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07.04.2006

16:15 Uhr

Arzneimittel-Sparpaket verabschiedet

Apotheker dürfen keine Gratismedikamente mehr verkaufen

Das umstrittene Arzneimittel-Sparpaket der Bundesregierung tritt trotz Bedenken der Länder in Kraft. Damit sind künftig Naturalrabatte der Pharmaindustrie an Apotheker in Form von Gratispackungen verboten. Auch für Patienten gibt es wichtige Änderungen.

HB BERLIN. Der Bundesrat verzichtete am Freitag trotz Bedenken einzelner Länder auf einen nochmaligen Einspruch gegen das Gesetz, da er es letztendlich nicht zu Fall bringen und keine Änderungen durchsetzen konnte. Von den Neuerungen, die am 1. Mai wirksam werden, erhofft sich die große große Koalition für die Krankenkassen Einsparungen von 1,3 Milliarden Euro pro Jahr. So dürfen die Preise für verschreibungspflichtige Medikamente zwei Jahre lang nicht steigen. Die Preisobergrenzen für Arzneimittel, für die es wirkstoffgleiche Alternativen gibt, werden gesenkt.

Das Sparpaket soll den Kassen die Möglichkeit geben, Patienten die Zuzahlung für besonders preisgünstige Medikamente zu erlassen. Dabei handelt es sich um Arzneien, deren Preis um mindestens 30 Prozent unter dem Festbetrag für vergleichbare Wirkstoffe liegt.

Das Gesetz bedeutet gleichzeitig Einbußen für die Generikabranche. Bislang ist es üblich, Apotheken bei der Bestellung von Medikamenten extra Schachteln von den Herstellern als so genannte Naturalrabatte zukommen zu lassen. Die Apotheke gibt die Gratispackungen an den Patienten weiter und verrechnet das Rezept mit der Kasse zum vollen Preis.

Naturalrabatte werden meistens für wirkstoffgleiche, patentfreie Arzneimittel gewährt. Damit wollen Pharmaunternehmen erreichen, dass die Apotheken ihre Produkte bevorzugen. Naturalrabatte sind ganz normale Arzneimittelpackungen, die von der Apotheke zum normalen Preis weiterverkauft werden. Der Gewinn verbleibt bei der Apotheke, die Endverbraucher haben nichts davon.

Die Deutschen Apothekerverbände (ABDA) schätzen den Wert der jährlichen Naturalrabatte auf 180 Mill. Euro. Sämtliche Vergünstigungen für Apotheken beziffern sie mit jährlich rund 450 Mill. Euro, das sind drei Prozent des gesamten Einkaufsvolumens. Die drei größten Generikaproduzenten sind in Deutschland Hexal/Sandoz, Ratiopharm und Stada.

Nach dem Willen des Gesundheitsministeriums sollten die Neuerungen eigentlich bereits am 1. April in Kraft treten. Der Termin war wegen des Streits zwischen Bund und Ländern nicht zu halten. Durch den Aufschub um einen Monat wurden nach Angaben des Ministeriums Einsparungen von etwa 120 Millionen Euro verfehlt. Es handelte sich um das erste Reformprojekt der schwarz-roten Koalition, das an den Vermittlungsausschuss überwiesen worden war.

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