfahrtsverbände.

Jeder Siebte gilt in Deutschland als einkommensarm oder ist von Armut bedroht. Mit 15,2 Prozent der Gesamtbevölkerung habe die Armutsquote in Deutschland einen „besorgniserregenden Höchststand“ erreicht, sagte Verbandsgeschäftsführer Ulrich Schneider. „Deutschland war noch nie so gespalten wie heute.“ Auch das Ausmaß der regionalen Zerrissenheit von Bundesland zu Bundesland wie zwischen Land und städtischen Ballungsgebieten habe eine neue Qualität erreicht.

Die Studie zeigt: Es gibt deutliche Einkommensgefälle zwischen den Bundesländern. Während in Ländern wie Baden-Württemberg (11,1 Prozent) und Bayern (11,2 Prozent) die Einwohner deutlich seltener von Armut bedroht sind als im bundesweiten Schnitt, sieht die Lage in anderen Ländern dramatischer aus. Zum Beispiel in Bremen, wo fast jeder Vierte von Armut bedroht ist. Die Quote liegt dort bei 23,1 Prozent. Oder im Osten. In Thüringen nimmt die Armut wieder zu, ebenso wie in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Elf Länder, so die Studie, haben schlechtere Werte als im Vorjahr. Das Fazit des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes: „Sämtliche positiven Trends aus den letzten Jahren sind zum Stillstand gekommen oder haben sich sogar gedreht.“

Die reichsten Stadtkreise in Deutschland

Platz 1

München ist der reichste Stadtkreis. Die 1,38 Millionen Einwohner werden 2014 28.920 Euro für Konsum zur Verfügung haben. Der Index liegt bei 136,6.

Die Angaben beruhen auf einer Untersuchung der GfK GeoMarketing GmbH.

Platz 2

Auf Platz 2 der reichsten Stadtkreise liegt Erlangen mit einem Kaufkraft-Index von 124,9 und 26.447 Euro Kaufkraft pro Einwohner.

Platz 3

Die rund 590.000 Einwohner Düsseldorf schaffen es auf Platz 3 der reichsten Stadtkreise. Der Kaufkraft-Index liegt bei 120,7, die Kaufkraft liegt 25.566 Euro.

Platz 4

Baden-Baden liegt auf Platz 4. der Index des Stadtkreises liegt mit 118,9 immer noch weit über dem Schnitt. Die Kaufkraft liegt bei 25.182 Euro pro Einwohner.

Platz 5

Auch Frankfurt am Main steht gut da. Der Index liegt bei 117,7, die Durschschnittskaufkraft in Euro bei 24.920.

Platz 6

Die rund 65.000 Einwohner von Landshut stehen gut da. Die Kaufkraft liegt bei 24.516 Euro pro Einwohner, der Index bei 115,8.

Platz 7

Die rund 127.886 Ingolstädter haben 2014 im Schnitt 24.366 Euro zur Verfügung. Der Index liegt bei 115,1.

Platz 8

597.939 Stuttgarter verfügen im Jahr 2014 über 24.297 im Schnitt, der Index liegt bei 114,7.

Platz 9

Wolfsburg kommt auf einen Kaufkraft-Index von 113,5 (24.045 Euro).

Platz 10

Auch Wiesbaden liegt noch über dem Deutschlandschnitt. Der Kaufkraft-Index liegt bei 113,3, im Schnitt macht das 24.003 Euro pro Einwohner.

Die Armutsquote berechnet sich EU-weit nach dem durchschnittlichen Einkommen. Als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens zum Leben zur Verfügung hat. 2012 lag die Armutsschwelle für eine Familie mit zwei Kindern unter 14 Jahren bei 1.826 Euro, für einen Alleinstehenden bei 869 Euro. Rechnet man Sätze für Miete und anderes hinzu, liegt der Hartz IV-Satz eines Singles bei 651 Euro und damit unter der Armutsschwelle. Die Armutsquote zeigt vor allem das Gefälle zwischen Arm und Reich, sie sagt jedoch nichts darüber aus, ob jemand tatsächlich einkommensarm ist.

Kommentare (55)

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bauer

19.12.2013, 15:26 Uhr

Die Berechnung der angeblichen Armutsquote basierend auf dem Durchschnittseinkommen ist kein Maß für die Armut, sondern ein Maß für die Gleichverteilung der Einkommen in der Gesellschaft, und damit nicht geeignet, Armut zu erfassen, sondern Gleichheit. Viel Spaß noch im Sozialismus!

popo

19.12.2013, 15:26 Uhr

wenn das ma kein Armutszeugnis ist...

Seppie

19.12.2013, 15:30 Uhr

Hauptsache den Beamten geht's gut.

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