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29.01.2010

10:16 Uhr

Arzneimittelkosten

Sparpläne Röslers begeistern Kassen

VonPeter Thelen

Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) will mit der Pharmaindustrie und den Krankenkassen darüber diskutieren, wie Arzneimittelkosten eingespart werden können. Die Krankenkassen wollen vor allem den Preis patentgeschützter Präperate senken, die Industrie lehnt eine Senkung bisher ab.

Gesundheitsminister Rösler will die Kosten für Medikamente senken. ap

Gesundheitsminister Rösler will die Kosten für Medikamente senken.

BERLIN. Mit Erleichterung haben die gesetzlichen Krankenkassen auf die Ankündigung von Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) reagiert, bereits im Februar mit ihnen und der Arzneimittelindustrie Gespräche über mögliche Einsparungen bei Arzneimitteln zu führen. Nach der Schelte durch die Politiker für die Zusatzbeiträge der vergangenen Tage sei dies eine gute Nachricht aus dem Hause Rösler, hieß es in Kassenkreisen.

„Wir nehmen die Einladung gerne an“, sagte der Sprecher des GKV-Spitzenverbands, Florian Lanz. „Die Begrenzung des Auswuchses bei den Arzneimittelausgaben ist eine Herausforderung, die dringend angegangen werden muss.“ Auch die Pharmaindustrie zeigte sich gesprächsbereit.

Der Minister hatte, nachdem in den vergangenen Tagen Kritik aus dem Kanzleramt an seiner Arbeit bekannt geworden war, gestern überraschend in einem Interview mit der „FAZ“ die Gespräche angekündigt.

„Rösler hat recht, angesichts der Lage wird niemand im Gesundheitswesen der Frage ausweichen können, wie effizient seine Leistungen sind“, sagte die Hauptgeschäftsführerin des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller (VFA), Cornelia Yzer. „Wir sind aber überzeugt, den Nutzen unserer Produkte darlegen und ihre Kosten rechtfertigen zu können“, fügte Yzer hinzu. Die Industrie ist gleichwohl offenbar bereit, mit konkreten Angeboten in die Verhandlungen mit Rösler zu gehen. So zeigte sich der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) offen für Preisverhandlungen bei den besonders teuren patentgeschützten Arzneimitteln. Yzer lehnte Preisverhandlungen ab. Sie bot aber an, Kassen in Zukunft die Möglichkeit zu geben, mit Herstellern für patentgeschützte Medikamente sogenannte Mehrwertverträge abzuschließen. Dabei erstattet die Industrie z.B. einen Teil des Kaufpreises, wenn zuvor vereinbarte Versorgungsziele mit einem Medikament nicht erreicht werden.

Die in ihrer Preisbildung völlig freien patentgeschützten Präparate sind in erste Linie für den starken Ausgabenanstieg verantwortlich. So stieg der Umsatz in diesem Marktsegment bis November vergangenen Jahres nach aktuellen Daten um 15 Prozent. Bislang können die Kassen nur bei Nachahmerprodukten mit den Herstellern über Rabatte verhandeln.

Auch diese von der Großen Koalition eingeführten Verträge verteidigte Rösler. Sie hätten den Versicherten Vorteile gebracht. Bisher war erwartet worden, dass Union und FDP die Rabattverträge abschaffen wollen. Die Generikabranche reagierte enttäuscht und warnte vor einer weiteren Gefährdung kleiner und mittlerer deutscher Pharmaunternehmen.

Kommentare (4)

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Otto

29.01.2010, 11:45 Uhr

Es kann nicht nur um die besonders teuren patentgeschützten Präparate gehen. Wenn ich vor einigen Tagen den Jahresabschluss der Novartis gelesen habe und folgende Zahlen gelesen habe kann ich nur von einer Charakterlosigkeit sprechen. Hier ist kein Ehrgefühl mehr vorhanden. Umsatz rd. 44 Mrd. , Gewinn rd. 11 Mrd. = ca. 25 % und dies nach Steuern, boni, Parteispenden,Lobbyarbeit und Lobbygeschenken. Hier wird die Gesundheit der bevölkerung vorsätzlich mit Füssen getreten. Alles hat seinen Preis. Unternehmen müssen Gewinne machen, hier sind jedoch die Preisüberwachungs-behörden der Schweiz, USA und Deutschland dringend gefordert.

Hans-Heinrich Büller

29.01.2010, 12:28 Uhr

Endlich ein richtiger Weg, der hoffentlich zum Erfolg führt.

mannidry

29.01.2010, 14:38 Uhr

zu Otto... das ist die Umsatzrendite - die Kapitalrendite wird noch um ein mehrfaches höher liegen. Db-Ackermann lässt grüßen - er strebt ja nur eine EiGENKAPiTAL-Rendite von 25 % an.

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